Erosa erosa im Aquarium halten
Einrichtungsbeispiele mit Rostiger Steinfisch

Wissenswertes zu Erosa erosa (Rostiger Steinfisch)
Der rostige Steinfisch, wissenschaftlich Erosa erosa, gehört zu den spektakulärsten und zugleich anspruchsvollsten Fischen, die in der Aquaristik bekannt sind. Er ist kein klassischer „Anfängerfisch“, sondern ein Tier für sehr erfahrene Meerwasseraquarianer mit tiefem Verständnis für Biologie, Verhalten und Sicherheit im Umgang mit giftigen Fischen. Seine perfekte Tarnung, seine urtümliche Erscheinung und sein faszinierendes Jagdverhalten machen ihn dennoch für Spezialisten unglaublich reizvoll.
Systematik: Gattung und Familie
Erosa erosa gehört zur Familie der Synanceiidae, die im Deutschen als Steinfische bekannt sind. Diese Familie umfasst einige der giftigsten Fische der Welt. Innerhalb dieser Familie wird Erosa erosa der Gattung Erosa zugeordnet, die deutlich seltener vertreten ist als die bekannte Gattung Synanceia.
Steinfische zeichnen sich durch folgende Merkmale aus:
- extrem gute Tarnung
- gedrungener, massiver Körperbau
- stark entwickelte Giftstacheln in der Rückenflosse
- sitzende, lauernde Lebensweise
Erosa erosa nimmt innerhalb dieser Familie eine besondere Stellung ein, da er optisch etwas „weniger massiv“ wirkt als klassische Steinfische, aber dennoch voll giftig und biologisch hochspezialisiert ist.
Herkunft und natürlicher Lebensraum
Der rostige Steinfisch stammt aus dem Indopazifik, insbesondere aus tropischen Regionen rund um:
- Indonesien
- Papua-Neuguinea
- Philippinen
- nördliches Australien
- westlicher Pazifik
Er lebt dort bevorzugt in:
- flachen Küstenbereichen
- Lagunen
- sandig-schlammigen Zonen
- Übergängen zwischen Riff und Weichboden
Typisch für seinen Lebensraum sind Bereiche mit viel Struktur, totem Korallengestein, Geröll, Schwämmen und Algenbewuchs. Erosa erosa hält sich meist regungslos am Boden auf, halb eingegraben oder perfekt an seine Umgebung angepasst. Genau diese Lebensweise prägt auch seine Ansprüche im Aquarium.
Beschreibung und äußere Merkmale
Körperform und Größe
Erosa erosa erreicht eine durchschnittliche Länge von etwa 20 bis 25 Zentimetern, in seltenen Fällen etwas mehr. Der Körper ist gedrungen, breit und abgeflacht, mit einem vergleichsweise großen Kopf. Die Maulspalte ist weit und nach oben gerichtet – ideal für das blitzartige Einsaugen von Beute.
Färbung
Die Färbung ist extrem variabel und macht den Reiz dieses Fisches aus. Typisch sind:
- rostbraune
- rötlich-braune
- graubraune
- manchmal grünliche oder gelbliche Töne
Diese Farben sind oft unregelmäßig gefleckt oder marmoriert, was dem Fisch seinen Namen „rostiger Steinfisch“ eingebracht hat. Die Haut wirkt rau, warzig und oft algenähnlich – ein perfektes Tarnkleid.
Tarnung und Hautstruktur
Die Haut ist nicht glatt, sondern mit Hautanhängen, Warzen und Unebenheiten versehen. Diese Strukturen brechen die Konturen des Körpers vollständig auf. Selbst erfahrene Aquarianer verlieren den Fisch im Aquarium regelmäßig aus den Augen, obwohl er direkt vor ihnen sitzt.
Verhalten und Lebensweise
Lauerjäger mit Geduld
Erosa erosa ist ein klassischer Ansitz- und Lauerjäger. Er bewegt sich kaum und wartet geduldig, bis ein Beutefisch in Reichweite kommt. Dann erfolgt ein explosionsartiger Angriff, bei dem das Opfer innerhalb von Sekundenbruchteilen eingesaugt wird.
Aktivitätsphasen
- überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv
- tagsüber meist regungslos
- gelegentliche Positionswechsel, vor allem nachts
Territorialverhalten
Gegenüber Artgenossen kann Erosa erosa territorial reagieren, besonders in kleinen Becken. Andere Fische werden meist ignoriert, solange sie nicht als Beute wahrgenommen werden oder direkt stören.
Interaktion mit dem Pfleger
Erosa erosa entwickelt keine erkennbare Bindung zum Pfleger. Er bleibt scheu, ruhig und zurückgezogen. Dennoch kann man mit der Zeit lernen, seine Körpersprache zu lesen, etwa wenn er hungrig ist oder sich gestresst fühlt.
Haltung im Aquarium – ausführliche Empfehlungen
Aquariengröße
Ein einzelnes Tier sollte in einem Meerwasseraquarium ab 800 Litern gehalten werden. Größer ist immer besser, da:
- stabile Wasserwerte leichter zu halten sind
- genügend Rückzugsorte geschaffen werden können
- Stress deutlich reduziert wird
Für mehrere Exemplare sind deutlich größere Becken notwendig und nur erfahrenen Haltern zu empfehlen.
Beckenstruktur
Das Aquarium sollte dem natürlichen Lebensraum möglichst nahekommen:
- feiner Sand- oder Schlammboden
- flache Steinaufbauten
- viel totes Riffgestein
- ruhige Zonen ohne starke Strömung
Spitze oder scharfkantige Steine sind zu vermeiden, da sich der Fisch bei Positionswechseln verletzen kann.
Wasserwerte
Stabile Meerwasserwerte sind entscheidend:
- Temperatur: 24–27 °C
- Salzgehalt: 1,023–1,025
- pH-Wert: 8,0–8,4
- Nitrat und Phosphat möglichst niedrig
Erosa erosa ist relativ robust, reagiert aber empfindlich auf stark schwankende Werte.
Strömung und Beleuchtung
- schwache bis moderate Strömung
- keine direkte Dauerströmung auf den Fisch
- gedämpfte Beleuchtung oder Schattenbereiche
Zu helle Becken ohne Rückzugsmöglichkeiten führen zu Stress und langfristig zu gesundheitlichen Problemen.
Vergesellschaftung
Die Vergesellschaftung ist einer der kritischsten Punkte bei der Haltung von Erosa erosa.
Geeignete Beifische:
- größere, robuste Arten
- Fische, die nicht bodenorientiert leben
- Arten, die deutlich größer als das Maul des Steinfisches sind
Ungeeignete Beifische:
- kleine Fische
- ruhige oder schlafende Arten
- bodenlebende Fische
- Garnelen, Krebse und andere Wirbellose
Alles, was ins Maul passt, wird früher oder später gefressen – unabhängig vom Kaufpreis oder emotionalem Wert.
Ernährung und Fütterung
Natürliche Nahrung
In der Natur ernährt sich Erosa erosa von:
- kleinen Fischen
- Krebstieren
- gelegentlich Wirbellosen
Fütterung im Aquarium
Im Aquarium wird in der Regel gefüttert mit:
- toten Futterfischen
- Stinten
- Garnelen
- Fischfilet in geeigneter Größe
Eine Gewöhnung an Frostfutter ist möglich, erfordert aber Geduld. Lebendfutter sollte nur gezielt und verantwortungsvoll eingesetzt werden.
Fütterungsrhythmus
- 1–2 Mal pro Woche ausreichend
- Überfütterung unbedingt vermeiden
- Futterreste sofort entfernen
Giftigkeit und Sicherheitsaspekte
Giftapparat
Erosa erosa besitzt hochwirksame Giftstacheln in der Rückenflosse. Das Gift dient der Verteidigung und ist für den Menschen potenziell gefährlich.
Wirkung des Giftes
Ein Stich kann verursachen:
- starke Schmerzen
- Schwellungen
- Kreislaufprobleme
- in seltenen Fällen ernsthafte Komplikationen
Sicherheitsregeln im Aquarium
- niemals mit bloßen Händen im Becken arbeiten
- klare Kenntnis über den Aufenthaltsort des Fisches
- Verwendung langer Werkzeuge
- keine hektischen Bewegungen
Die Giftigkeit allein macht diesen Fisch ungeeignet für Haushalte mit Kindern oder unerfahrenen Aquarianern.
Vermehrung und Zucht
Die Zucht von Erosa erosa im Aquarium gilt bislang als nicht dokumentiert und ist extrem unwahrscheinlich.
Gründe dafür
- komplexes Paarungsverhalten
- vermutlich pelagische Larven
- fehlende Geschlechtsunterschiede
- hoher Platzbedarf
Alle im Handel erhältlichen Tiere stammen aus Wildfängen. Verantwortungsvolle Händler achten auf schonende Fangmethoden und kurze Transportwege.
Häufige Krankheiten und Gesundheitsprobleme
Erosa erosa gilt als relativ widerstandsfähig, sofern die Haltungsbedingungen stimmen.
Typische Probleme
- Hautverletzungen durch falschen Bodengrund
- bakterielle Infektionen bei Stress
- Futterverweigerung bei zu heller Umgebung
- Vergiftungserscheinungen durch schlechte Wasserqualität
Regelmäßige Beobachtung ist entscheidend, da der Fisch durch seine reglose Lebensweise Krankheiten lange verstecken kann.
Alternative Bezeichnungen und Namen
Im Handel und in der Literatur tauchen verschiedene Namen auf:
- Rostiger Steinfisch
- Rusty Stonefish
- Erosa Stonefish
- Indopazifischer Steinfisch
Diese Vielfalt kann verwirrend sein, daher ist der wissenschaftliche Name Erosa erosa immer die sicherste Identifikation.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist Erosa erosa für Anfänger geeignet?
Nein. Dieser Fisch gehört ausschließlich in erfahrene Hände.
Kann man ihn im Riffaquarium halten?
Nur sehr eingeschränkt. Die meisten Riffbewohner sind potenzielle Beute oder gefährdet.
Wie alt wird Erosa erosa?
Bei guter Pflege sind 8 bis 12 Jahre realistisch.
Ist der Fisch aggressiv?
Nicht aktiv, aber absolut kompromisslos gegenüber Beute.
Kann man ihn umsetzen oder fangen?
Nur mit größter Vorsicht und geeigneten Hilfsmitteln.
Fazit: Faszination mit Verantwortung
Erosa erosa ist kein dekorativer Fisch für das Wohnzimmer, sondern ein hoch spezialisierter Raubfisch, der Respekt, Wissen und Verantwortungsbewusstsein verlangt. Wer sich intensiv mit seiner Biologie, seinen Gefahren und seinen Bedürfnissen auseinandersetzt, wird mit einem der faszinierendsten Meeresfisch überhaupt belohnt.
Seine perfekte Tarnung, sein archaisches Verhalten und seine ruhige Präsenz machen ihn zu einem lebenden Studienobjekt für fortgeschrittene Aquarianer. Gleichzeitig setzt seine Giftigkeit klare Grenzen und fordert höchste Sorgfalt im täglichen Umgang.
Der rostige Steinfisch ist kein Tier für Kompromisse – aber für diejenigen, die bereit sind, ihm gerecht zu werden, ist er ein unvergleichliches Highlight der spezialisierten Meerwasseraquaristik.
Haltungsbedingungen
Um Erosa erosa (Rostiger Steinfisch) möglichst artgerecht zu halten, empfehlen wir nachfolgende Bedingungen zu schaffen. Vor allem bei der Angabe zur Mindestgröße bitten wir zu beachten, dass die optimalen Verhältnisse unter Umständen erst in wesentlich größeren Aquarien hergestellt werden können.
- Wassertemperatur: 24° bis 27°C
- pH-Wert: 8.0 bis 8.4
- Mindestaquariengröße: 800 Liter


