Pleurodeles waltl im Terrarium halten
Einrichtungsbeispiele mit Spanischer Rippenmolch

Wissenswertes zu Pleurodeles waltl (Spanischer Rippenmolch)
Pleurodeles waltl, besser bekannt als Spanischer Rippenmolch, gehört zu den faszinierendsten Amphibien, die in der Terraristik gehalten werden. Kaum eine andere Molchart vereint so eindrucksvoll urtümliches Aussehen, spannende Verhaltensweisen und vergleichsweise robuste Haltungsansprüche. Gleichzeitig ist er ein Tier, das Respekt verlangt, denn seine Biologie unterscheidet sich in vielen Punkten deutlich von klassischen Terrarientieren wie Reptilien oder Insektenfressern.
Herkunft
Der Spanische Rippenmolch stammt aus dem westlichen Mittelmeerraum. Sein natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich hauptsächlich über die Iberische Halbinsel, also Spanien und Portugal, sowie Teile von Südfrankreich und Marokko. Innerhalb dieses Areals ist die Art regional durchaus häufig, wobei die Bestandsdichte stark von geeigneten Gewässern abhängt.
Pleurodeles waltl ist ein klassischer Vertreter der mediterranen Amphibienfauna. Er hat sich an Lebensräume angepasst, die saisonal stark schwanken können – von regenreichen Perioden mit vielen Wasserstellen bis hin zu langen Trockenphasen. Diese Anpassungsfähigkeit ist einer der Gründe, warum die Art in menschlicher Obhut vergleichsweise gut zu halten ist.
Natürlicher Lebensraum
In der Natur bewohnt der Spanische Rippenmolch überwiegend stehende oder langsam fließende Gewässer. Dazu zählen Teiche, Tümpel, Bewässerungsgräben, kleine Seen und zeitweise wasserführende Senken. Entscheidend ist weniger die Größe des Gewässers als vielmehr dessen Struktur und Wasserqualität.
Typisch für den Lebensraum sind:
- schlammige oder sandige Böden
- reichlich Unterwasservegetation
- flache Uferzonen
- ruhiges, eher trübes Wasser
Während der feuchten Jahreszeiten verbringen die Tiere den Großteil ihres Lebens im Wasser. In trockenen Phasen können sie sich jedoch auch zeitweise an Land aufhalten oder in feuchte Bodenschichten eingraben. Diese semi-aquatische Lebensweise spiegelt sich auch in der optimalen Terrariengestaltung wider.
Gattung und Familie
Pleurodeles waltl gehört zur:
- Familie: Salamandridae (Echte Salamander und Molche)
- Gattung: Pleurodeles
Die Gattung Pleurodeles umfasst mehrere Arten, die hauptsächlich im Mittelmeerraum verbreitet sind. Charakteristisch für diese Gattung ist die ungewöhnliche Verteidigungsstrategie über die Rippen, die der Art ihren deutschen Namen eingebracht hat.
Innerhalb der Familie der Salamandridae zählt Pleurodeles waltl zu den größeren und robusteren Arten. Im Vergleich zu vielen heimischen Molchen wirkt er fast schon archaisch, was ihn für viele Terrarianer besonders attraktiv macht.
Beschreibung der Art
Der Spanische Rippenmolch ist ein kräftig gebauter Schwanzlurch mit einem massiven Körper, breitem Kopf und starkem Schwanz. Erwachsene Tiere erreichen je nach Geschlecht und Haltungsbedingungen eine Gesamtlänge von etwa 20 bis 30 Zentimetern, wobei Weibchen in der Regel größer und massiger werden als Männchen.
Die Haut ist relativ glatt, aber nicht glänzend. Auffällig sind die seitlich deutlich hervortretenden Rippenenden, die als kleine orangefarbene oder rötliche Punkte sichtbar sind. Diese Rippen spielen eine zentrale Rolle bei der Verteidigung.
Aussehen
Farblich zeigt Pleurodeles waltl meist ein eher unspektakuläres, aber sehr natürliches Erscheinungsbild. Die Grundfarbe reicht von grau über oliv bis braun, oft mit dunkleren Flecken oder marmorierten Mustern. Die Bauchseite ist heller und kann leicht gelblich erscheinen.
Typische Merkmale:
- breiter, abgeflachter Kopf
- kleine, dunkle Augen
- seitlich sichtbare Rippenpunkte
- kräftiger, seitlich abgeflachter Schwanz
Die Geschlechtsunterschiede sind außerhalb der Fortpflanzungszeit relativ dezent. Während der Paarungszeit entwickeln Männchen oft eine leicht geschwollene Kloake und wirken insgesamt schlanker als die Weibchen.
Verhalten
Pleurodeles waltl ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruhen die Tiere meist am Boden, unter Wurzeln, Steinen oder Pflanzen. In der Nacht werden sie deutlich aktiver und gehen auf Nahrungssuche.
Das Verhalten ist insgesamt ruhig und wenig hektisch. Aggressionen unter Artgenossen sind selten, solange ausreichend Platz und Versteckmöglichkeiten vorhanden sind. Dennoch sollte man bedenken, dass es sich um Raubtiere handelt, die kleinere Artgenossen oder sehr junge Tiere als Beute betrachten können.
Besonders interessant ist das Verteidigungsverhalten: Bei Bedrohung können die Rippen durch spezielle Muskelkontraktionen durch die Haut gedrückt werden. Gleichzeitig sondern Hautdrüsen ein toxisches Sekret ab. Für Fressfeinde ist das extrem unangenehm, für den Menschen in der Regel ungefährlich, solange man die Tiere nicht mit bloßen Händen stresst.
Haltung im Terrarium
Grundsätzliche Haltungsform
Der Spanische Rippenmolch wird idealerweise in einem Aquaterrarium oder einem großzügigen Kaltwasseraquarium mit Landteil gehalten. Rein terrestrische Haltung ist nicht artgerecht und sollte vermieden werden.
Für ein Paar oder eine kleine Gruppe empfiehlt sich ein Becken mit mindestens:
- 100 bis 120 Zentimetern Länge
- ausreichender Wasserhöhe
- strukturierter Einrichtung
Mehr Platz ist immer besser, da die Tiere durchaus aktiv schwimmen.
Einrichtung
Der Fokus liegt klar auf dem Wasserteil. Dieser sollte den Großteil des Beckens ausmachen. Der Bodengrund kann aus feinem Sand oder sehr feinem Kies bestehen, der nicht verschluckt werden kann.
Wichtige Elemente:
- Wurzeln und Steine als Verstecke
- robuste Wasserpflanzen
- schwimmende Pflanzen für Deckung
- ein gut erreichbarer Landteil
Filterung ist sinnvoll, sollte aber strömungsarm sein. Pleurodeles waltl mag kein stark bewegtes Wasser.
Temperatur und Luftfeuchtigkeit
Der Spanische Rippenmolch ist ein ausgesprochener Kaltwasserbewohner. Hohe Temperaturen gehören zu den häufigsten Haltungsfehlern.
Temperatur:
- optimal: 16 bis 20 Grad Celsius
- kurzzeitig tolerierbar: bis etwa 22 Grad
- dauerhaft über 23 Grad: problematisch
Im Sommer kann Kühlung notwendig sein, insbesondere in Wohnungen.
Luftfeuchtigkeit:
Da die Tiere überwiegend im Wasser leben, ist die Luftfeuchtigkeit weniger kritisch. Der Landteil sollte jedoch stets leicht feucht sein, niemals trocken oder staubig.
Fütterung
Pleurodeles waltl ist ein opportunistischer Fleischfresser. In der Natur ernährt er sich von:
- Insektenlarven
- Würmern
- Krebstieren
- kleinen Fischen
- Amphibienlarven
Futter im Terrarium
Geeignet sind:
- Regenwürmer
- rote und weiße Mückenlarven
- Bachflohkrebse
- Enchyträen
- kleine Futterfische in Maßen
Gefüttert wird in der Regel zwei- bis dreimal pro Woche bei adulten Tieren. Jungtiere benötigen häufiger kleine Portionen.
Eine abwechslungsreiche Ernährung ist entscheidend für Gesundheit und Fortpflanzungsfähigkeit.
Giftigkeit
Der Spanische Rippenmolch besitzt Hautgifte, die vor allem der Abschreckung von Fressfeinden dienen. Für den Menschen sind diese Sekrete in der Regel ungefährlich, können aber:
- Hautreizungen verursachen
- Schleimhäute reizen
- bei empfindlichen Personen allergische Reaktionen auslösen
Daher gilt:
- Tiere möglichst nicht anfassen
- nach Kontakt Hände gründlich waschen
- Stress für die Tiere vermeiden
Vermehrung und Zucht
Die Zucht von Pleurodeles waltl ist in menschlicher Obhut gut möglich, erfordert aber Geduld und die richtigen Rahmenbedingungen.
Paarung
Die Fortpflanzung wird meist durch eine leichte Absenkung der Wassertemperatur und anschließende langsame Erwärmung ausgelöst. Männchen zeigen dann Balzverhalten und umschwimmen das Weibchen.
Die Befruchtung erfolgt indirekt über Spermatophoren.
Eiablage und Aufzucht
Das Weibchen legt mehrere hundert Eier einzeln an Pflanzen oder Einrichtungsgegenständen ab. Die Larven schlüpfen nach einigen Tagen und sind zunächst rein aquatisch.
Die Aufzucht erfordert:
- sauberes Wasser
- feines Lebendfutter
- regelmäßige Wasserwechsel
Kannibalismus ist bei Jungtieren nicht ungewöhnlich, weshalb Größenunterschiede beachtet werden müssen.
Mögliche Krankheiten
Wie alle Amphibien ist Pleurodeles waltl empfindlich gegenüber Umweltfaktoren. Häufige Probleme sind:
- Hautinfektionen durch schlechte Wasserqualität
- Pilzerkrankungen
- bakterielle Entzündungen
- Hitzestress
Vorbeugung ist der wichtigste Faktor:
- sauberes, kühles Wasser
- stabile Temperaturen
- stressarme Haltung
Medikamentöse Behandlungen sollten nur von fachkundigen Tierärzten durchgeführt werden.
Alternative Bezeichnungen
Pleurodeles waltl ist auch bekannt als:
- Spanischer Molch
- Spanischer Wassermolch
- Rippenmolch
International ist die Bezeichnung Spanish ribbed newt geläufig.
Häufig gestellte Fragen
Ist Pleurodeles waltl für Anfänger geeignet?
Ja, mit der Einschränkung, dass man sich intensiv mit Kaltwasserhaltung auseinandersetzen muss.
Kann man mehrere Tiere zusammen halten?
Ja, Gruppenhaltung ist möglich, solange das Becken groß genug ist.
Muss der Molch an Land?
Ein Landteil sollte vorhanden sein, wird aber oft nur gelegentlich genutzt.
Wie alt werden Spanische Rippenmolche?
Bei guter Pflege sind 15 bis 20 Jahre keine Seltenheit.
Fazit
Pleurodeles waltl ist ein außergewöhnlicher Pflegling für Terrarianer, die sich für Amphibien begeistern und bereit sind, sich mit den speziellen Bedürfnissen eines Kaltwasserbewohners auseinanderzusetzen. Seine robuste Natur, das spannende Verhalten und die Möglichkeit zur erfolgreichen Zucht machen ihn zu einer der interessantesten Molcharten in der Terraristik.
Wer ihm ausreichend Platz, kühles Wasser, hochwertige Nahrung und Ruhe bietet, wird über viele Jahre Freude an diesem beeindruckenden Amphibium haben. Gleichzeitig fordert der Spanische Rippenmolch Verantwortung und Aufmerksamkeit – Eigenschaften, die ihn zu einem echten Tier für engagierte Halter machen.