Parma microlepis im Aquarium halten
Einrichtungsbeispiele mit Weißohr-Riffbarsch

Wissenswertes zu Parma microlepis (Weißohr-Riffbarsch)
Herkunft und Verbreitung
Parma microlepis, allgemein bekannt als Weißohr-Riffbarsch, gehört zur Familie der Riffbarsche (Pomacentridae). Diese kleine, farbenprächtige Fischart ist vor allem im westlichen und zentralen Pazifik verbreitet. Ihr natürlicher Lebensraum erstreckt sich entlang der Küsten Australiens, Neuguineas, der östlichen Küste Indonesiens und der Salomoneninseln. Dabei bevorzugt sie flache, gut strukturierte Korallenriffe mit reichlich Versteckmöglichkeiten zwischen Korallenblöcken und Felsen. Die Art lebt meist in Wassertiefen zwischen zwei und 15 Metern, ist aber gelegentlich auch in tieferen Abschnitten der Riffe anzutreffen, wo das Wasser ruhig und reich an Nährstoffen ist.
Die Weißohr-Riffbarsche sind sessile Fische, die ein starkes Revierverhalten zeigen und in kleinen Gruppen leben. Ihre Verbreitung innerhalb der Riffe ist stark abhängig von der Verfügbarkeit geeigneter Nistplätze und Futterquellen. In ihrem natürlichen Lebensraum ernähren sie sich vorwiegend von Algen, kleinen wirbellosen Tieren und planktonischen Organismen.
Systematik: Gattung und Familie
Die taxonomische Einordnung von Parma microlepis gestaltet sich wie folgt:
- Familie: Pomacentridae (Riffbarsche)
- Gattung: Parma
- Art: Parma microlepis
Die Familie der Riffbarsche ist bekannt für ihre auffälligen Färbungen, territoriales Verhalten und komplexe soziale Strukturen. Innerhalb der Gattung Parma zeichnen sich die Arten durch eine kompakte Körperform, kräftige Flossen und ausgeprägte Farbkontraste aus. Parma microlepis unterscheidet sich von anderen Arten durch seine charakteristische weiße Markierung hinter den Kiemendeckeln, die ihm den Namen „Weißohr-Riffbarsch“ eingebracht hat.
Aussehen und Merkmale
Parma microlepis ist ein eher kleiner, aber robuster Riffbarsch. Die durchschnittliche Größe liegt bei etwa 12 bis 15 Zentimetern, wobei ausgewachsene Männchen tendenziell etwas größer sind als die Weibchen. Der Körper ist hochrückig und seitlich leicht abgeflacht, was dem Fisch eine gedrungene, kompakte Silhouette verleiht.
Die Färbung variiert je nach Alter, Geschlecht und Stimmung des Tieres. Typischerweise zeigt der Weißohr-Riffbarsch eine dunkelblaue bis dunkelgrüne Grundfärbung, die je nach Lichteinfall metallisch schimmert. Das markanteste Merkmal ist der weiße Fleck hinter den Kiemendeckeln, der bei Erwachsenen besonders auffällig ist. Die Flossen sind kräftig ausgebildet, wobei die Rückenflosse lang und durchgehend mit Stachelstrahlen versehen ist, die zur Verteidigung und Stabilisierung im Wasser dienen. Die Schwanzflosse ist leicht abgerundet, was dem Fisch Wendigkeit und präzise Steuerung in engen Riffbereichen ermöglicht.
Verhalten im Aquarium
Parma microlepis ist ein ausgesprochen territorialer und teils aggressiver Meeresfisch, insbesondere gegenüber Artgenossen oder ähnlich aussehenden Riffbarschen. In der Natur verteidigt er sein Revier energisch gegen Eindringlinge, wobei das Revier in der Regel zwischen 1 und 3 Quadratmetern groß ist. Dieses Verhalten sollte bei der Haltung im Aquarium berücksichtigt werden, um Stress, Verletzungen oder Todesfälle zu vermeiden.
Die Art ist tagaktiv und verbringt den Großteil des Tages damit, Futterquellen zu suchen und ihr Territorium zu patrouillieren. Dabei zeigt sie eine hohe Aktivität und erkundet jede Ecke des Aquariums. Trotz ihrer teils aggressiven Natur können Weißohr-Riffbarsche mit ausreichend Platz und Versteckmöglichkeiten in einem Artbecken oder in Gesellschaft geeigneter, nicht territorialer Fische gehalten werden.
Haltungsempfehlungen
Die Haltung von Parma microlepis stellt gewisse Anforderungen an das Aquarium, die unbedingt eingehalten werden sollten, um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere zu gewährleisten.
Beckengröße und Gestaltung
Ein Becken ab 600 Litern ist empfehlenswert, um ausreichend Schwimmraum und Revierbildung zu ermöglichen. Die Einrichtung sollte reichhaltig mit lebenden Steinen, Korallenblöcken und Höhlen gestaltet sein, um Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen und Aggressionen zu reduzieren. Offene Schwimmflächen sind wichtig, da die Fische aktiv patrouillieren.
Wasserparameter
Weil Parma microlepis ein Riffbewohner ist, sollten die Wasserparameter möglichst den natürlichen Bedingungen entsprechen:
- Temperatur: 24–27 °C
- Salzgehalt: 1,020–1,025
- pH-Wert: 8,1–8,4
- Karbonathärte: 8–12 °dKH
- Ammoniak/Nitrit: 0 mg/l
Regelmäßige Wasserwechsel von 10–15 % wöchentlich oder 20–25 % alle zwei Wochen sind essenziell, um die Wasserqualität stabil zu halten. Filtration und Strömung sollten moderat sein, da zu starke Strömungen den Fisch stressen können.
Ernährung
Parma microlepis ist omnivor. In der Natur ernährt er sich von Algen, kleinen Wirbellosen und Plankton. Im Aquarium sollte das Futter abwechslungsreich gestaltet sein. Geeignet sind:
- Gefrorene Mysis- oder Artemia-Nauplien
- Spezielles Riffbarschfutter in Flocken oder Granulat
- Gelegentlich kleine Stücke von Muscheln oder Garnelen
- Lebende Algen oder Algenblätter, um die natürliche Nahrungsaufnahme zu fördern
Die Fütterung sollte ein- bis zweimal täglich erfolgen, wobei kleine Portionen bevorzugt werden, um Wasserbelastung zu reduzieren und natürliche Futtersuchbewegungen zu stimulieren.
Vergesellschaftung
Aufgrund ihres territorialen Verhaltens sollten Weißohr-Riffbarsche entweder in einem Artenbecken oder zusammen mit deutlich größeren, robusten Arten gehalten werden, die keine direkte Konkurrenz darstellen. Arten wie Zwerglippfische, gewisse Grundeln oder große Doktorfische sind potenziell geeignet, während andere kleine Riffbarsche, die ähnliche Färbung oder Körperform haben, meist Aggressionen hervorrufen.
Giftigkeit
Parma microlepis gilt als ungiftig. Sie besitzen keine Giftdrüsen oder Stacheln, die für den Menschen gefährlich sind. Dennoch können die Stachelstrahlen der Rückenflosse bei unsachgemäßer Handhabung leichte Verletzungen verursachen, die entzündlich reagieren können. Deshalb sollte der Fisch beim Einsetzen oder Pflegen des Beckens immer mit Vorsicht behandelt werden.
Vermehrung und Zucht
Die Zucht von Parma microlepis ist anspruchsvoll, da die Art territoriales Verhalten und spezifische Laichbedingungen benötigt. In freier Natur legen die Weibchen ihre Eier an geschützten Stellen innerhalb des Reviers ab, die dann vom Männchen bewacht und belüftet werden. Die Brutpflege ist stark ausgeprägt: das Männchen verteidigt die Eier aggressiv gegen Eindringlinge und sorgt durch ständiges Fächeln für Sauerstoffzufuhr.
Im Aquarium gelingt die Zucht nur in großen Becken mit genügend Struktur, Rückzugsmöglichkeiten und optimalen Wasserparametern. Die Nachzucht erfordert:
- Separates Aufzuchtbecken für die Larven
- Feinstes Futter wie Mikroplankton oder spezielle Larvennahrung
- Konstante Kontrolle von Temperatur, Salzgehalt und Wasserqualität
Die Aufzucht der Jungfische ist sehr anspruchsvoll, da sie empfindlich auf Veränderungen in Wasserqualität und Futter reagieren. Erfolgreiche Zuchten sind daher vor allem erfahrenen Aquarianern vorbehalten.
Krankheiten
Wie viele Riffbewohner ist Parma microlepis anfällig für bestimmte Krankheiten, insbesondere bei Stress oder suboptimalen Wasserbedingungen. Häufige Erkrankungen umfassen:
- Ichthyophthirius (Ich): Kleine weiße Punkte auf Körper und Flossen, oft ausgelöst durch plötzliche Temperaturänderungen oder Stress
- Velvet-Krankheit (Oodinium): Goldgelber Belag auf Haut und Flossen, verbunden mit Atemproblemen
- Flossenfäule: Bakterielle Infektion, die zu ausfransenden Flossen führt, häufig durch schlechte Wasserqualität oder Verletzungen verursacht
- Innere Parasiten: Durch Aufnahme von infiziertem Futter, äußert sich durch Abmagerung oder unregelmäßiges Schwimmverhalten
Vorbeugend sind stabile Wasserparameter, ein sauberes Aquarium, ausgewogene Ernährung und möglichst wenig Stress entscheidend. Bei ersten Anzeichen einer Erkrankung sollte eine gezielte Behandlung erfolgen, oft unter Zugabe von Medikamenten oder durch Quarantäne.
Alternative Bezeichnungen
Parma microlepis ist unter verschiedenen Namen bekannt, darunter:
- Weißohr-Riffbarsch
- White-ear Damselfish (engl.)
- Riffbarsch mit weißem Kiemenfleck
In der Aquaristik wird der Name Weißohr-Riffbarsch am häufigsten verwendet, da er die markanteste optische Eigenschaft der Art beschreibt.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Frage: Ist Parma microlepis für Anfänger geeignet?
Antwort: Aufgrund seines territorialen Verhaltens, seiner Ansprüche an Wasserqualität und des Platzbedarfs ist die Art eher für erfahrene Aquarianer geeignet.
Frage: Kann man mehrere Exemplare zusammenhalten?
Antwort: Mehrere Tiere derselben Art können nur in sehr großen Becken mit ausreichender Struktur und Verstecken gehalten werden. In kleineren Aquarien führt dies fast immer zu Aggressionen.
Frage: Brauchen die Fische Korallen im Aquarium?
Antwort: Korallen sind nicht zwingend erforderlich, aber sie bieten Rückzugsmöglichkeiten und tragen zur natürlichen Struktur des Beckens bei.
Frage: Wie lange lebt Parma microlepis?
Antwort: Bei optimaler Haltung erreichen die Fische eine Lebenserwartung von bis zu 8 Jahren, in Ausnahmefällen auch länger.
Frage: Sind sie aggressiv gegenüber anderen Riffbarschen?
Antwort: Ja, insbesondere gegenüber Artgenossen oder ähnlich gefärbten Barschen. Die Aggression kann durch ausreichend Platz und Verstecke reduziert werden, aber nie vollständig eliminiert werden.
Fazit
Parma microlepis ist ein faszinierender Vertreter der Riffbarsche, der durch seine auffällige Färbung, das charakteristische weiße Kiemenfleck-Merkmal und sein ausgeprägtes Territorialverhalten besticht. Die Haltung dieser Art erfordert Erfahrung, ein gut strukturiertes Becken, stabile Wasserbedingungen und eine abwechslungsreiche Ernährung. Trotz der Herausforderungen lohnt sich die Pflege dieser Tiere für Aquarianer, die sich für Riffbiologie und natürliche Verhaltensweisen begeistern, da die Tiere durch ihr Verhalten und ihre Farbenpracht ein lebendiges und dynamisches Riffbild im Aquarium erzeugen.
Die Weißohr-Riffbarsche sind robust, neugierig und in einem optimal eingerichteten Meerwasseraquarium sehr aktiv. Wer bereit ist, den Platzbedarf und die sozialen Ansprüche zu berücksichtigen, kann mit Parma microlepis eine lohnende und beeindruckende Bereicherung seines Riffbeckens erleben. Ihre Pflege bietet nicht nur ästhetischen Genuss, sondern auch spannende Einblicke in die komplexen sozialen Strukturen und das Revierverhalten von Riffbewohnern.
Haltungsbedingungen
Um Parma microlepis (Weißohr-Riffbarsch) möglichst artgerecht zu halten, empfehlen wir nachfolgende Bedingungen zu schaffen. Vor allem bei der Angabe zur Mindestgröße bitten wir zu beachten, dass die optimalen Verhältnisse unter Umständen erst in wesentlich größeren Aquarien hergestellt werden können.
- Wassertemperatur: 24° bis 27°C
- pH-Wert: 8.1 bis 8.4
- Mindestaquariengröße: 600 Liter