Cemophora coccinea im Terrarium halten
Einrichtungsbeispiele mit Scharlachnatter

Wissenswertes zu Cemophora coccinea (Scharlachnatter)
Die Scharlachnatter, wissenschaftlich als Cemophora coccinea bekannt, gehört zu den auffälligsten, aber gleichzeitig auch zu den am meisten unterschätzten Schlangenarten Nordamerikas. Ihr leuchtend rotes Erscheinungsbild, kombiniert mit schwarzen und gelblich-weißen Ringzeichnungen, sorgt regelmäßig für Verwechslungen mit hochgiftigen Korallenschlangen. Trotz dieser optischen Nähe zu gefährlichen Arten ist die Scharlachnatter völlig ungiftig und für den Menschen harmlos.
In der Terraristik ist Cemophora coccinea eher ein Spezialist unter den Pfleglingen. Sie gilt nicht als klassische Einsteigerschlange, erfreut sich aber bei erfahrenen Haltern zunehmender Beliebtheit. Das liegt an ihrer interessanten Lebensweise, ihrem eher ruhigen Temperament und ihrem außergewöhnlichen Aussehen. Gleichzeitig stellt sie gewisse Ansprüche an Haltung, Fütterung und Umweltbedingungen, die fundiertes Wissen erfordern.
Herkunft und Verbreitung
Cemophora coccinea ist in den südöstlichen Regionen der Vereinigten Staaten beheimatet. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über mehrere Bundesstaaten, darunter Florida, Georgia, Alabama, Mississippi, South Carolina, North Carolina sowie Teile von Louisiana und Texas. Innerhalb dieses Areals ist die Art regional unterschiedlich häufig anzutreffen.
Die Scharlachnatter ist kein typischer Bewohner offener Landschaften, sondern bevorzugt strukturreiche Lebensräume mit ausreichender Bodenbedeckung. Aufgrund ihrer versteckten Lebensweise wird sie selbst in Gebieten, in denen sie relativ häufig vorkommt, nur selten beobachtet. Viele Begegnungen finden eher zufällig statt, etwa nach starken Regenfällen oder beim Umgraben von Boden.
Natürlicher Lebensraum
Der natürliche Lebensraum der Scharlachnatter ist geprägt von warmem Klima, lockeren Böden und einer gut entwickelten Streuschicht. Besonders häufig findet man sie in Kiefernwäldern, Mischwäldern, Sandhügeln, Buschlandschaften sowie an den Rändern von Sümpfen und Feuchtgebieten.
Typisch für diese Lebensräume ist ein sandiger oder leicht grabbarer Untergrund. Die Scharlachnatter ist ein ausgeprägter Bodenbewohner und verbringt einen Großteil ihres Lebens unter der Erde oder verborgen unter Laub, Totholz und Steinen. Sie nutzt verlassene Gänge anderer Tiere, selbstgegrabene Röhren oder natürliche Hohlräume im Boden.
Das Klima in ihrem Verbreitungsgebiet ist überwiegend subtropisch bis warmgemäßigt, mit heißen Sommern, milden Wintern und einer relativ hohen Luftfeuchtigkeit. Diese Umweltbedingungen sind entscheidend für das Wohlbefinden der Art und sollten bei der Terrarienhaltung möglichst realitätsnah nachgebildet werden.
Gattung und Familie
Die Scharlachnatter gehört zur Gattung Cemophora, die nur eine einzige Art umfasst. Damit ist Cemophora coccinea ein monotypischer Vertreter ihrer Gattung. Sie wird der Familie der Nattern zugeordnet, die eine große Vielfalt ungiftiger und schwach giftiger Schlangen umfasst.
Innerhalb der Familie nimmt Cemophora eine eher eigenständige Stellung ein. Morphologisch und ökologisch zeigt sie sowohl Gemeinsamkeiten mit anderen nordamerikanischen Nattern als auch deutliche Spezialisierungen, insbesondere in Bezug auf ihre Ernährungsweise und ihre unterirdische Lebensweise.
Beschreibung der Art
Cemophora coccinea ist eine vergleichsweise kleine bis mittelgroße Schlange. Ausgewachsene Tiere erreichen in der Regel eine Länge von etwa 40 bis 60 Zentimetern, selten etwas mehr. Der Körper ist schlank, rundlich und gleichmäßig proportioniert, ohne ausgeprägte Verdickungen.
Der Kopf ist nur schwach vom Hals abgesetzt und wirkt eher klein. Die Schnauze ist leicht zugespitzt, was das Graben im Boden erleichtert. Die Augen sind relativ klein und deuten bereits auf die eher unterirdische Lebensweise hin. Die Pupillen sind rund.
Die Schuppen sind glatt und glänzend, was dem Tier ein sehr sauberes, fast lackiertes Erscheinungsbild verleiht. Diese glatten Schuppen reduzieren den Widerstand beim Fortbewegen im Boden und unter Laub.
Aussehen und Farbvarianten
Das auffälligste Merkmal der Scharlachnatter ist zweifellos ihre intensive Färbung. Der Grundton ist ein kräftiges Rot, das je nach Individuum von leuchtend scharlachrot bis zu einem dunkleren Rotbraun variieren kann. Dieses Rot wird von schwarzen und hellen Querbändern unterbrochen.
Typisch ist die Reihenfolge der Farben, bei der rote Bänder an helle, meist gelbliche oder cremefarbene Bänder angrenzen, die wiederum von schwarzen Ringen begrenzt werden. Diese Zeichnung ähnelt stark der von Korallenschlangen, was der Scharlachnatter in der Natur einen gewissen Schutz durch Nachahmung verschafft.
Die Bauchseite ist meist heller gefärbt, häufig cremefarben oder leicht roséfarben, teilweise mit dunkleren Sprenkeln. Jungtiere zeigen bereits eine sehr ähnliche Färbung wie adulte Terrarientier, sind jedoch oft etwas kontrastreicher.
Verhalten und Lebensweise
Die Scharlachnatter ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber verbringt sie die meiste Zeit verborgen im Substrat, unter Steinen oder in selbstgegrabenen Gängen. Sichtungen am Tage sind selten und finden meist nur unter bestimmten Bedingungen statt, etwa nach Regen oder während der Paarungszeit.
Im Vergleich zu vielen anderen Schlangenarten ist Cemophora coccinea eher ruhig und zurückhaltend. Bei Störungen versucht sie in der Regel zu fliehen oder sich einzugraben, anstatt aggressiv zu reagieren. Abwehrbisse kommen vor, sind aber selten und meist harmlos.
In der Natur lebt die Art einzelgängerisch. Sozialverhalten außerhalb der Paarungszeit ist kaum ausgeprägt. Auch in der Terrarienhaltung sollten die Tiere grundsätzlich einzeln gepflegt werden, um Stress und mögliche Verletzungen zu vermeiden.
Haltung im Terrarium
Die Haltung von Cemophora coccinea im Terrarium richtet sich klar an fortgeschrittene Terrarianer. Zwar ist die Art nicht aggressiv oder besonders empfindlich, doch ihre spezielle Lebensweise und ihre Futteransprüche erfordern Erfahrung.
Für ein adultes Tier empfiehlt sich ein Terrarium mit einer Grundfläche von mindestens 100 × 50 Zentimetern, wobei eine größere Bodenfläche immer von Vorteil ist. Die Höhe spielt eine untergeordnete Rolle, da die Scharlachnatter kaum klettert.
Der Bodengrund sollte locker, grabfähig und leicht feucht sein. Bewährt haben sich Mischungen aus Sand, ungedüngter Erde, Kokoshumus und Laub. Eine dicke Substratschicht von mindestens 10 bis 15 Zentimetern ist sinnvoll, um dem Tier ausreichend Grabmöglichkeiten zu bieten.
Verstecke sind essenziell. Neben Korkröhren, flachen Steinen und Wurzeln sollte auch eine großzügige Laubschicht angeboten werden. Je mehr Struktur das Terrarium bietet, desto sicherer fühlt sich die Schlange.
Temperatur und Luftfeuchtigkeit
Die Temperaturführung ist ein zentraler Punkt bei der Haltung der Scharlachnatter. Tagsüber sollte die Temperatur im Terrarium zwischen 24 und 28 Grad liegen, mit einem lokal begrenzten Wärmepunkt von etwa 30 Grad. Nachts darf die Temperatur auf 20 bis 22 Grad absinken.
Eine gleichmäßige, aber nicht übertriebene Wärme ist wichtig, da die Art in der Natur keine extremen Hitzezonen nutzt. Heizmatten oder Heizkabel, die einen Teil des Bodens erwärmen, haben sich bewährt, sollten jedoch stets thermostatisch geregelt werden.
Die Luftfeuchtigkeit sollte moderat bis leicht erhöht sein. Werte zwischen 60 und 75 Prozent gelten als optimal. Regelmäßiges, aber sparsames Sprühen sowie ein feuchter Bereich im Substrat helfen, diese Werte zu stabilisieren. Staunässe muss unbedingt vermieden werden, da sie Atemwegserkrankungen begünstigen kann.
Fütterung
Die Ernährung der Scharlachnatter unterscheidet sich deutlich von der vieler anderer Terrarienschlangen. In der Natur ernährt sie sich hauptsächlich von Reptilieneiern, kleinen Echsen, Amphibien sowie gelegentlich von Jungschlangen.
Diese Spezialisierung kann in der Terrarienhaltung problematisch sein. Viele Tiere nehmen Mäuse nur zögerlich oder gar nicht an. Manche lassen sich an kleine Frostmäuse oder Nestlinge gewöhnen, andere bevorzugen Echsen oder deren Ersatzfutter.
Erfahrene Halter nutzen oft Duftstoffe oder Reptilienhäute, um die Akzeptanz von Nagetieren zu erhöhen. Die Fütterung erfordert Geduld und Beobachtung. Zwangsfütterungen sollten vermieden werden und sind nur im absoluten Ausnahmefall sinnvoll.
Jungtiere sind oft besonders wählerisch und benötigen in den ersten Lebensmonaten viel Aufmerksamkeit. Eine regelmäßige, aber nicht zu häufige Fütterung ist entscheidend, um Verdauungsprobleme zu vermeiden.
Giftigkeit und Gefährlichkeit
Trotz ihres auffälligen Erscheinungsbildes ist Cemophora coccinea vollkommen ungiftig. Sie verfügt weder über Giftzähne noch über toxische Sekrete. Für den Menschen geht von ihr keinerlei Gefahr aus.
Bisse sind selten und meist das Resultat von Stress oder grober Handhabung. Selbst wenn es zu einem Biss kommt, bleibt dieser oberflächlich und vergleichbar mit einem leichten Kratzer.
Die Ähnlichkeit zu giftigen Korallenschlangen ist ein klassisches Beispiel für Mimikry und dient in der Natur dem Schutz vor Fressfeinden.
Vermehrung und Zucht
Die Zucht der Scharlachnatter im Terrarium gilt als anspruchsvoll, ist aber mit entsprechender Erfahrung möglich. Eine saisonale Abkühlung im Winter, verbunden mit reduzierter Fütterung, kann die Fortpflanzungsbereitschaft fördern.
Nach der Paarung legt das Weibchen in der Regel zwischen drei und acht Eier ab. Diese werden an einem geschützten, leicht feuchten Ort im Terrarium abgelegt. Die Inkubation erfolgt bei Temperaturen um 26 bis 28 Grad und dauert etwa zwei Monate.
Die Aufzucht der Jungtiere stellt den schwierigsten Teil der Zucht dar, da diese oft sehr spezielle Futteransprüche haben. Geduld, Erfahrung und eine gute Vorbereitung sind hier unerlässlich.
Mögliche Krankheiten
Wie viele grabende Schlangenarten ist auch Cemophora coccinea anfällig für bestimmte gesundheitliche Probleme. Atemwegserkrankungen treten häufig bei zu hoher Feuchtigkeit oder schlechter Belüftung auf. Symptome sind unter anderem Atemgeräusche, Schleimabsonderungen und Apathie.
Hautprobleme können durch ungeeigneten Bodengrund oder falsche Feuchtigkeitswerte entstehen. Häutungsprobleme sind meist ein Zeichen für zu trockene Bedingungen.
Parasiten kommen vor allem bei Wildfängen vor. Eine gründliche Quarantäne und regelmäßige Beobachtung sind daher unerlässlich.
Alternative Bezeichnungen
Neben der deutschen Bezeichnung Scharlachnatter ist die Art auch unter dem Namen Scharlachrote Natter bekannt. Im englischsprachigen Raum wird sie häufig als Scarlet Snake bezeichnet. In älterer Literatur finden sich gelegentlich abweichende Schreibweisen oder regionale Trivialnamen, die jedoch heute kaum noch gebräuchlich sind.
Häufig gestellte Fragen
Viele Terrarianer fragen sich, ob die Scharlachnatter für Anfänger geeignet ist. Diese Frage lässt sich klar verneinen. Zwar ist die Art nicht aggressiv, doch ihre speziellen Ansprüche machen sie ungeeignet für Einsteiger.
Ein weiterer häufiger Punkt betrifft die Vergesellschaftung. Die Haltung mehrerer Tiere in einem Terrarium ist nicht zu empfehlen, da es zu Stress und Futterkonkurrenz kommen kann.
Auch die Frage nach der Aktivität wird oft gestellt. Wer eine tagsüber aktive Schlange sucht, wird mit Cemophora coccinea vermutlich nicht glücklich, da sie sich die meiste Zeit verborgen hält.
Fazit
Die Scharlachnatter ist eine faszinierende, optisch außergewöhnliche Schlangenart, die in der Terraristik zu Unrecht ein Schattendasein führt. Ihre ruhige Art, ihre interessante Lebensweise und ihre Nähe zu hochgiftigen Arten machen sie zu einem spannenden Pflegling für erfahrene Halter.
Gleichzeitig verlangt Cemophora coccinea ein hohes Maß an Fachwissen, Geduld und Beobachtungsgabe. Wer bereit ist, sich intensiv mit ihren Bedürfnissen auseinanderzusetzen, wird mit einer außergewöhnlichen und eindrucksvollen Schlange belohnt, die sich deutlich von klassischen Terrarienschlangen abhebt.
Für Spezialisten und Liebhaber nordamerikanischer Arten ist die Scharlachnatter eine echte Bereicherung und ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie vielfältig und spannend die Welt der Terraristik sein kann.