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Blogartikel 'Welcher Sinn steckt hinter einem Verbot von Wildfängen?'

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Welcher Sinn steckt hinter einem Verbot von Wildfängen?

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Immer wieder bemerke ich Leute, die gegen Wildfänge in der Tierhaltung sind. Doch man muss definieren, welche Art es ist, woher sie kommt, wie die Bedingungen sind und vieles andere mehr.

Eines dürfen wir dabei aber nicht vergessen. Noch keine Tierart ist jemals durch Natur-Entnahmen ausgestorben. Tierarten sterben heutzutage meist aus, da ihre Lebensräume zerstört werden. In Vorträgen bei uns im Verein und durch Gespräche mit Leuten, die ich durch unseren Verein kennenlernen durfte, habe ich schon vieles über dieses Thema gesehen und gehört.

Wildfänge, die z.B. aus Brasilien zu uns kommen, benötigen in ihrer Heimat einen intakten Lebensraum. Das heißt, dass so ziemlich das gesamte Flusssystem, aus dem die Arten kommen in Ordnung sein muss und dass eine sehr große Fläche an Regenwald samt Tieren und Pflanzen vorhanden sein sollte. Anders wäre es nicht möglich, diese Tiere zu fangen, da nur in einem intakten Ökosystem diese Vielfalt an Tieren existieren kann.

Die Fische können eigentlich nur in der Trockenzeit gefangen werden, wo sie oft zu hunderttausenden in Wasseransammlungen zu finden sind. Ganze Dörfer von Menschen, die dort seit “Menschengedenken“ leben, benötigen heutzutage auch manchmal Geld und können dies durch den Zierfisch-Handel bekommen. Dies geschieht schon seit einigen Jahrzehnten und die Menschen dort kennen ihren Wald, wissen wie viel oder wie wenig sie entnehmen dürfen, damit sie das Ökosystem nicht gefährden und es weiterbestehen kann. Sie achten darauf, dass genügend Tiere vor Ort bleiben und sich diese wieder vermehren können. Sie dabei denken an die nächsten Jahre, Jahrzehnte und ihre Zukunft in ihrem und für ihren Regenwald. Diese Menschen achten und schätzen ihren Regenwald und kennen ihn am besten.

Wenn man dann so überlegt – es kann und darf dieser Regenwald weder gerodet noch verbaut oder verschmutzt werden, da dann die Tiere nicht mehr existieren würden. Wenngleich es noch einiges zu optimieren gibt, vor allem das mit dem Erlös für die Fänger, die momentan nicht so viel Geld erhalten, damit die Fische bei uns günstig bleiben…

In unserer heutigen Gesellschaft muss alles einen “Nutzen“ haben und wenn eine riesige Fläche an Regenwald samt Flusssystem durch den Zierfisch-Handel erhalten bleibt, warum nicht? Diese Wälder würden somit geschützt bleiben.

So manche Zierfisch-Arten sind übrigens durch die Aquaristik erhalten geblieben. Nehmen wir nur das Beispiel des Salmlers “Roter von Rio“, den bestimmt sehr viele kennen und vielleicht schon gehalten haben. Dieser Fisch verschwand schon einmal in seinem Habitat – ziemlich aufgrund von Verschmutzung. Alle heute wieder existierenden Fische in freier Wildbahn gehen auf einen Aquarienstamm zurück. Dies wurde genetisch untersucht und im Artikel von Frank Schäfer auf Aqualog kann man sich genauer dazu erkundigen.

Zum Artikel "Roter von Rio" geht es hier:

https://www.aqual...er-aquaristik/

Da ich mich in den letzten 25 Jahren sehr viel mit Buntbarschen aus dem Tanganjikasee beschäftigt habe, ist mir auch der damalige (ca. um 2004/2005) “Engpass“ an Tropheus duboisi “MASWA“ noch gut in Erinnerung geblieben. Diese Tiere erfreuten sich einer solchen Beliebtheit, dass sie im See sehr knapp wurden und die meisten dortigen Fischfänger und Zierfisch-Importeure diese Tiere nicht mehr fingen, damit sich die Population im See erholen konnten. Zusätzlich wurden und werden in großen Beton-Wannen am See Zierfische nachgezogen und manche werden auch wieder in den See, am richtigen Fundort entlassen. So meine Informationen von damals.

Heute gibt es (soweit ich wei) wieder genügend “Maswa“ und auch ich halte und züchte seit zehn Jahren diese Variante des Tropheus duboisi. Meine damaligen Tiere habe ich als Nachwuchs von WFNZ erhalten und sie stammen aus Deutschland. Mit dem Züchter stehe ich immer noch in lockerer Verbindung.

Rund um den Tanganjikasee leben sehr viele Menschen vom Zierfischhandel aber auch davon, dass sie die “Zierfische“ essen…

Da kommt gleich eines in Erinnerung. Hätten die Menschen den Victoriasee bloß so belassen, wie er von der Natur her gedacht war… Aber zur Katastrophe “Victoriasee“ wir es später noch einen eigenen Artikel geben.

Bedeutung der Bezeichnungen:

WF = Wildfang

WFNZ = Wildfang-Nachzucht

SNZ = Seenachzucht (hier ist gemeint, dass die Tiere z.B. in Becken rund um den Malawi- oder Tanganjikasee gezüchtet werden)

NZ = Nachzucht

Wildfänge in der Aquaristik sind nicht das Übel, das der Natur zugefügt wird. Natürlich sollen es nicht ausschließlich Wildfänge sein! Aber in Südost-Asien gibt es so viele Zierfisch-Züchter, deren Nachzuchten man im Zoofachhandel finden kann. Und auch in unseren Ländern gibt es mehrere Hobby-Züchter, die man über Vereine, Verbände, Interessensgemeinschaften usw. finden kann. Dies alles spielt gut zusammen und kann so die Nachfrage nach Zierfischen gut abdecken. Weiter wird am Aufbau mehrere Arterhaltungsprojekte momentan sehr stark gearbeitet, damit Fische, deren Lebensräume zerstört wurden eine Überlebenschance im Aquarium haben, um sie nach Renaturierung oder Wiederherstellung ihrer Lebensräume wieder einzusetzen…

Wildfänge sollten dennoch möglichst von erfahrenen Aquarianern gehalten werden. Dazu zählen viele Buntbarsche, Welse, Lebendgebärende, Labyrinther, aber auch manche Barben oder Salmler und andere. Es ist außerdem immer sehr wichtig, den jeweiligen Fundort zu vermerken und die Nachzuchten NUR mit diesem weiterzugeben!

Trotzdem haben Wildfänge keine Schuld an der Umweltzerstörung, die auf dem gesamten Planeten mehr denn je im Gange ist. Es ist die Profit-Gier mancher Menschen, die sich durch Umweltzerstörung und “rausholen, aus der Natur, was geht“ mehr Geld erhoffen aber nicht darüber nachdenken, dass alles, das schnell aufgebaut wird, später ausgelaugt ist und viel länger benötigen wird, bis man wieder Profit daraus beziehen kann… Es werden Lebensgrundlagen zerstört, die man mit einer mäßigen “wirtschaftlichen Nutzung“ wie es der kontrollierte Fischfang wäre “für immer“ erhalten und davon leben könnte…

Helga Kury für www.einrichtungsbeispiele.de

 
Welcher Sinn steckt hinter einem Verbot von Wildfängen?
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Blogartikel 'Blog 5370: Welcher Sinn steckt hinter einem Verbot von Wildfängen?' aus der Kategorie: "Mein Einrichtungsbeispiel" zuletzt bearbeitet von Helga Kury am 29.07.2019 um 16:14 Uhr
 
 
Kommentare:
 
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Geschrieben am 30.07.2019 um 00:37 von Helga Kury
Hallo Sven,
oh ja, die „Ramirezi“ sind wirklich „arm dran“... Ich verstehe es nicht, warum der Mensch so vieles verändern muss. So schöne wildfarbene Tiere sind doch eine Augenweide im Aquarium! Ich hatte vor vielen Jahren mal ein Pärchen, die ich fast zwei Jahre gehalten habe und anschließend an einen Kollegen weitergab, wo sie noch längere Zeit lebten...
Vor längerer Zeit habe ich auch mal einen interessanten Artikel zu Farbmorphen beim Königspython gelesen. Demnach kann es sein, dass bei verschiedenen Farbmorphen des Königspythons jeweils verschiedene Organe geschwächt sein sollen... 🤔 Ich hoffe, dass es zukünftig wieder mehr „zurück zur Natur“ gehen wird.
Liebe Grüße,
Helga
 
 

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