Die größten Taranteln der Welt - Faszination, Fakten und Haltung in der Terraristik
Taranteln gehören seit Jahrhunderten zu den Tieren, die Menschen gleichermaßen faszinieren und verunsichern. Große, kräftige Spinnen mit beeindruckender Beinspannweite wecken Bewunderung, Schrecken und Neugier. Besonders in der Terraristik sind Fragen nach der größten Tarantel der Welt sehr beliebt. Doch dabei gilt es, zwischen echten Taranteln und sogenannten Vogelspinnen zu unterscheiden.
Während der Begriff „Tarantel“ in der Umgangssprache oft für große, behaarte Spinnen aller Art verwendet wird, bezieht er sich biologisch korrekt auf die Familie der Wolfsspinnen (Lycosidae), wozu die historische Art Lycosa tarantula gehört. Vogelspinnen, wie die berühmte Theraphosa blondi, gehören hingegen zur Familie Theraphosidae. Sie sind evolutionär, anatomisch und in ihrem Verhalten völlig anders als echte Taranteln.
Dieser Artikel beschäftigt sich mit den größten echten Taranteln, gibt Einblicke in ihr Leben, Verhalten und ihre Haltung in Terrarien und ordnet sie korrekt im Vergleich zu den riesigen Vogelspinnen ein.
Was macht eine Tarantel groß?
Die Frage nach der größten Tarantel kann auf mehreren Ebenen beantwortet werden:
- Körperlänge: Vom Vorderkörper bis zum Hinterleib gemessen, ein Maß für die reine Körpergröße.
- Beinspannweite: Distanz von der Spitze eines Vorderbeins zur Spitze des gegenüberliegenden Hinterbeins, oft der spektakulärste Eindruck bei Beobachtern.
- Körpergewicht: Besonders aussagekräftig bei massigen Arten.
In der Terraristik und in der Biologie werden diese Faktoren oft kombiniert, um die „Größe“ einer Tarantel objektiv zu bestimmen.
Die größten echten Taranteln: Lycosa tarantula und Verwandte
Echte Taranteln sind vor allem in Europa, Afrika und Teilen Asiens verbreitet. Die bekannteste Art ist Lycosa tarantula, die historische Namensgeberin des Begriffs „Tarantel“. Sie kann eine Körperlänge von bis zu 3,5 Zentimetern erreichen und gehört damit zu den größten Wolfsspinnen Europas. Die Beinspannweite liegt bei ausgewachsenen Tieren zwischen 6 und 8 Zentimetern.
Andere große Vertreter der Wolfsspinnen sind Hogna carolinensis aus Nordamerika und Pardosa hortensis aus Teilen Asiens. Hogna carolinensis erreicht eine beeindruckende Beinspannweite von bis zu 10 Zentimetern und gilt damit als eine der größten echten Taranteln weltweit. Diese Arten sind kräftig gebaut, verfügen über hervorragende Jagdfähigkeiten und beeindrucken durch ihre Geschwindigkeit und Präzision beim Beutefang.
Die größte echte Tarantel
Die größte echte Tarantel der Welt ist Lycosa singoriensis, auch bekannt als südrussische Tarantel. Sie erreicht beeindruckende Körperlängen von bis zu fünf Zentimetern, wobei die Beinspannweite ausgewachsener Tiere häufig 10 bis 12 Zentimeter beträgt. Diese Art lebt vorwiegend in den trockenen Steppen und Halbwüsten Südrusslands, Zentralasiens und angrenzender Regionen, wo sie sich geschickt an die extremen klimatischen Bedingungen angepasst hat.
Unterschiede zwischen Taranteln und Vogelspinnen
Ein häufiger Fehler in der Terraristik besteht darin, große Vogelspinnen wie Theraphosa blondi als „Taranteln“ zu bezeichnen. Hier sind die wichtigsten Unterschiede:
- Taxonomische Zugehörigkeit: Taranteln gehören zu Lycosidae, Vogelspinnen zu Theraphosidae.
- Lebensraum: Echte Taranteln leben überwiegend am Boden und sind oft in trockenen oder gemäßigten Klimazonen zu finden, während Vogelspinnen meist tropische Regenwälder bewohnen.
- Jagd- und Verhaltensweise: Taranteln sind aktive Jäger, schnell und agil. Vogelspinnen lauern oft, sind ruhiger und verlassen sich auf ihre Tarnung.
- Giftwirkung: Das Gift von Taranteln ist für ihre Beute effektiv, aber bei Menschen meist unbedenklich. Vogelspinnen haben größere Cheliceren und können auch deutlich schmerzhafte Bisse verursachen, sind aber ebenfalls selten lebensgefährlich.
- Größe: Vogelspinnen übertreffen Taranteln deutlich in Masse und Beinspannweite, was häufig zu Missverständnissen führt.
Diese Unterschiede sind entscheidend, um die Tiere richtig einzuordnen und Erwartungen in der Haltung korrekt zu gestalten.
Lebensraum und Verhalten großer Taranteln
Große Taranteln bevorzugen trockene, gut strukturierte Böden, die sowohl Verstecke als auch gute Jagdmöglichkeiten bieten. Sie graben keine tiefen Höhlen wie viele Vogelspinnen, sondern nutzen natürliche Ritzen, Steine oder Pflanzen als Rückzugsort.
Ihr Verhalten ist geprägt von Aktivität und Wachsamkeit. Sie jagen in der Regel nachts oder während der Dämmerung, wobei sie schnell und zielgerichtet Beute angreifen. Trotz ihrer Größe sind sie eher scheu und zeigen Aggression nur, wenn sie bedrängt werden. Ein Biss ist eine letzte Verteidigungsmaßnahme.
Ernährung und Jagdstrategien
Große Taranteln ernähren sich von Insekten, anderen Spinnen und kleinen Wirbeltieren. Ihre Jagdstrategie basiert auf Geschwindigkeit, Kraft und Präzision. Anders als Vogelspinnen lauern sie nicht stundenlang, sondern verfolgen ihre Beute aktiv.
Die Ernährung in Terrarien orientiert sich an der natürlichen Beute. Futterinsekten wie Grillen, Heuschrecken oder Schaben sind Standard. Für größere Arten können auch kleinere Wirbeltiere angeboten werden. Entscheidend ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Futtermenge und Aktivität, um Überfütterung und gesundheitliche Probleme zu vermeiden.
Wachstum und Lebensdauer
Echte Taranteln wachsen über mehrere Jahre. Jungtiere durchlaufen mehrere Häutungen, bis sie ihre volle Größe erreicht haben. Weibchen leben deutlich länger als Männchen und können mehrere Jahre aktiv sein.
Große Arten wie Hogna carolinensis oder Lycosa tarantula erreichen ihre volle Größe innerhalb von zwei bis drei Jahren. Die Lebensdauer variiert, Weibchen können bis zu 10 Jahre alt werden, Männchen sterben oft früher, nach der Geschlechtsreife.
Haltung großer Taranteln im Terrarium
Die Haltung großer Taranteln erfordert Erfahrung. Ein stabiles, gut belüftetes Terrarium mit ausreichend Platz, Verstecken und einem geeigneten Substrat ist unabdingbar. Die Temperatur sollte der natürlichen Umgebung angepasst sein, ebenso die Luftfeuchtigkeit.
Im Gegensatz zu Vogelspinnen reagieren Taranteln empfindlicher auf Störungen. Sie sollten nicht häufig gehandhabt werden. Beobachtung aus der Distanz ist die beste Methode, um ihr Verhalten zu studieren, ohne Stress zu verursachen.
Mythen und Missverständnisse
Rund um die größten Taranteln existieren viele Mythen:
- Giftig und lebensgefährlich: Das Gift ist für Menschen in der Regel harmlos.
- Aggressiv: Sie sind überwiegend defensiv und flüchten, wenn möglich.
- Riesig wie in Filmen: Auch die größten Taranteln erreichen nur moderate Größen im Vergleich zu Vogelspinnen.
Diese Mythen entstehen oft durch Verwechslung mit Vogelspinnen, fehlende Fachkenntnis oder Sensationslust in Medien und Popkultur.
FAQs – Häufig gestellte Fragen zu den größten Taranteln
Welche Tarantel gilt als die größte echte Tarantel?
Die größten echten Taranteln sind Arten wie Hogna carolinensis und Lycosa tarantula, die sowohl in Körpergröße als auch in Beinspannweite beeindrucken, ohne die Dimensionen tropischer Vogelspinnen zu erreichen.
Sind große Taranteln gefährlich für Menschen?
Für gesunde Erwachsene sind sie nicht lebensgefährlich. Ein Biss ist schmerzhaft, vergleichbar mit einem Wespenstich.
Können Anfänger große Taranteln halten?
Eher nicht. Große Taranteln benötigen Erfahrung und Kenntnisse über Haltung, Ernährung und Verhalten.
Wie alt werden große Taranteln?
Weibchen können bis zu zehn Jahre alt werden, Männchen deutlich kürzer.
Wo kommen große Taranteln vor?
Die größten echten Taranteln leben überwiegend in Europa, Nordamerika und Asien, in trockenen oder gemäßigten Klimazonen.
Fazit
Die größten Taranteln der Welt beeindrucken durch Kraft, Aktivität und beeindruckende Größe. Anders als oft angenommen, übertrifft keine echte Tarantel tropische Vogelspinnen wie Theraphosa blondi in Masse oder Beinspannweite. Echte Taranteln sind faszinierende, agile Jäger, die ein tiefes Verständnis ihrer Lebensweise erfordern, insbesondere in der Terraristik.
Wer sich für große Taranteln entscheidet, sollte Wissen, Geduld und Respekt mitbringen. Nur so lässt sich ihre beeindruckende Präsenz genießen, ohne Tiere zu stressen oder zu gefährden. Gleichzeitig zeigt die klare Unterscheidung zu Vogelspinnen, wie wichtig fachliche Präzision in der Terraristik ist, um Erwartungen korrekt zu setzen und verantwortungsbewusst zu handeln.





