Parma alboscapularis im Aquarium halten
Einrichtungsbeispiele mit Schwarzer Neuseeland-Riffbarsch

Wissenswertes zu Parma alboscapularis (Schwarzer Neuseeland-Riffbarsch)
Parma alboscapularis, im Deutschen meist als Schwarzer Neuseeland-Riffbarsch bezeichnet, gehört zu den eher unbekannten, aber biologisch extrem spannenden Meeresfischen. In der Aquaristik taucht er nur selten auf, was weniger an seiner Attraktivität als vielmehr an seinen speziellen Ansprüchen liegt. Für erfahrene Meerwasseraquarianer, die sich intensiv mit Verhalten, Biotopen und artgerechter Haltung beschäftigen, kann diese Art jedoch eine echte Bereicherung sein.
Herkunft und natürlicher Lebensraum
Parma alboscapularis stammt aus dem südwestlichen Pazifik und ist endemisch in den gemäßigten Küstengewässern Neuseelands. Das bedeutet, dass diese Art ausschließlich dort vorkommt und nicht in tropischen Riffregionen, wie man es von vielen anderen Riffbarschen kennt. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich vor allem entlang der Küsten der Nord- und Südinsel Neuseelands sowie um vorgelagerte Inselgruppen.
Der natürliche Lebensraum besteht überwiegend aus felsigen Küstenriffen, Tangwäldern und strukturierten Felsformationen in Tiefen von etwa 1 bis 20 Metern. Besonders häufig ist Parma alboscapularis in Bereichen anzutreffen, in denen große Braunalgen wie Ecklonia oder Macrocystis wachsen. Diese Algenwälder bieten Schutz, Nahrung und Reviergrenzen.
Die Wassertemperaturen in diesen Regionen liegen deutlich unter tropischem Niveau. Je nach Jahreszeit bewegen sie sich grob zwischen 10 und 18 Grad Celsius. Genau dieser Punkt macht die Haltung im klassischen Meerwasseraquarium anspruchsvoll, da die meisten Aquarianer auf tropische Temperaturen ausgelegt sind.
Gattung und Familie
Parma alboscapularis gehört zur:
- Familie: Pomacentridae (Riffbarsche)
- Gattung: Parma
Die Familie der Pomacentridae umfasst weltweit mehrere hundert Arten, darunter bekannte Gattungen wie Clownfische, Chromis oder Dascyllus. Die Gattung Parma ist vergleichsweise klein und auf den südlichen Pazifik beschränkt. Charakteristisch für diese Gattung sind ihre Anpassung an kühlere Gewässer, ihr ausgeprägtes Territorialverhalten und ihre enge Bindung an strukturreiche Felsbiotope.
Im Gegensatz zu vielen tropischen Riffbarschen sind Parma-Arten weniger farbenfroh, dafür aber in Verhalten und Ökologie äußerst interessant.
Beschreibung der Art
Parma alboscapularis ist ein mittelgroßer Riffbarsch mit einem kräftigen, hochrückigen Körperbau. Er wirkt kompakt und robust, was gut zu seinem Leben in brandungsreichen Küstenzonen passt. Die Art ist ein standorttreuer Bewohner, der sein Revier aktiv verteidigt und selten weite Strecken zurücklegt.
Typisch ist sein selbstbewusstes Auftreten. Selbst deutlich größere Fische werden nicht selten aus dem eigenen Revier vertrieben. Dieses Verhalten ist sowohl im natürlichen Habitat als auch im Aquarium sehr ausgeprägt.
Die Art ist tagaktiv und verbringt den Großteil des Tages damit, ihr Revier zu patrouillieren, Algen abzuweiden und potenzielle Eindringlinge zu vertreiben. Nachts zieht sie sich in Felsspalten oder dichte Algenbestände zurück.
Aussehen und Färbung
Der Schwarze Neuseeland-Riffbarsch macht seinem Namen alle Ehre. Die Grundfärbung ist tief dunkelbraun bis nahezu schwarz. Je nach Lichteinfall kann die Oberfläche leicht samtig wirken. Besonders markant ist der namensgebende weiße Schulterfleck, der sich direkt hinter dem Kiemendeckel befindet. Dieser Fleck ist artspezifisch und ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu anderen Parma-Arten.
Jungtiere unterscheiden sich optisch deutlich von adulten Tieren. Sie sind meist heller gefärbt, oft bräunlich oder gräulich, und zeigen teilweise zusätzliche helle Zeichnungen oder Linien. Mit zunehmendem Alter dunkelt die Färbung nach.
Die Flossen sind relativ kurz, kräftig und ebenfalls dunkel gefärbt. Die Rückenflosse ist durchgehend und mit kräftigen Stacheln versehen, wie es für Riffbarsche typisch ist.
Verhalten und Sozialstruktur
Das Verhalten von Parma alboscapularis ist einer der wichtigsten Aspekte, die man vor einer Haltung kennen sollte. Diese Art ist stark territorial und verteidigt ihr Revier kompromisslos. Besonders während der Fortpflanzungszeit nimmt die Aggressivität noch einmal deutlich zu.
In der Natur besteht das Revier meist aus einem klar abgegrenzten Bereich mit bevorzugten Algenflächen. Diese werden aktiv gepflegt, indem der Fisch unerwünschte Algen oder fremde Organismen vertreibt. Dieses Verhalten erinnert an das sogenannte „Gärtnerverhalten“, das auch von anderen Riffbarschen bekannt ist.
Gegenüber Artgenossen ist Parma alboscapularis meist unverträglich, sofern das Becken oder der Lebensraum nicht extrem groß ist. Auch gegenüber anderen ähnlich gebauten oder gefärbten Fischen kann es zu aggressiven Interaktionen kommen.
Im Aquarium zeigt sich dieses Verhalten oft noch intensiver, da der Platz begrenzt ist. Daher ist eine sorgfältige Planung der Vergesellschaftung essenziell.
Haltung im Aquarium – Grundlegende Anforderungen
Die Haltung von Parma alboscapularis ist anspruchsvoll und richtet sich klar an erfahrene Aquarianer mit Zugang zu speziellen Becken oder Kaltwasser-Meerwasseraquarien.
Beckengröße
Ein einzelnes Tier benötigt ein sehr großes Aquarium mit mindestens 1000 bis 1200 Litern Volumen. Noch wichtiger als das Volumen ist die Grundfläche, da der Fisch sein Revier horizontal nutzt. Kleine oder mittelgroße Becken sind absolut ungeeignet.
Wassertemperatur
Der wohl kritischste Punkt ist die Temperatur. Parma alboscapularis benötigt kühles Meerwasser im Bereich von etwa 12 bis maximal 18 Grad Celsius. Temperaturen über längere Zeit über 20 Grad führen zu Stress, erhöhter Krankheitsanfälligkeit und langfristig zum Tod des Tieres.
Für die Haltung ist daher eine aktive Kühlung notwendig, meist in Form leistungsstarker Durchlaufkühler.
Wasserwerte
Die Wasserwerte sollten sich an gemäßigten Meeresbiotopen orientieren:
- Salzgehalt: etwa 33–35 PSU
- pH-Wert: 8,0–8,3
- Karbonathärte: 7–9 dKH
- Nitrat und Phosphat möglichst niedrig, aber nicht bei null
Stabile Wasserwerte sind extrem wichtig, da diese Art empfindlich auf starke Schwankungen reagiert.
Einrichtung
Das Aquarium sollte reichlich strukturierte Felsaufbauten bieten, idealerweise aus Lebendgestein oder geeignetem Ersatzmaterial. Große Höhlen, Spalten und Überhänge sind essenziell, um Rückzugsorte zu schaffen.
Zusätzlich sollte man, wenn möglich, Algenflächen fördern. In spezialisierten Becken können sogar großwüchsige Makroalgen integriert werden, um dem natürlichen Lebensraum näherzukommen.
Vergesellschaftung
Die Vergesellschaftung von Parma alboscapularis ist schwierig. Idealerweise wird die Art einzeln gehalten. In sehr großen Becken oder öffentlichen Schauanlagen kann unter Umständen ein Paar oder eine kleine Gruppe gehalten werden, sofern ausreichend Platz und Sichtbarrieren vorhanden sind.
Geeignete Mitbewohner sind robuste, größere Fische aus kühlen Gewässern, die nicht revierbildend sind und andere ökologische Nischen nutzen. Kleine, friedliche Arten werden meist massiv bedrängt.
Von einer Haltung mit tropischen Arten ist allein aufgrund der Temperaturansprüche dringend abzuraten.
Ernährung
Parma alboscapularis ist überwiegend herbivor, nimmt aber auch tierische Bestandteile zu sich. In der Natur besteht die Nahrung hauptsächlich aus:
- Fadenalgen
- Aufwuchsalgen
- Mikroorganismen im Algenrasen
- gelegentlich kleine Wirbellose
Im Aquarium sollte die Ernährung abwechslungsreich gestaltet werden. Hochwertige Algenfutter, Norialgen, Spirulina-basierte Futtermittel und speziell für herbivore Meerwasserfische entwickelte Pellets sind eine gute Basis.
Ergänzend können Frostfutter wie Mysis oder Artemia in kleinen Mengen angeboten werden. Eine zu proteinreiche Ernährung sollte jedoch vermieden werden, da sie zu Verdauungsproblemen und Fettleber führen kann.
Giftigkeit
Parma alboscapularis gilt nicht als giftig im klassischen Sinne. Er besitzt keine Giftdrüsen oder toxischen Stacheln wie einige andere Meeresfische. Allerdings verfügen die Flossenstacheln über scharfe Spitzen, die bei unsachgemäßem Umgang schmerzhafte Verletzungen verursachen können.
Zudem kann es bei Stress oder Verletzungen zu Schleimabsonderungen kommen, die in sehr kleinen Aquarien das Wasser belasten können. Für den Menschen besteht jedoch keine ernsthafte Vergiftungsgefahr.
Vermehrung und Fortpflanzung
Über die Fortpflanzung von Parma alboscapularis in Aquarien ist nur sehr wenig bekannt. In der Natur erfolgt die Fortpflanzung substratgebunden. Das Männchen bereitet eine geeignete Fläche auf einem Felsen vor, auf der das Weibchen die Eier ablegt.
Nach der Eiablage übernimmt das Männchen die Bewachung und Belüftung des Geleges. Es verteidigt die Eier aggressiv gegen Eindringlinge und fächelt mit den Flossen frisches Wasser zu. Die Larven schlüpfen nach wenigen Tagen und treiben zunächst planktonisch im offenen Wasser.
Die Nachzucht im Aquarium gilt als extrem schwierig und ist bislang nur in wissenschaftlichen Einrichtungen oder sehr spezialisierten Anlagen gelungen. Hauptprobleme sind:
- die planktonische Larvenphase
- der Bedarf an passendem Lebendplankton
- die exakten Temperatur- und Lichtbedingungen
Für Hobby-Aquarianer ist eine gezielte Zucht aktuell kaum realistisch.
Mögliche Krankheiten
Wie viele Meerwasserfische reagiert Parma alboscapularis empfindlich auf Stress und schlechte Wasserqualität. Häufige Probleme sind:
- Haut- und Kiemenparasiten
- bakterielle Infektionen bei Verletzungen
- Verdauungsprobleme bei falscher Ernährung
Besonders kritisch sind zu hohe Temperaturen, die das Immunsystem schwächen und parasitäre Erkrankungen begünstigen. Eine Quarantäne neuer Tiere ist dringend zu empfehlen, ebenso eine langsame und stressarme Eingewöhnung.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Ist Parma alboscapularis für Anfänger geeignet?
Nein, diese Art ist klar für erfahrene Aquarianer gedacht, die bereits Erfahrung mit Meerwasser, Technik und anspruchsvollen Arten haben.
Kann man den Schwarzen Neuseeland-Riffbarsch im normalen Meerwasseraquarium halten?
Nein, aufgrund der niedrigen Temperaturansprüche ist ein spezielles Kaltwasser-Meerwasseraquarium erforderlich.
Wie alt kann Parma alboscapularis werden?
In der Natur können diese Meeresfische vermutlich über 15 Jahre alt werden. Im Aquarium hängt die Lebenserwartung stark von der Haltung ab.
Ist die Art aggressiv?
Ja, sie ist stark territorial und kann sehr aggressiv gegenüber anderen Fischen auftreten.
Frisst Parma alboscapularis Korallen?
Da die Art nicht aus tropischen Riffgebieten stammt, ist die Haltung mit klassischen Korallen ohnehin unüblich. Schäden an sessilen Wirbellosen sind möglich, stehen aber nicht im Vordergrund.
Alternative Bezeichnungen
Parma alboscapularis ist unter verschiedenen Namen bekannt, darunter:
- Schwarzer Neuseeland-Riffbarsch
- White-shouldered Damselfish
- New Zealand Black Damselfish
Je nach Region und Sprache können diese Bezeichnungen variieren.
Fazit
Parma alboscapularis ist ein faszinierender, aber anspruchsvoller Vertreter der Riffbarsche. Seine Herkunft aus den kühlen Gewässern Neuseelands, sein ausgeprägtes Territorialverhalten und seine spezielle Ernährung machen ihn zu einer echten Herausforderung in der Aquaristik. Für Einsteiger ist diese Art ungeeignet, für erfahrene Aquarianer mit entsprechender Technik, Platz und Fachwissen jedoch ein außergewöhnlicher Pflegling.
Wer bereit ist, sich intensiv mit den Bedürfnissen dieses Fisches auseinanderzusetzen und ihm ein möglichst naturnahes Umfeld zu bieten, wird mit spannenden Verhaltensbeobachtungen und einem Stück einzigartiger Meeresbiologie belohnt.
Haltungsbedingungen
Um Parma alboscapularis (Schwarzer Neuseeland-Riffbarsch) möglichst artgerecht zu halten, empfehlen wir nachfolgende Bedingungen zu schaffen. Vor allem bei der Angabe zur Mindestgröße bitten wir zu beachten, dass die optimalen Verhältnisse unter Umständen erst in wesentlich größeren Aquarien hergestellt werden können.
- Wassertemperatur: 12° bis 18°C
- pH-Wert: 8.0 bis 8.3
- Mindestaquariengröße: 1000 Liter