Evarcha falcata: Bunter Sichelspringer im Terrarium halten
Einrichtungsbeispiele mit Evarcha falcata

Wissenswertes zu Evarcha falcata (Bunter Sichelspringer)
Der Bunte Sichelspringer, wissenschaftlich Evarcha falcata, gehört zu den faszinierenden heimischen Springspinnen und fällt durch sein aktives Jagdverhalten auf.
Herkunft und Verbreitung
Evarcha falcata ist eine in weiten Teilen Europas verbreitete Springspinne. Ihr Verbreitungsgebiet reicht über große Teile der gemäßigten Paläarktis und umfasst damit Regionen Europas und Asiens. Auch in Deutschland kann die Art gefunden werden. Sie ist kein exotischer Terrarienbewohner, sondern ein Vertreter der heimischen Spinnenfauna, der aufgrund seiner überschaubaren Größe, seines interessanten Verhaltens und seiner guten Beobachtbarkeit für naturkundlich interessierte Terrarianer besonders spannend ist.
Die Art kommt bevorzugt in strukturreichen, eher offenen Lebensräumen vor. Typische Fundorte sind Waldränder, Lichtungen, Wiesen, Heideflächen, Gebüschsäume und niedrig bewachsene Bereiche. Dort bewegt sich Evarcha falcata auf Gräsern, Kräutern, niedrigen Sträuchern und in der Streuschicht. Entscheidend ist weniger eine bestimmte Pflanzenart als eine abwechslungsreiche Vegetationsstruktur, die Jagdplätze, Sonnenstellen und geschützte Rückzugsorte bietet.
Gattung und Familie
Der Bunte Sichelspringer gehört zur Gattung Evarcha und zur Familie der Springspinnen, Salticidae. Springspinnen zählen zu den besonders visuell orientierten Spinnen. Charakteristisch sind die auffälligen, nach vorne gerichteten Hauptaugen, die ein für Spinnen außergewöhnlich leistungsfähiges räumliches Sehen ermöglichen.
Evarcha umfasst zahlreiche Arten, deren Vertreter überwiegend als aktive Jäger auftreten. Statt ein klassisches Fangnetz anzulegen, suchen sie ihre Umgebung nach Beutetieren ab und nähern sich diesen gezielt. Diese Lebensweise macht auch Evarcha falcata im Terrarium interessant, weil viele Verhaltensweisen unmittelbar beobachtet werden können.
Die wichtigsten Fakten
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Wissenschaftlicher Name | Evarcha falcata |
| Deutscher Name | Bunter Sichelspringer |
| Familie | Salticidae |
| Gattung | Evarcha |
| Lebensweise | tagaktiv, frei jagend |
| Herkunft | Europa und Teile Asiens |
| Lebensraum | Wiesen, Waldränder, Lichtungen, Heide und niedrige Vegetation |
| Körpergröße | wenige Millimeter, Weibchen meist größer als Männchen |
| Nahrung | kleine Insekten und andere geeignete Gliederfüßer |
| Sozialverhalten | überwiegend einzelgängerisch |
| Fortpflanzung | Paarung nach visueller Balz, Eiablage in geschütztem Gespinst |
| Giftigkeit | für Menschen normalerweise ungefährlich |
| Besonderheit | sehr gutes Sehvermögen und ausgeprägtes Sprungvermögen |
Beschreibung und Aussehen
Evarcha falcata ist eine kompakt gebaute Springspinne mit vergleichsweise kräftigen Vorderbeinen. Wie für Salticidae typisch wirkt der Vorderkörper markant und trägt die großen Hauptaugen. Die Körperlänge liegt nur im Bereich weniger Millimeter. Weibchen erreichen gewöhnlich etwas größere Abmessungen als Männchen.
Besonders interessant ist der Geschlechtsdimorphismus. Erwachsene Männchen wirken kontrastreicher und auffälliger. Ihr Erscheinungsbild kann dunkle, bräunliche, schwarze und hellere Partien kombinieren. Weibchen sind meist unauffälliger braun bis beige gefärbt und dadurch in trockener Vegetation hervorragend getarnt. Zeichnung und Farbstärke können individuell variieren und verändern sich außerdem mit Beleuchtung, Entwicklungsstadium und Häutungszustand.
Die gedrungene Gestalt und die relativ kurzen, kräftigen Beine unterscheiden die Spinne auf den ersten Blick von vielen langbeinigen Webspinnen. Besonders auffällig ist ihre Art, einen Beobachter scheinbar direkt anzusehen. Tatsächlich richtet die Spinne ihren Körper häufig auf Bewegungen aus und verfolgt interessante Objekte mit ihren Hauptaugen.
Verhalten und Jagdweise
Der Bunte Sichelspringer ist tagaktiv und verlässt sich bei der Nahrungssuche hauptsächlich auf seine Augen. Er sitzt häufig erhöht auf Blättern oder Halmen, beobachtet die Umgebung und wechselt anschließend gezielt den Standort. Wird ein geeignetes Beutetier entdeckt, nähert sich die Spinne vorsichtig, nimmt eine günstige Position ein und überwältigt die Beute mit einem schnellen Sprung.
Vor dem Absprung befestigen Springspinnen einen Sicherheitsfaden aus Spinnseide am Untergrund. Dieser schützt sie, wenn ein Sprung misslingt. Spinnseide wird außerdem für Ruheplätze, Häutungsverstecke und Eikokons verwendet. Ein großes Fangnetz benötigt Evarcha falcata dagegen nicht.
Auch das Erkundungsverhalten ist bemerkenswert. Veränderungen im Terrarium werden häufig visuell untersucht. Bei Störungen flieht die Spinne meist oder zieht sich in einen geschützten Bereich zurück. Eine dauerhafte Gruppenhaltung ist nicht empfehlenswert, da Springspinnen räuberisch leben und Artgenossen als Konkurrenten oder potenzielle Beute wahrnehmen können.
Haltung von Evarcha falcata im Terrarium
Aufgrund der geringen Körpergröße genügt ein kleines Terrarium, doch die Einrichtung ist wichtiger als ein möglichst großes Volumen. Ein Behälter mit ungefähr 15 bis 20 Zentimetern Kantenlänge kann für ein einzelnes adultes Tier bereits ausreichend sein, sofern genügend nutzbare Struktur vorhanden ist. Etwas mehr Höhe erleichtert die Gestaltung mit Zweigen und Pflanzen.
Entscheidend ist eine absolut ausbruchsichere Konstruktion. Jungtiere passen durch überraschend kleine Spalten. Gleichzeitig muss eine gute Belüftung vorhanden sein. Kreuzbelüftung hilft, verbrauchte, dauerhaft feuchte Luft zu vermeiden. Große Lüftungsöffnungen müssen so fein gesichert sein, dass weder Spinne noch Futtertiere entkommen.
Als Bodengrund eignet sich eine dünne Schicht ungedüngter Erde oder eines vergleichbaren terraristischen Substrats. Wichtiger sind senkrechte und schräge Kletterstrukturen. Dünne Äste, trockene Halme, Rindenstücke und robuste Pflanzen schaffen Jagdplätze und Rückzugsmöglichkeiten. Besonders der obere Terrarienbereich sollte nicht leer bleiben, weil Springspinnen dort gerne Ruhegespinste anlegen.
Eine helle Beleuchtung unterstützt den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus und das visuell gesteuerte Verhalten. Direkte, unkontrollierte Sonneneinstrahlung auf ein kleines Glasbehältnis ist dagegen gefährlich, weil es sich innerhalb kurzer Zeit stark aufheizen kann.
Experten-Tipp: Einige dünne Zweige sollten bis knapp unter die Terrariendecke reichen. So kann die Spinne ihre bevorzugten erhöhten Ruheplätze nutzen, ohne ständig über glatte Scheiben laufen zu müssen.
Temperatur und Luftfeuchtigkeit
Als heimische beziehungsweise gemäßigte Art benötigt Evarcha falcata keine tropischen Temperaturen. Normale Zimmertemperaturen von ungefähr 20 bis 24 Grad Celsius eignen sich für die Haltung meist gut. Eine leichte Abkühlung während der Nacht ist unproblematisch und entspricht natürlichen Schwankungen. Dauerhafte starke Hitze sollte vermieden werden.
Bei der Luftfeuchtigkeit ist ein ausgewogenes Vorgehen wichtiger als ein möglichst hoher Messwert. Das Terrarium darf nicht dauerhaft nass sein. Staunässe, beschlagene Scheiben und ständig feuchter Bodengrund fördern Schimmel und schaffen ein ungünstiges Mikroklima. Gleichzeitig sollte insbesondere bei Jungtieren und vor Häutungen keine extreme Trockenheit herrschen.
Gelegentliches sparsames Besprühen einer Terrarienseite oder einzelner Pflanzenteile stellt kleine Wassertropfen bereit, die aufgenommen werden können. Danach sollte das Terrarium wieder abtrocknen können. Gute Luftbewegung und lokale Feuchtigkeitsunterschiede sind deshalb sinnvoller als dauerhaft hohe Luftfeuchtigkeit. Dadurch entstehen Bedingungen, die den wechselnden Verhältnissen im natürlichen Lebensraum wesentlich besser entsprechen.
Fütterung
Evarcha falcata ernährt sich räuberisch von kleinen Gliederfüßern. Im Terrarium eignen sich unter anderem Fruchtfliegen, kleine Fliegen, winzige Heimchen oder andere entsprechend dimensionierte Futterinsekten. Die Beute sollte zur Größe der Spinne passen. Für Jungtiere sind besonders kleine Futterorganismen erforderlich.
Da Springspinnen optisch jagen, sind bewegliche Futtertiere ideal. Eine abwechslungsreiche Fütterung verhindert außerdem, dass die Ernährung unnötig einseitig wird. Erwachsene Tiere müssen nicht täglich gefüttert werden. Körperzustand, Aktivität und Größe des Hinterleibs geben Hinweise darauf, ob das Futterangebot angemessen ist.
Nicht gefressene Futtertiere sollten entfernt werden, insbesondere wenn sich die Spinne zur Häutung zurückgezogen hat. Größere oder wehrhafte Insekten können ein geschwächtes Tier stören oder verletzen.
Experten-Tipp: Futtertiere am besten in einem gut einsehbaren Bereich einsetzen. So lässt sich kontrollieren, ob die Spinne tatsächlich frisst, und überschüssiges Lebendfutter kann rechtzeitig wieder entfernt werden.
Giftigkeit und Gefährlichkeit
Wie die meisten Spinnen besitzt Evarcha falcata Giftdrüsen, denn das Gift dient der Überwältigung kleiner Beutetiere. Daraus ergibt sich jedoch keine relevante Gefährlichkeit für den Menschen. Die Art ist klein, nicht aggressiv und versucht bei Bedrohung gewöhnlich zu fliehen.
Ein Biss ist bei normalem Umgang äußerst unwahrscheinlich. Tiere sollten ohnehin nicht unnötig mit den Fingern angefasst werden. Das schützt nicht nur den Halter, sondern vor allem die empfindliche Spinne vor Quetschungen, Stürzen und Stress. Für Pflegearbeiten ist es besser, das Tier mit einem Fangbecher zu sichern.
Vermehrung und Zucht
Die Fortpflanzung gehört zu den spannendsten Beobachtungsmöglichkeiten bei Springspinnen. Ein geschlechtsreifes Männchen nähert sich einem Weibchen nicht einfach unmittelbar, sondern zeigt ein visuell geprägtes Balzverhalten. Körperhaltung und Bewegungen der Beine dienen der Kommunikation und reduzieren das Risiko, vom Weibchen als Beute behandelt zu werden.
Für einen Zuchtversuch sollten beide Tiere gut genährt und eindeutig adult sein. Die Zusammenführung muss ständig beobachtet werden. Zeigt das Weibchen deutlich aggressives Verhalten, müssen die Tiere getrennt werden. Eine dauerhafte gemeinsame Unterbringung ist nicht sinnvoll.
Nach erfolgreicher Paarung legt das Weibchen seine Eier in einem geschützten Gespinst ab und bewacht den Kokon. In dieser Phase sollte das Terrarium möglichst wenig gestört werden. Nach dem Schlupf sind die Jungspinnen winzig und benötigen entsprechend kleine Futtertiere. Spätestens wenn sie selbstständig jagen, wird die getrennte Aufzucht zunehmend wichtig, da Kannibalismus auftreten kann.
Wer heimische Tiere hält oder züchtet, sollte außerdem verantwortungsvoll mit Herkunft und möglicher Freisetzung umgehen. Terrarientiere sollten nicht unüberlegt ausgesetzt werden, insbesondere wenn Herkunft, Fundort oder genetische Linie nicht eindeutig nachvollziehbar sind.
Häutung und mögliche Krankheiten
Wie alle Spinnen wächst Evarcha falcata durch Häutungen. Vor einer Häutung kann das Tier die Nahrungsaufnahme einstellen, ruhiger werden und sich in ein dichtes Gespinst zurückziehen. Dieses Verhalten ist zunächst kein Krankheitszeichen. Während dieser Zeit darf das Gespinst nicht geöffnet oder zerstört werden.
Probleme entstehen eher durch ungeeignete Haltungsbedingungen als durch typische Infektionskrankheiten. Dauerhafte Nässe kann Schimmel und mikrobielles Wachstum begünstigen. Zu trockene Bedingungen können Häutungen erschweren. Auch Überhitzung, fehlende Belüftung, ungeeignete Futtertiere und mechanische Verletzungen gehören zu den wichtigsten Risiken.
Ein auffällig geschrumpfter Hinterleib kann auf Nahrungs- oder Flüssigkeitsmangel hindeuten. Koordinationsstörungen, ungewöhnlich lange Bewegungslosigkeit außerhalb eines Ruhegespinstes oder Schwierigkeiten beim Klettern sollten aufmerksam beobachtet werden. Bei einem so kleinen Tier sind therapeutische Möglichkeiten begrenzt, weshalb vorbeugend stabile Haltungsbedingungen besonders wichtig sind.
Sauberkeit bedeutet dabei nicht sterile Haltung. Futterreste und tote Beutetiere sollten zeitnah entfernt werden. Eine vollständige Neueinrichtung ist dagegen nur nötig, wenn erhebliche hygienische Probleme auftreten.
Alternative Bezeichnungen
Der gebräuchliche deutsche Name lautet Bunter Sichelspringer. Gelegentlich wird die Art einfach als Sichelspringer oder unter ihrem wissenschaftlichen Namen Evarcha falcata bezeichnet. Für eine eindeutige Bestimmung ist der wissenschaftliche Name besonders hilfreich, da deutsche Trivialnamen regional unterschiedlich verwendet werden können.
Häufig gestellte Fragen
Ist Evarcha falcata für Anfänger geeignet?
Grundsätzlich ja. Wer bereits Erfahrung mit kleinen Wirbellosen besitzt und zuverlässig mit winzigen Futtertieren umgehen kann, findet in dieser Art einen interessanten Pflegling. Die geringe Größe erfordert allerdings sorgfältiges Arbeiten.
Wie groß muss das Terrarium sein?
Für ein einzelnes adultes Tier kann bereits ein gut strukturiertes Kleinterrarium von ungefähr 15 bis 20 Zentimetern Kantenlänge funktionieren. Entscheidend sind Kletterflächen, Verstecke, Belüftung und Ausbruchsicherheit.
Kann man mehrere Bunte Sichelspringer zusammen halten?
Eine dauerhafte Gemeinschaftshaltung ist nicht zu empfehlen. Konkurrenz und Kannibalismus können auftreten. Zur Paarung werden adulte Tiere kontrolliert zusammengeführt und anschließend wieder getrennt.
Braucht Evarcha falcata eine Wasserschale?
Eine klassische Wasserschale ist bei der kleinen Art meist nicht erforderlich und kann unpraktisch sein. Kleine Tropfen nach sparsamem Sprühen ermöglichen die Wasseraufnahme. Das Terrarium darf anschließend wieder abtrocknen.
Warum frisst die Springspinne plötzlich nicht mehr?
Eine Futterpause kann vor einer Häutung, nach reichlicher Nahrungsaufnahme oder während einer Ruhephase normal sein. Hat die Spinne ein dichtes Gespinst angelegt, sollte sie nicht gestört und verbliebenes Futter entfernt werden.
Kann Evarcha falcata Menschen beißen?
Theoretisch kann eine Spinne bei massiver Bedrängung beißen. Aufgrund ihrer geringen Größe und ihres Fluchtverhaltens ist dies bei Evarcha falcata jedoch sehr unwahrscheinlich. Eine medizinisch bedeutsame Giftwirkung ist normalerweise nicht zu erwarten.
Benötigt die Art UV-Beleuchtung?
Eine spezielle UV-Beleuchtung ist für die übliche Haltung nicht erforderlich. Wichtig ist eine ausreichend helle Tagesbeleuchtung mit einem regelmäßigen Tag-Nacht-Rhythmus, da die Spinne stark visuell orientiert ist.
Wie alt wird der Bunte Sichelspringer?
Die Lebensspanne ist im Vergleich zu vielen größeren Terrarientieren kurz und hängt von Geschlecht, Entwicklungsstadium und Bedingungen ab. Wie bei vielen kleinen Springspinnen bewegt sich der gesamte Lebenszyklus eher im Bereich weniger Jahre als vieler Jahre.
Fazit
Evarcha falcata ist ein kleiner, aber verhaltensbiologisch ausgesprochen interessanter Terrarienbewohner. Der Bunte Sichelspringer überzeugt weniger durch Größe oder spektakuläre Farben als durch seine aufmerksame Wahrnehmung, sein präzises Jagdverhalten und die für Springspinnen charakteristische visuelle Kommunikation.
Eine erfolgreiche Haltung verlangt kein großes Terrarium und keine aufwendige Technik. Wesentlich sind vielmehr eine ausbruchsichere und gut belüftete Unterbringung, viele nutzbare Kletterstrukturen, helle Beleuchtung, moderate Temperaturen und ein Feuchtigkeitsmanagement ohne dauerhafte Nässe. Kleine, lebende Futtertiere ermöglichen natürliches Jagdverhalten.
Wer die Art züchten möchte, sollte Balz und Paarung kontrolliert begleiten und für die winzigen Jungtiere geeignetes Futter sowie separate Aufzuchtmöglichkeiten bereithalten. Bei sorgfältiger Pflege bietet Evarcha falcata hervorragende Möglichkeiten, die erstaunlich komplexe Lebensweise einer heimischen Springspinne aus nächster Nähe zu beobachten.