Parma bicolor im Aquarium halten
Einrichtungsbeispiele mit Zweifarbiger Riffbarsch

Wissenswertes zu Parma bicolor (Zweifarbiger Riffbarsch)
Der Zweifarbige Riffbarsch, wissenschaftlich Parma bicolor, gehört zu den eher unbekannten, aber äußerst interessanten Rifffischen der gemäßigten und subtropischen Meere. Während viele Aquarianer vor allem tropische Korallenriffe mit bunten Doktorfischen und Lippfischen im Kopf haben, eröffnet Parma bicolor eine ganz andere, oft unterschätzte Welt: die der temperierten Riffzonen mit kräftigen Farben, ausgeprägtem Revierverhalten und spannender Biologie. Diese Art ist kein klassischer „Anfängerfisch“, fasziniert aber durch Robustheit, Charakterstärke und ein sehr natürliches Verhalten im Aquarium.
Herkunft und natürlicher Lebensraum
Parma bicolor stammt aus dem südlichen Pazifik, genauer gesagt aus den gemäßigten Küstenregionen Australiens. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich vor allem entlang der Südküste und Südostküste Australiens, einschließlich Tasmanien. Dort bewohnt die Art felsige Küstenriffe, Algenfelder und strukturreiche Riffzonen in Tiefen von etwa 1 bis 20 Metern.
Im Gegensatz zu vielen tropischen Riffbarschen lebt Parma bicolor in vergleichsweise kühlem Wasser. Die Temperaturen liegen je nach Jahreszeit häufig zwischen 14 und 22 Grad Celsius. Die Lebensräume sind geprägt von starkem Wellengang, wechselnden Strömungen und einem hohen Sauerstoffgehalt. Statt bunter Korallen dominieren hier Makroalgen, Schwämme und Felsstrukturen.
Diese Herkunft ist extrem wichtig für die Aquarienhaltung, da Parma bicolor deutlich andere Ansprüche hat als klassische tropische Meerwasserfische.
Gattung und Familie
- Wissenschaftlicher Name: Parma bicolor
- Deutscher Name: Zweifarbiger Riffbarsch
- Gattung: Parma
- Familie: Pomacentridae (Riffbarsche)
Die Familie der Riffbarsche umfasst mehrere hundert Arten, die überwiegend in tropischen Korallenriffen leben. Die Gattung Parma stellt dabei eine Besonderheit dar, da ihre Arten fast ausschließlich in gemäßigten Zonen vorkommen. Typisch für diese Gattung sind ein kräftiger Körperbau, territoriales Verhalten und eine starke Bindung an Algenbewuchs.
Innerhalb der Pomacentridae gelten Parma-Arten als relativ ursprünglich und ökologisch stark spezialisiert.
Beschreibung der Art
Parma bicolor ist ein mittelgroßer Riffbarsch mit einem kompakten, hochrückigen Körper. Erwachsene Tiere erreichen eine Länge von etwa 20 bis 25 Zentimetern, wobei Männchen oft etwas größer und kräftiger wirken als Weibchen. Der Körper ist seitlich leicht abgeflacht und wirkt insgesamt sehr robust.
Der Fisch ist ein typischer Standfisch, der sein Revier energisch verteidigt. In freier Natur hält sich Parma bicolor meist in unmittelbarer Nähe von Felsvorsprüngen oder dichten Algenpolstern auf, die sowohl als Nahrung als auch als Rückzugsort dienen.
Aussehen und Färbung
Der Name „Zweifarbiger Riffbarsch“ beschreibt das Erscheinungsbild sehr treffend. Der Körper von Parma bicolor ist deutlich zweigeteilt:
Der vordere Körperbereich, insbesondere Kopf und Brustpartie, ist meist dunkelgrau bis schwarz gefärbt. Der hintere Körperteil inklusive Schwanzstiel und Schwanzflosse zeigt eine kontrastreiche helle Färbung, die von weißlich über hellgrau bis leicht gelblich reichen kann. Die genaue Farbintensität hängt vom Alter, vom Geschlecht, vom sozialen Status und auch von der Stimmung des Tieres ab.
Jungtiere unterscheiden sich deutlich von adulten Exemplaren. Sie sind oft heller gefärbt und zeigen weniger starke Kontraste. Mit zunehmendem Alter wird die Zweifarbigkeit immer ausgeprägter.
Die Flossen sind kräftig, leicht abgerundet und meist dunkel gesäumt. Die Augen sind relativ groß und vermitteln einen wachsamen, fast „aufmerksamen“ Ausdruck.
Verhalten im natürlichen Habitat
Parma bicolor ist stark territorial. In freier Wildbahn verteidigt jedes adulte Tier ein festes Revier, das reich an Algenbewuchs ist. Eindringlinge werden konsequent vertrieben, unabhängig davon, ob es sich um Artgenossen oder andere Meeresfischarten handelt.
Das Verhalten ist geprägt von kurzen, schnellen Attacken, Drohgebärden und imponierendem Flossenspreizen. Trotz dieser Aggressivität kommt es nur selten zu ernsthaften Verletzungen, da die Reviergrenzen in der Natur meist klar geregelt sind.
Ein weiterer interessanter Punkt ist die starke Standorttreue. Parma bicolor verlässt sein Revier nur selten und entfernt sich meist nur wenige Meter vom angestammten Bereich.
Verhalten im Aquarium
Im Aquarium zeigt Parma bicolor ein sehr ähnliches Verhalten wie in der Natur – allerdings oft noch ausgeprägter. Der begrenzte Raum verstärkt das territoriale Verhalten deutlich. Daher sollte diese Art nur mit Bedacht vergesellschaftet werden.
Einzeln gehaltene Tiere entwickeln oft eine starke Bindung an bestimmte Strukturen im Becken. Sie patrouillieren ihr Revier regelmäßig und reagieren sensibel auf Veränderungen. Bei zu kleinen Aquarien oder falscher Vergesellschaftung kann es zu dauerhafter Aggression kommen.
Gegenüber dem Pfleger sind die Tiere meist neugierig, lernfähig und schnell an feste Fütterungszeiten gewöhnt. Manche Exemplare zeigen ein fast „charakterstarkes“ Verhalten und reagieren individuell unterschiedlich.
Haltung im Aquarium
Aquariengröße
Parma bicolor benötigt viel Platz. Für ein einzelnes adultes Tier sollte das Aquarium mindestens 1000 bis 1200 Liter fassen, besser mehr. Die Beckenlänge ist dabei entscheidender als die Höhe. Eine Länge von mindestens 200 Zentimetern ist empfehlenswert.
Zu kleine Becken führen fast zwangsläufig zu Stress, Aggression und gesundheitlichen Problemen.
Wassertemperatur und Wasserwerte
Da es sich um eine Art aus gemäßigten Zonen handelt, sind klassische tropische Meerwasserwerte ungeeignet.
Empfohlene Parameter:
- Temperatur: 16–20 °C (kurzzeitig auch bis 22 °C möglich)
- Salzgehalt: 33–35 PSU
- pH-Wert: 8,0–8,3
- Sauerstoffgehalt: sehr hoch
- Strömung: mittel bis stark
Eine leistungsfähige Kühlung ist in den meisten Wohnräumen zwingend erforderlich.
Einrichtung des Aquariums
Das Aquarium sollte stark strukturiert sein. Große, stabile Felsaufbauten mit vielen Spalten, Überhängen und Rückzugsmöglichkeiten sind essenziell. Ideal sind massive Riffkerne oder künstliche Felsmodule, die nicht verrutschen können.
Makroalgen spielen eine zentrale Rolle. Arten wie Braunalgen oder andere robuste Algen dienen nicht nur als Nahrung, sondern auch als Reviermarkierung. Korallen sind nicht notwendig und werden oft ignoriert.
Der Bodengrund kann aus grobem Sand oder feinem Kies bestehen, spielt aber eine untergeordnete Rolle.
Beleuchtung
Parma bicolor stellt keine hohen Ansprüche an die Beleuchtung. Eine moderate, naturnahe Beleuchtung reicht völlig aus. Zu starkes Licht kann sogar Stress verursachen, insbesondere wenn wenig Schattenzonen vorhanden sind.
Vergesellschaftung
Die Vergesellschaftung ist der schwierigste Teil bei der Haltung von Parma bicolor.
Geeignet sind:
- robuste, nicht zu kleine Fische aus gemäßigten Zonen
- Arten mit ähnlicher Größe und Durchsetzungsfähigkeit
- standorttreue Fische mit anderen ökologischen Nischen
Ungeeignet sind:
- kleine, friedliche Fische
- langsam schwimmende Arten
- sehr aggressive Räuber
- tropische Korallenfische
Am sichersten ist die Einzelhaltung oder die Kombination mit wenigen, sehr sorgfältig ausgewählten Mitbewohnern.
Ernährung
Parma bicolor ist überwiegend herbivor, ergänzt durch einen geringen Anteil tierischer Nahrung. In der Natur ernährt er sich hauptsächlich von Algenaufwuchs, Diatomeen und Mikroorganismen, die auf Felsen wachsen.
Im Aquarium sollte die Ernährung abwechslungsreich gestaltet werden:
- frische oder getrocknete Algen
- Algenblätter
- hochwertiges pflanzliches Flocken- oder Granulatfutter
- gelegentlich feines Frostfutter wie Mysis oder Artemia
Eine rein tierische Ernährung ist ungeeignet und kann langfristig zu Verdauungsproblemen und Fettleber führen.
Giftigkeit
Parma bicolor gilt als nicht giftig. Weder besitzt er Giftdrüsen noch ist er für Menschen oder andere Fische toxisch. Allerdings sollte man die kräftigen Zähne und das territoriale Verhalten nicht unterschätzen. Bei der Pflege oder beim Umsetzen kann es zu schmerzhaften Bissen kommen, die sich entzünden können, wenn sie nicht sauber versorgt werden.
Vermehrung und Fortpflanzung in der Natur
In freier Wildbahn ist das Fortpflanzungsverhalten von Parma bicolor gut dokumentiert. Die Tiere sind Substratlaicher. Das Männchen bereitet eine geeignete Stelle auf einem Felsen vor, indem es diese gründlich reinigt.
Nach der Paarung legt das Weibchen mehrere hundert Eier ab, die vom Männchen bewacht und befächelt werden. Während dieser Zeit zeigt das Männchen ein extrem aggressives Verhalten gegenüber allen Eindringlingen.
Die Larven schlüpfen nach wenigen Tagen und treiben zunächst planktonisch im offenen Wasser, bevor sie sich später wieder in Küstennähe ansiedeln.
Zucht im Aquarium
Eine erfolgreiche Nachzucht von Parma bicolor im Heimaquarium ist bisher äußerst selten und gilt als sehr schwierig. Die Hauptprobleme liegen in:
- der Temperaturführung
- dem Platzbedarf
- der Aufzucht der planktonischen Larven
Selbst wenn es zur Eiablage kommt, ist die Larvenaufzucht anspruchsvoll und erfordert spezielle Technik, Lebendplankton und viel Erfahrung.
Für die meisten Aquarianer ist Parma bicolor daher kein realistisches Zuchtprojekt.
Mögliche Krankheiten
Parma bicolor gilt als robust, ist aber nicht immun gegen typische Meerwasserkrankheiten.
Häufige Probleme sind:
- parasitäre Erkrankungen wie Cryptocaryon bei falschen Temperaturen
- bakterielle Infektionen nach Revierkämpfen
- Verdauungsprobleme durch falsche Ernährung
- Stresssymptome bei zu wenig Platz oder falscher Vergesellschaftung
Eine stabile Wasserqualität, artgerechte Temperaturen und eine angepasste Ernährung sind die beste Prävention.
Alternative Bezeichnungen
Neben dem deutschen Namen „Zweifarbiger Riffbarsch“ ist Parma bicolor auch bekannt als:
- Bicolor Damselfish (englisch)
- Australian Bicolor Damselfish
- Southern Scalyfin (regional)
Im Handel ist die Art selten und wird oft nur unter dem wissenschaftlichen Namen angeboten.
Häufige Fragen (FAQs)
Ist Parma bicolor für Anfänger geeignet?
Nein. Aufgrund der speziellen Temperaturansprüche, der Aggressivität und des großen Platzbedarfs ist die Art eher für erfahrene Meerwasseraquarianer geeignet.
Kann man Parma bicolor paarweise halten?
In sehr großen Becken mit über 2000 Litern Volumen ist eine Paarhaltung theoretisch möglich, in der Praxis aber schwierig.
Braucht der Fisch Korallen?
Nein, Korallen sind nicht notwendig und spielen für diese Art keine Rolle.
Wie alt kann Parma bicolor werden?
Bei guter Pflege sind 10 bis 15 Jahre durchaus realistisch.
Fazit
Parma bicolor ist ein außergewöhnlicher Riffbarsch, der sich deutlich von den typischen tropischen Meerwasserfischen unterscheidet. Seine Herkunft aus gemäßigten Zonen, das ausgeprägte Revierverhalten und die starke Persönlichkeit machen ihn zu einer faszinierenden, aber anspruchsvollen Aquarienbewohner.
Wer bereit ist, ein großes, gut strukturiertes und gekühltes Aquarium zu betreiben und sich intensiv mit den Bedürfnissen dieser Art auseinanderzusetzen, wird mit einem äußerst interessanten Fisch belohnt, der natürliche Verhaltensweisen zeigt und lange Freude bereiten kann. Für klassische Gesellschaftsbecken ist Parma bicolor ungeeignet, als Solitär oder in spezialisierten Kalt- bis gemäßigten Meerwasseraquarien jedoch eine echte Bereicherung.
Haltungsbedingungen
Um Parma bicolor (Zweifarbiger Riffbarsch) möglichst artgerecht zu halten, empfehlen wir nachfolgende Bedingungen zu schaffen. Vor allem bei der Angabe zur Mindestgröße bitten wir zu beachten, dass die optimalen Verhältnisse unter Umständen erst in wesentlich größeren Aquarien hergestellt werden können.
- Wassertemperatur: 16° bis 20°C
- pH-Wert: 8.0 bis 8.3
- Mindestaquariengröße: 1000 Liter