Logo von Einrichtungsbeispiele.de
Du findest hier 8.878 Aquarien, 24 Teiche und 22 Terrarien mit 158.096 Bildern und 2.012 Videos

Blogartikel 'Haltungsanforderungen von Prachtschmerlen (Chromobotia macracanthus)' von Benjamin Hamann

Userbild von Benjamin Hamann
Aquarianer seit: 
1998


Haltungsanforderungen von Prachtschmerlen (Chromobotia macracanthus)

einrichtungsbeispiele.de - TopBlog! 
 
Chromobotia macracanthus

Also hier mal meine Einschätzung zu der ganzen Thematik:
Man muss folgende Dinge berücksichtigen

1. die Tiere werden alt und groß -> bis 40cm , Alter: 20 Jahre plus

2. die Tiere sind Schwarmfische mit starkem Sozialverhalten -> 8 Exemplare sehe ich als minimum

3. die Tiere sind starke Schwimmer -> hier zählt Beckenlänge mehr als Volumen und eine starke Strömung ist wichtig

Wenn man diese Gegebenheiten zusammen zählt so ist der Faktor Platz entscheident und somit erklärt sich auch, warum ein 1, 50 Becken nicht ausreichd. Klar wachsen die Tiere nicht in einem oder zwei Jahre auf diese Größe heran. Aber wer hier kurzzeitig denkt und die Tiere sowieso nur ein „paar Jährchen“ halten will, hat für mich entweder nicht weit genug gedacht (große Exemplare an den Zoofachhandel wieder abzugeben wird schwer!!!) oder überhaupt nichts in der Aquaristik zu suchen!!! Die Einstellung einen Fisch der auch bei uns in den Becken auf jeden Fall seine natürliche Größe erreichen soll (denn das macht Aquaristik aus -> die Tiere sollen genauso wie in der Natur normal wachsen!!!) in 1, 50m langen Becken einzusperren fördert eine Richtung in der Aquaristik die der Tierquälerei gleich kommt. Es wird leicht eine Form der Tierhaltung propagiert die auf max. 2-3 Jahre hinausläuft.
Es ist wieder einmal das „klassische Prinzip“, dass man die Haltungsbedingungen nur nach unten schraubt, da man es sonst ziemlich schwer hat den Tieren gerecht zu werden! (Ein Glück werden die meisten Mbunas, Lebendgebärenden usw. nicht so groß -> es ist einfacher die richtige Beckengröße zu fordern und bereit zu stellen!) Die Frage die noch besteht ist, ob man sich wirklich ein größeres Becken kauft als das 1, 50m Becken wenn man die Tiere überhaupt so lange hat, dass sie dem Becken „entwachsen“??? Es werden die wenigsten sein!
Von daher sollte wir hier auf EB gleich richtig bewerten und auf die Konsequenzen der Haltung dieser Tiere hinweisen, auch in den BEWERTUNGEN!

Nun möchte ich meine Empfehlungen aussprechen:

Erstens ist die Prachtschmerle meist eine „Ergänzung“ in einem Becken, also der „klassische Bei-/Gesellschaftsfisch“. Hier fängt es ja schon an „Probleme“ zu machen -> die vergesellschafteten Fische brauchen meist nicht so große Becken, da sie kleiner bleiben. Es wird also meist kein größeres Becken geben!
Darüber hinaus ist die Prachtschmerle wenn richtig gehalten (Schwarm) oft nicht der angenehmste Gesellschaftsfisch für andere Beckeninsassen. Die Schwimmfreude und teilweise auch die normale Aggression kann bei größeren Tieren auch störend wirken.

Zweitens ist die Prachtschmerle aufgrund ihrer Herkunft an ein Leben in stark fließenden Gewässern angepasst und unternimmt Laichwanderungen. Ergo brauchen wir eine starke Strömung und eben viel Platz um dem Bewegungsdrang gerecht zu werden. (Von der Zucht sprechen wir hier mal gar nicht!)

Daraus ergibt sich meiner Meinung nach ein Becken welches für die Dauer auf mind. 2, 5m Kantenlänge hinaus läuft und sich bei um die 1200 Liter bis 1500 Liter bewegt! Grundfläche wäre z.B. 250 cm x 70 cm. Und um mal vom Optimum auszugehen wäre eine Kantenlänge von 3 Meter noch um einiges besser bei einer Länge von über 30cm! Also gehen wir hier stark auf die 2000 Liter zu.
Wenn ich hier den Punkt Strömung anspreche so meine ich „RICHTIGE STRÖMUNG“. Schmerlen schwimmen ohne Mühe in Strömungspumpen mit 1000L/h Durchfluss!!!
So müssen wir schon einiges Auffahren um eine Strömung zu schaffen die eine Prachtschmerle im Becken „fordert“. Ich denke entweder man schafft sich hier ein System an, wie es in vielen Bachbecken verwendet wird -> Ein- und Ausströmer liegen auf entgegengesetzen Seiten im Becken, unterirdische Rohrverbindungen, oder man setzt gleich auf mehrere Strömungspumpen aus dem Meerwasserbereich. Man sollte den Tieren demnach den ganzen Tag über eine gewisse Grundströmung bieten aber auch Spitzen haben, in denen die Tiere wirklich arbeiten müssen!

Kommen wir nun noch auf den besonderen Punkt Futter:

Anhand der Maulform lässt sich schon ableiten wie die Fische sich ernähren. Sie suchen auf allen Substratflächen nach fressbaren und durchwühlen dabei Bodengrund und stecken ihre Schnauze in jede Spalten. Sie sind somit ein Großteil des Tages damit beschäftigt Nahrung zu suchen. Dies gekoppelt mit ihrem starken Schwimmbedürfnis und dem Sozialverhalten zeigt, dass die Tiere irgendwie beschäftigt werden müssen.
Da ein Großteil der Nahrung dabei Insekten und Schnecken bilden, kann man sich auch denken, dass hier viel Aufwand in die Nahrungsbeschaffung gesteckt wird.
Dies müssen wir auch im Aquarium irgendwie bewerkstelligen! Als absolutes Muss ist hier auch das Verfüttern von Schnecken zu sehen! -> Man brauch also entweder etwas Kapital oder eine eigene Schneckenzucht! Selbst große Schnecken können bei größeren Tieren verfüttert werden!
Ebenso kann man den Speiseplan durch z.B. Asseln, Regenwürmer erweitert werden.
In Ruhephasen der Schmerlen ist es auch von Vorteil rote Mückenlarven oder Tubifex ins Becken zu geben. Wenn diese sich schön verteilt haben ist es eine gute Beschäftigung. Die Tiere suchen wie angesprochen im Boden und jeder Ritze nach dem Futter!

Pflanzliche Nahrung darf aber ebenso nicht fehlen. Viele Bodenfische nehmen beim gründeln nicht nur Futtertiere auf, sondern auch pflanzliche Partikel und Pflanzenstücke. So sind Kartoffeln, Gurke, Paprika usw. wichtige Nahrungsbestandteile an denen die Tiere auch „arbeiten“ können damit sie Futterstücke aus dem ganzen Stück bekommen.


Alles in allem also ein Fisch der trotz langer Tradition in unseren Becken nicht so einfach zu halten ist wie es manche Aquarianer und der Handel gerne verkaufen. Wenn man Endgröße, Alter, Schwimmfreudigkeit und Sozialverhalten beachtet so eignet sich diese Fischart nur für sehr große Aquarien.

So ist meine Sicht der Dinge. Denkt mal drüber nach! ;-)

lg benni


Für weitere wichtige Infos empfehle ich Flos Blog:
https://www.einrichtungsbeispiele.de/die-prachtschmerle---eine-asiatische-schoenheit-!_bid3215.html

Danke an Flo mit dem ich hier teilweise auf diese Schlüsse gekommen bin. Und danke auch an Thomas der das Thema in seinem Blog https://www.einrichtungsbeispiele.de/bedingt-geeignete%2C-sowie-eignetlich-ueberhaupt-nicht-aquariumgeeignete-fischarten_bid3460.htmll treffend beschreibt und den Stein ins Rollen gebracht hat.
 
Blogartikel 'Blog 3601: Haltungsanforderungen von Prachtschmerlen (Chromobotia macracanthus)' aus der Kategorie: "Mein Einrichtungsbeispiel" zuletzt bearbeitet von Benjamin Hamann am 08.10.2012 um 22:40 Uhr
 
 
Kommentare:
 
Um einen Kommentar schreiben zu können, müssen Sie sich anmelden.
 
Geschrieben am 08.01.2011 um 03:02 von Benjamin Hamann
@Greg

Genauso sieht es aus...schön das du dir über solche Belange Gedanken machst, auch wenn du diese Art speziell nicht pflegst! -> ich hatte früher auch welche in meinem 100 Liter Becken -> aber der Lernprozess und die Erfahrung in der Aquaristik zeigen einem früher oder später andere Wege auf! So auch bei den Prachtschmerlen -> ich finde sie heute auch noch sehr schön, aber möchte sie einfach nicht mehr halten, wenn ich ihnen nicht das bieten kann, was sie brauchen! Und das steht oben, so wie ich es empfinden! ;-)

Lg benni
 
 
Geschrieben am 14.12.2010 um 11:32 von Malawi-Guru.de
@Benny

So jetzt aber,sehr gut beschrieben und ergänzt zu meinem Blog.....besser gehts net.

Weiter so

LG

Flo
 
 
Geschrieben am 29.09.2010 um 19:36 von Philosoph
@aquarius
Absolut!!!
 
 
Geschrieben am 29.09.2010 um 13:34 von Benjamin Hamann
Hey Stefan richtig...aber mal im Vergleich "uns" fehlen ein paar Liter...bei den meisten Prachtschmerlenhaltern fehlt ne ganze Ecke mehr -> von daher sehe ich das hier anders!

-> Ich hab gestern mal den "Test" gemacht -> hatte noch styropor da -> also mal 10 stück mit längen zwischen 20 und 30 zentimeter zurecht gelegt und einfach mal eine Tür als grundfläche genommen! -> Selbst bei 2m Länge sieht es so schnon "voll" aus! Von daher finde ich die anforderungen hier auch angemessen!

Bei der Endgröße von 40cm habe ich mich nach www.loaches.com gerichtet -> wenn ich mich nicht irre sind 16 inch ca. 40,xxx cm?!

Im endeffekt aber auch egal ob nun 30 oder 40 cm Endlänge erreicht werden -> sie werden groß und sollten auch groß werden -> deswegen ja auch große becken! ;-)

lg benni
 
 
Geschrieben am 29.09.2010 um 09:06 von Minzi
Hallo Benni,
ein interessanter Blog und finde schön, dass Du auch auf die spezielle Ernährung usw. eingehst. Allerdings habe ich noch nie irgendwo gelesen, dass eine Prachtschmerle 40cm groß werden kann und auch noch nie so ein Exemplar gesehen, Du? Flos Blog zu Chromobotia macracanthus ist auch sehr schön, hast Du ja erwähnt.
Deinem Plädoyer für die Beckengröße kann ich nur zustimmen, ist aber oft nicht so einfach.
Da haben auch einige von uns noch ein paar "Leichen im Keller." Will sagen mein Wabenschilderwels (ist schon 12 Jahre und "gehört" eigentlich meiner Frau) bräuchte sicher auch mehr Platz und für Deine Meekis finde ich 160l auch zu wenig. Drüber nachdenken kann man ja. Wenn mehr Platz und Geld da wäre hätte ich auch schon ein viel größeres Becken, weiß ja wie das ist. Natürlich sollten wir aber immer vom Idealfall ausgehen und auch so bewerten und beraten, da hast Du vollkommen Recht.
Liebe Grüße Stefan
 
 


Zurück

Wenn dir die Inhalte dieser Seite gefallen, dann teile sie jetzt mit deinen Freunden. Danke!
Partner für Aquarientiere
Partner für Aquariumlicht
Partner für HMF-Filter
Partnershop
Partner für Aquarienbau
Wir werden unterstützt von: