Lebens(t)räume für Menschen, Tiere & Pflanzen
Gestaltungsbeispiele für naturnahe Lebensräume
Einrichtungsbeispiele.de-Logo
Neu
Login
Wir werden unterstützt von:

Begriffe erklärt: Fortpflanzung ohne Männchen - Parthenogenese

Lesezeit: ca. 3 Minuten
Begriffe erklärt: Fortpflanzung ohne Männchen - Parthenogenese
Begriffe erklärt: Fortpflanzung ohne Männchen - Parthenogenese - Foto 1

In der Tierwelt ist Fortpflanzung ohne Befruchtung durch ein Männchen keine bloße Ausnahmeerscheinung – sie ist in bestimmten Gruppen eine etablierte Strategie. Die sogenannte Parthenogenese, auch Jungfernzeugung genannt, ermöglicht es Weibchen, Nachkommen zu produzieren, ohne dass Spermien beteiligt sind. Was zunächst wie ein biologisches Kuriosum wirkt, ist in Wirklichkeit ein ausgeklügelter Fortpflanzungsmechanismus mit weitreichenden Folgen.

Was ist Parthenogenese?

Parthenogenese (von griechisch parthenos = Jungfrau, genesis = Entstehung) beschreibt eine Form der ungeschlechtlichen Fortpflanzung, bei der sich ein Weibchen aus unbefruchteten Eiern fortpflanzen kann. Die Nachkommen sind genetisch in der Regel Klone der Mutter oder ihnen sehr ähnlich. Diese Form der Fortpflanzung ist bei vielen Wirbellosen, insbesondere bei Insekten, verbreitet, aber auch bei Reptilien, Amphibien und sogar einigen Fischarten belegt.

Wie funktioniert sie biologisch?

Bei den meisten Tieren entstehen Eizellen durch Meiose, ein Prozess, bei dem die Chromosomenzahl halbiert wird. In der Parthenogenese kommt es entweder zu einer automatischen Verdopplung der Chromosomen nach der Meiose (automixis) oder es wird die Meiose umgangen (apomixis), sodass die Eizelle ein vollständiges Chromosomenset behält. Das Ergebnis ist ein vollständig lebensfähiges, meist weibliches Tier, das ohne Befruchtung herangewachsen ist.

Vorteile der Parthenogenese

  • Schnelle Vermehrung: In stabilen, günstigen Umgebungen kann sich eine Population schnell vergrößern, ohne auf Paarungspartner angewiesen zu sein.
  • Besiedlung neuer Lebensräume: Einzelne Weibchen können isolierte Lebensräume kolonisieren, da keine Männchen zur Fortpflanzung notwendig sind.
  • Energieersparnis: Energie, die bei der Partnersuche oder Paarung aufgewendet würde, steht für andere Prozesse zur Verfügung.

Grenzen und Risiken

  • Geringe genetische Vielfalt: Da alle Nachkommen nahezu identisch sind, fehlt die genetische Durchmischung. Das kann Populationen anfälliger für Krankheiten oder Umweltveränderungen machen.
  • Langfristige Evolution: Arten mit ausschließlich parthenogenetischer Fortpflanzung gelten häufig als evolutionär „kurzlebiger“, weil ihnen die Anpassungsfähigkeit fehlt, die durch genetische Variation entsteht.

Sonderformen: Obligate vs. fakultative Parthenogenese

Nicht alle Arten, die zur Parthenogenese fähig sind, tun dies ausschließlich. Man unterscheidet:

  • Obligate Parthenogenese - Die Art pflanzt sich ausschließlich ungeschlechtlich fort. Männchen existieren entweder gar nicht oder sind nicht fortpflanzungsfähig.
  • Fakultative Parthenogenese - Die Tiere können sich auch ohne Männchen fortpflanzen, nutzen diese Strategie aber nur bei Bedarf – etwa wenn kein Männchen verfügbar ist.

Ein cleverer Trick der Natur

Die Parthenogenese zeigt, wie flexibel und einfallsreich evolutionäre Prozesse sein können. Was wie ein biologischer Notbehelf wirkt, ist in Wahrheit ein wirksames Mittel zur Vermehrung unter schwierigen Bedingungen. Besonders für Halter von Terrarientieren ist sie nicht nur faszinierend, sondern auch praktisch: Sie ermöglicht eine schnelle und unkomplizierte Zucht.

 

Autorin: Caroline Haller für www.einrichtungsbeispiele.de

Autor*in: Tom Thammer

Tom Thammer ist Mitglied von EB und stellt 12 Beispiele vor.

Titel: Begriffe erklärt: Fortpflanzung ohne Männchen - Parthenogenese (Artikel 6922)

Das könnte dich ebenfalls interessieren:

Zuwachs im Gartenteich: Wo kommt denn die Muschel her?

Zuwachs im Gartenteich: Wo kommt denn die Muschel her?

Arten

Es ist ein unerwarteter Anblick: Im Gartenteich befindet sich eine Muschel, obwohl niemand sie bewusst eingesetzt hat. Viele Teichbesitzerinnen und Teichbesitzer wundern sich, wie diese Tiere ihren Weg in den Teich finden. Doch tatsächlich gibt es mehrere natürliche Wege, über die Teichmuscheln in einem Teich auftauchen können – und die spannende Vermehrungsstrategie der Muscheln liefert einige Antworten.

Blindschleiche im Garten - Was tun?

Blindschleiche im Garten - Was tun?

Arten

Viele Gartenbesitzer erschrecken zunächst, wenn sie im eigenen Garten ein schlangenähnliches Tier entdecken. Oft wird dabei vorschnell angenommen, es handle sich um eine Schlange, möglicherweise sogar um eine gefährliche Art. In den meisten Fällen ist der unerwartete Besucher jedoch eine Blindschleiche, ein faszinierendes und völlig harmloses Reptil. Die Blindschleiche gehört zu den am häufigsten vorkommenden Reptilien in Mitteleuropa und ist ein wertvoller Bestandteil eines naturnahen Gartens.

Mimikry - Täuschungskunst der Natur und faszinierende Überlebensstrategie im Tierreich

Mimikry - Täuschungskunst der Natur und faszinierende Überlebensstrategie im Tierreich

Allgemeine Tipps & Tricks

Die Natur ist voller raffinierter Anpassungen, die im Laufe von Millionen Jahren entstanden sind. Eine der beeindruckendsten Strategien zur Sicherung des Überlebens ist die sogenannte Mimikry. Dabei handelt es sich um eine Form der biologischen Täuschung, bei der Tiere oder andere Organismen das Aussehen, Verhalten oder sogar den Geruch anderer Arten nachahmen. Ziel dieser Nachahmung ist meist der Schutz vor Fressfeinden, manchmal aber auch das Erbeuten von Nahrung oder das unbemerkte Eindringen in fremde Lebensräume.

Die größten Schmetterlinge in Deutschland im Überblick

Die größten Schmetterlinge in Deutschland im Überblick

Arten

Die größten Schmetterlinge in Deutschland gehören überwiegend zu den Ritterfaltern und einigen großen Nachtfaltergruppen. Ihre Flügelspannweite ist das wichtigste Kriterium zur Größenbestimmung.

Schritt für Schritt den eigenen Garten zum Japanischen Garten umgestalten

Schritt für Schritt den eigenen Garten zum Japanischen Garten umgestalten

Allgemeine Tipps & Tricks

Ein Japanischer Garten gilt weltweit als Symbol für Ruhe, Harmonie und Natürlichkeit. Anders als klassische Ziergärten orientiert sich diese Gartenform nicht an üppiger Blütenpracht oder streng geometrischen Mustern, sondern an einer bewusst gestalteten Verbindung zwischen Natur, Wasser, Stein, Pflanzen und Raumgefühl. Ziel ist es, eine Landschaft im Kleinen zu erschaffen, die Gelassenheit vermittelt und den Alltag entschleunigt.

Das Idyll Schrebergarten: Mit eigenem Gartenteich?

Das Idyll Schrebergarten: Mit eigenem Gartenteich?

Allgemeine Tipps & Tricks

Ein Schrebergarten, auch als Kleingarten, Laubenkolonie, Schreberanlage oder Schreberverein bezeichnet, ist ein kleines, meist gepachtetes Stück Land, das Menschen zur privaten Nutzung zur Verfügung steht, um darin Gartenbau zu betreiben oder sich zu erholen. Die Idee der Schrebergärten entstand im 19. Jahrhundert als Antwort auf die wachsende Urbanisierung und die damit einhergehende Notwendigkeit, den Stadtbewohnern Zugang zur Natur und zu Erholungsflächen zu bieten.