Lebens(t)räume für Menschen, Tiere & Pflanzen
Gestaltungsbeispiele für naturnahe Lebensräume
Einrichtungsbeispiele.de-Logo
Neu
Login
Wir werden unterstützt von:

Lichtverschmutzung im eigenen Garten

Lesezeit: ca. 4 Minuten
Lichtverschmutzung im eigenen Garten
Lichtverschmutzung im eigenen Garten - Foto 1

„Lichtverschmutzung“, diesen Ausdruck verbinden wir mit Großstädten, mit dauerhaft erhellten Industriegebieten. Auch die Auswirkungen auf die Umwelt sind uns bekannt, gestörter Tag- und Nachtrhythmus vieler Tiere usw., aber mit unserem eigenen Garten hat dies nichts zu tun. Oder?

Leider doch. Ökologisches Denken ist allgegenwärtig, wir schaffen Lebensräume, Versteckmöglichkeiten, Trinkquellen für heimische Tierarten, gestalten unsere Gärten bienenfreundlich und erfreuen uns gleichzeitig an den vielen Insekten, Vögeln und anderen wild lebenden Besuchern aus dem Tierreich.

Aber natürlich wollen auch wir den Garten genießen und lange Sommerabende mit Freunden und Familien auf der Terrasse verbringen. Stimmungsvoll wird’s mit der richtigen Beleuchtung, mit Gartenleuchten und Girlanden. Solarbetrieben, natürlich, Strom sparen ist wichtig.

Doch genau diese Solarlichter sind problematisch, denn diese werden immer leistungsstärker und leuchten oft bis in die Morgenstunden hinein. Im Garten wird es somit niemals richtig dunkel und das irritiert die Tierwelt. Die noch relative neue Wissenschaft, die sich mit dieser Problematik beschäftigt, wird „Scotobiologie“ (Dunkelheitsbiologie) genannt.

Beeinflussung von Tieren

Nachtaktive Insekten tragen einen großen Teil zur Bestäubung unserer Pflanzen bei, doch viele von ihnen benutzen Lichtquellen zur Orientierung: Der Mond, die eigentlich einzige natürliche Lichtquelle, bleibt für ein fliegendes Insekt immer am selben Platz. Fliegt es jedoch an einer Lampe im Garten vorbei, ist diese zuerst vor, dann neben und plötzlich hinter dem Insekt. Der Instinkt lässt es die Richtung ändern, dies führt dazu, dass Insekten um eine Lichtquelle herum im Kreis fliegen. Dies tun sie bis zur völligen Erschöpfung.

Während Insekten auf diese Weise irritiert werden, sind sie eine leichte Beute, z.B. für Fledermäuse, was das hohe Auftreten von Zwergfledermäusen in bewohnten Gegenden erklärt, denn diese fühlen sich von künstlichem Licht nicht gestört. Was sich für die Zwergfledermaus aber erst einmal anhört wie ein nettes Buffet, dezimiert die Insekten und damit auch ihre Bestäubungsleistung noch weiter. Viele Fledermausarten meiden künstliche Beleuchtung, für sie geht der verfügbare Lebensraum mit steigender Lichtverschmutzung immer weiter zurück. 

Gefährdet sind auch lumineszierende Insekten, wie unsere beliebten Glühwürmchen: Mit ihrem Leuchten versuchen sie einen Partner anzulocken, doch da ihr Licht im Umfeld von künstlicher Beleuchtung nicht zu sehen ist, bleibt dies ohne Erfolg. Dabei könnte man sich über die Larven der Glühwürmchen im Garten sehr freuen, denn diese vertilgen mit Vorliebe Schnecken und deren Gelege. 

Auch wir Menschen sind betroffenen: Wird es um uns herum nie richtig dunkel, dann beeinflusst dies die Melatoninproduktion und damit unsere Schlafrhythmus. 

Beeinflussung von Pflanzen

Künstliches Licht verändert den Wachstumszyklus der Pflanzen. Doch was man sich beim Gemüseanbau  zu Nutze macht, kann auch schaden: Pflanzen, die durch künstliche Beleuchtung mehr Licht erhalten, als zu dieser Jahreszeit üblich wäre, bilden im Frühling früher Blätter oder Blüten aus. Die Folge sind Frostschäden. Im Herbst bleiben die Blätter länger an die Pflanzen: Der erste Schnee auf den noch belaubten Blättern wird zu schwer, Äste brechen ab.

Lichtverschmutzung reduzieren

Auf die Frage, ob es auch Möglichkeiten der nächtlichen Beleuchtung gibt, die nicht schaden, muss die Antwort heißen: „Nein.“ Aber natürlich lässt sich mit der Intensität, der Ausrichtung der Lampen und vor allem der Beleuchtungszeit eine Verbesserung erzielen:

  • Weißes und bläuliches Licht irritiert Insekten und auch uns Menschen stärker als gelbes, weniger grelles Licht. Wie wäre es also mit einer Feuerschale oder Kerzen als gemütlicher Beleuchtung?
  • Um den Gartenweg auch im Dunkeln zu finden und nicht versehentlich im Gartenteich zu landen, reicht es die Lampen nach unten zu richten. Die Lichtpunkte auf dem Boden helfen nun bei der Orientierung ohne nach oben abzustrahlen. Noch besser: Auch zur Seite abschirmen. 
  • Der effektivste Tipp ist auch am leichtesten umzusetzen: Licht aus! Wenn niemand mehr im Garten ist, wenn alle schlafen, dann sollten wir nicht nur im Haus, sondern auch draußen die Lichter löschen. Auch Solarleuchten können ausgeschaltet werden. So kann im Garten das tierische Nachtleben beginnen.

 

Autorin: Caronline Haller für www.einrichtungsbeispiele.de

Tom

Userbild von TomTom ist Administrator*in von EB und stellt 12 Beispiele vor. In den Bereichen Malawisee, Tanganjikasee, Victoriasee, West- / Zentralafrika, Südamerika, Mittelamerika, Amerikagesellschaftsbecken, Asien/Australien, Gesellschaftsbecken, Wasserchemie, Fragen zu einrichtungsbeispiele.de steht er/sie den Usern bei Fragen kompetent als Anspechpartner zur Seite.

Titel: Lichtverschmutzung im eigenen Garten (Artikel 6243)

Das könnte dich ebenfalls interessieren:

Der faszinierende Lebenszyklus des Junikäfers: Ein sommerlicher Besucher im Garten

Der faszinierende Lebenszyklus des Junikäfers: Ein sommerlicher Besucher im Garten

Arten

Sommerzeit ist Gartenzeit, und während wir unsere grünen Oasen genießen, tauchen verschiedene Besucher auf, die das Ökosystem unseres Gartens bereichern. Einer dieser faszinierenden Bewohner ist der Junikäfer. In diesem Artikel werfen wir einen genauen Blick auf den Lebenszyklus dieser kleinen Kreaturen und entdecken, warum sie nicht nur als Schädlinge,

Lüften im Frühbeet oder Gewächshaus – Wie oft sollte man es tun?

Lüften im Frühbeet oder Gewächshaus – Wie oft sollte man es tun?

Allgemeine Tipps & Tricks

Das Lüften von Frühbeet oder Gewächshaus ist eine wesentliche Aufgabe für jeden Hobbygärtner, der optimale Bedingungen für das Wachstum seiner Pflanzen schaffen möchte. Doch die Frage bleibt: Wie oft sollte man eigentlich lüften, um ein gesundes und produktives Pflanzenwachstum zu gewährleisten? In diesem Artikel werden wir uns dieser Frage

Gartenmöbel, Materialien und Trends: Was bleibt, was kommt?

Gartenmöbel, Materialien und Trends: Was bleibt, was kommt?

Allgemeine Tipps & Tricks

Der Garten ist längst mehr als ein Stück Grün vor der Haustür. Er ist Wohnzimmer, Rückzugsort und Gestaltungsraum zugleich. Kein Wunder also, dass Gartenmöbel eine immer größere Rolle spielen und dass die Auswahl inzwischen so vielfältig ist wie nie zuvor. Ob Lounge-Gruppe auf der Terrasse, Esstisch unter der alten Eiche oder der erste Kaffee

Was ist ein Miniteich - und was nicht?

Was ist ein Miniteich - und was nicht?

Allgemeine Tipps & Tricks

Der Begriff Miniteich wird heute für die unterschiedlichsten Gewässer im Garten verwendet. Vom kleinen Zinkkübel auf dem Balkon bis hin zum mehrere tausend Liter fassenden Gartenteich ist alles dabei. Das mag zunächst banal erscheinen, führt in der Praxis jedoch immer wieder zu Missverständnissen – und auch zu Enttäuschungen oder vermeidbaren

Mobiler Hühnerstall im Garten - artgerechte Hühnerhaltung mit Flexibilität und System

Mobiler Hühnerstall im Garten - artgerechte Hühnerhaltung mit Flexibilität und System

Allgemeine Tipps & Tricks

Ein mobiler Hühnerstall im Garten ist längst mehr als ein Trend für Selbstversorger. Er steht für eine moderne, verantwortungsvolle Form der Hühnerhaltung, die Tierwohl, Gartenpflege und Flexibilität miteinander verbindet. Immer mehr Gartenbesitzer entscheiden sich bewusst gegen einen festen Stall und setzen stattdessen auf mobile Lösungen, die

Der emissionsarme Garten - nachhaltig gärtnern mit Verantwortung und Zukunft

Der emissionsarme Garten - nachhaltig gärtnern mit Verantwortung und Zukunft

Allgemeine Tipps & Tricks

Warum emissionsarmes Gärtnern heute wichtiger ist denn jeGärtnern gilt für viele Menschen als naturnahes, entschleunigendes Hobby. Der Duft von Erde, das Summen der Insekten und das Gefühl, etwas mit den eigenen Händen wachsen zu lassen, vermitteln Nähe zur Natur. Doch was viele unterschätzen: Auch ein klassischer Haus- oder Kleingarten kann