Leptobrachium hendricksoni im Terrarium halten
Einrichtungsbeispiele mit Gefleckter Wurffrosch

Wissenswertes zu Leptobrachium hendricksoni (Gefleckter Wurffrosch)
Leptobrachium hendricksoni, im Deutschen meist als Gefleckter Wurffrosch bezeichnet, gehört zu den eher selten gepflegten, aber äußerst faszinierenden Amphibienarten in der Terraristik. Sein zurückhaltendes Wesen, das ungewöhnliche Aussehen und seine interessante Lebensweise machen ihn besonders für erfahrene Terrarianer spannend, die sich mit naturnaher Haltung und Beobachtung beschäftigen möchten. Anders als viele bunte Pfeilgiftfrösche oder aktive Laubfrösche steht bei Leptobrachium hendricksoni nicht permanente Aktivität im Vordergrund, sondern ein ruhiger, fast schon mysteriöser Lebensstil, der viel Geduld und Verständnis für ökologische Zusammenhänge erfordert.
Herkunft und Verbreitung
Leptobrachium hendricksoni stammt aus Südostasien. Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich vor allem über Teile von Thailand, Malaysia und angrenzende Regionen der malaiischen Halbinsel. Dort bewohnt die Art überwiegend feuchte Waldgebiete, insbesondere immergrüne Regenwälder und Monsunwälder in niedrigen bis mittleren Höhenlagen.
Die Art ist eng an ursprüngliche, wenig gestörte Lebensräume gebunden. Rodungen, landwirtschaftliche Nutzung und die Zerschneidung von Waldflächen haben in vielen Regionen zu einem Rückgang geeigneter Habitate geführt. In der Terraristik stammt der überwiegende Teil der Tiere aus Nachzuchten oder älteren Importen, da Wildfänge heute deutlich seltener sind und auch aus ethischer Sicht kritisch betrachtet werden.
Natürlicher Lebensraum
Der Gefleckte Wurffrosch lebt bevorzugt am Boden feuchter Wälder. Typisch sind Regionen mit dichter Laubstreu, weichem Waldboden, Moospolstern und verrottendem Pflanzenmaterial. Diese Bodenzone bietet nicht nur Schutz vor Fressfeinden, sondern auch ein stabiles Mikroklima mit hoher Luftfeuchtigkeit und moderaten Temperaturen.
Besonders wichtig sind kleine Bäche, Quellbereiche oder temporäre Wasseransammlungen, die während der Regenzeit entstehen. Diese spielen eine zentrale Rolle bei der Fortpflanzung. Außerhalb der Paarungszeit halten sich die Tiere meist versteckt unter Laub, Wurzeln oder in selbst gegrabenen Mulden auf.
Der Lebensraum ist geprägt von:
- Hoher Luftfeuchtigkeit
- Gedämpftem Licht durch dichte Vegetation
- Geringen Temperaturschwankungen
- Weichen, grabfähigen Böden
Diese Faktoren sind für eine erfolgreiche Terrarienhaltung entscheidend und sollten möglichst genau nachgebildet werden.
Gattung und Familie
Leptobrachium hendricksoni gehört zur Gattung Leptobrachium, die Teil der Familie Megophryidae ist. Diese Familie wird oft als Asiatische Schaufelfußfrösche oder Hornfrösche Asiens bezeichnet, wobei viele Arten durch ihre kryptische Färbung und bodenbewohnende Lebensweise auffallen.
Typisch für die Gattung Leptobrachium sind:
- Kräftige Körper
- Relativ große Köpfe
- Große, oft auffällig gefärbte Augen
- Eine an das Leben am Boden angepasste Morphologie
Viele Arten der Gattung sind nachtaktiv und zeigen ein eher ruhiges Verhalten. In der Terraristik gelten sie als anspruchsvoll, aber nicht unmöglich zu halten, sofern die Umweltbedingungen stimmen.
Beschreibung der Art
Leptobrachium hendricksoni ist ein mittelgroßer Frosch mit gedrungenem Körperbau. Erwachsene Tiere erreichen je nach Geschlecht eine Körperlänge von etwa 7 bis 10 Zentimetern. Weibchen sind in der Regel etwas größer und kräftiger als Männchen.
Der Körper ist breit, der Kopf groß und flach. Die Schnauze wirkt stumpf, was dem Tier ein leicht urtümliches Erscheinungsbild verleiht. Auffällig sind die relativ kurzen Gliedmaßen, die weniger auf Springen als auf langsames Kriechen und Graben ausgelegt sind.
Die Haut ist leicht warzig, aber nicht stark strukturiert. Sie fühlt sich eher matt als schleimig an, was typisch für bodenbewohnende Arten ist.
Aussehen und Färbung
Der Gefleckte Wurffrosch verdankt seinen deutschen Namen der charakteristischen Zeichnung. Die Grundfarbe variiert von Braun über Grau bis zu olivfarbenen Tönen. Darauf liegen unregelmäßige dunklere Flecken, die dem Tier eine hervorragende Tarnung im Laubstreu bieten.
Besonders markant sind:
- Die hellen bis goldgelben Augen mit dunkler Pupille
- Ein oft kontrastreich gezeichneter Rücken
- Eine hellere Bauchseite, meist beige bis grau
Diese Tarnfärbung macht die Tiere im Terrarium oft schwer zu entdecken, was von Haltern Geduld und genaues Beobachten verlangt.
Verhalten
Leptobrachium hendricksoni ist überwiegend nachtaktiv. Tagsüber verbringen die Tiere die meiste Zeit versteckt unter Laub, Holzstücken oder im Bodengrund. Erst in der Dämmerung oder bei vollständiger Dunkelheit werden sie aktiv und gehen auf Nahrungssuche.
Das Verhalten ist insgesamt ruhig und zurückhaltend. Hektische Bewegungen oder ausgeprägtes Springen sind selten. Stattdessen bewegen sich die Frösche langsam und bedacht.
Während der Fortpflanzungszeit zeigen vor allem die Männchen ein verändertes Verhalten. Sie geben leise, tieffrequente Rufe von sich, meist in der Nähe von Wasserstellen. Diese Rufe sind weniger laut als bei vielen anderen Froscharten und im Terrarium oft nur bei absoluter Ruhe wahrnehmbar.
Haltung im Terrarium
Die Haltung von Leptobrachium hendricksoni erfordert ein gut strukturiertes, bodenorientiertes Terrarium. Ein Hochterrarium ist ungeeignet, da die Tiere kaum klettern. Stattdessen empfiehlt sich ein ausreichend großes Boden- oder Paludarium.
Für ein einzelnes Tier oder ein Paar sollte das Terrarium mindestens:
- 80 cm Länge
- 40 cm Tiefe
- 40 cm Höhe
haben. Größer ist immer besser, insbesondere wenn mehrere Tiere gepflegt werden sollen.
Einrichtung
Der Bodengrund ist eines der wichtigsten Elemente. Bewährt hat sich eine Mischung aus:
- Ungedüngter Erde
- Laubhumus
- Kokoshumus
- Laubstreu
Eine dicke Substratschicht von mindestens 10 Zentimetern ermöglicht es den Tieren zu graben und sich vollständig einzugraben.
Zusätzlich sollten eingebracht werden:
- Rindenstücke
- Korkhöhlen
- Wurzeln
- Moospolster
- Trockene und feuchte Laubschichten
Ein flacher Wasserbereich oder ein kleines Becken mit leicht zugänglichem Rand ist Pflicht, besonders wenn eine spätere Zucht angestrebt wird.
Temperatur und Luftfeuchtigkeit
Leptobrachium hendricksoni stammt aus Regionen mit gemäßigt warmem Klima. Extreme Hitze wird schlecht vertragen.
Empfohlene Temperaturen:
- Tagsüber: 22 bis 25 Grad Celsius
- Nachts: 18 bis 21 Grad Celsius
Kurzfristige Schwankungen sind unproblematisch, sollten aber nicht dauerhaft auftreten.
Die Luftfeuchtigkeit sollte konstant hoch sein:
- Tagsüber etwa 70 bis 80 Prozent
- Nachts gerne über 90 Prozent
Regelmäßiges Sprühen, idealerweise automatisiert, hilft dabei, das passende Mikroklima zu erhalten. Gleichzeitig ist auf ausreichende Belüftung zu achten, um Staunässe und Schimmelbildung zu vermeiden.
Fütterung
Der Gefleckte Wurffrosch ist ein typischer Insektenfresser. In der Natur ernährt er sich von allem, was er überwältigen kann und in sein Maul passt.
Geeignete Futtertiere im Terrarium sind:
- Heimchen
- Grillen
- Schaben
- Regenwürmer
- Asseln
- Wachsmaden in Maßen
Die Futtertiere sollten abwechslungsreich angeboten und regelmäßig mit Mineral- und Vitaminpräparaten bestäubt werden. Besonders wichtig ist eine ausreichende Versorgung mit Kalzium.
Gefüttert wird je nach Alter:
- Jungtiere alle zwei Tage
- Erwachsene Tiere zwei- bis dreimal pro Woche
Überfütterung sollte vermieden werden, da die Tiere zu Verfettung neigen können.
Giftigkeit
Leptobrachium hendricksoni besitzt keine stark wirksamen Gifte wie manche Pfeilgiftfrösche. Dennoch sondern die Hautdrüsen, wie bei den meisten Amphibien, ein leicht toxisches Sekret ab, das vor Fressfeinden schützt.
Für den Menschen ist dieses Sekret in der Regel ungefährlich, kann jedoch bei empfindlichen Personen Hautreizungen verursachen. Nach jedem Kontakt mit dem Tier oder dem Terrarieninventar sollten die Hände gründlich gewaschen werden. Direkter Hautkontakt sollte ohnehin auf ein Minimum reduziert werden, da Amphibien sehr empfindlich auf Hautfette und Chemikalien reagieren.
Vermehrung und Zucht
Die Nachzucht von Leptobrachium hendricksoni gilt als anspruchsvoll, ist aber mit viel Erfahrung und Geduld möglich. Voraussetzung ist ein harmonierendes Paar und eine klare Simulation der Regenzeit.
Wichtige Auslöser für die Fortpflanzung sind:
- Absenkung der Temperaturen über mehrere Wochen
- Reduzierte Fütterung
- Anschließende starke Erhöhung der Luftfeuchtigkeit
- Häufiges Sprühen und frisches Wasser
Die Eiablage erfolgt meist in flachen Gewässern. Die Eier werden als Laichballen abgelegt. Die Entwicklung der Kaulquappen dauert mehrere Wochen und erfordert sauberes, sauerstoffreiches Wasser.
Die Aufzucht der Kaulquappen ist sensibel. Sie benötigen:
- Stabile Wasserwerte
- Feines Futter
- Regelmäßige Wasserwechsel
Nach der Metamorphose müssen die Jungfrösche sehr vorsichtig an das Landleben gewöhnt werden.
Mögliche Krankheiten
Wie viele Amphibien ist auch Leptobrachium hendricksoni anfällig für Haltungsfehler. Häufige Probleme sind:
- Hautinfektionen durch zu feuchte, schlecht belüftete Terrarien
- Pilzerkrankungen
- Mangelerscheinungen bei einseitiger Fütterung
- Parasitenbefall
Eine saubere Haltung, Quarantäne neuer Tiere und regelmäßige Kontrolle sind essenziell, um Krankheiten vorzubeugen. Bei auffälligem Verhalten oder Hautveränderungen sollte umgehend ein auf Amphibien spezialisierter Tierarzt aufgesucht werden.
Alternative Bezeichnungen
Neben dem deutschen Namen Gefleckter Wurffrosch ist Leptobrachium hendricksoni auch unter folgenden Bezeichnungen bekannt:
- Hendricksons Schaufelfußfrosch
- Malaiischer Leptobrachium-Frosch
- Gefleckter Asiatischer Hornfrosch
In der Terraristik wird meist der wissenschaftliche Name verwendet, um Verwechslungen mit anderen Arten zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Ist Leptobrachium hendricksoni für Anfänger geeignet?
Nein, diese Art eignet sich eher für fortgeschrittene Halter mit Erfahrung in der Haltung empfindlicher Amphibien.
Kann man mehrere Tiere zusammen halten?
Ja, bei ausreichend Platz und strukturierter Einrichtung ist eine Gruppenhaltung möglich, allerdings sollte das Geschlechterverhältnis ausgewogen sein.
Ist eine Winterruhe notwendig?
Eine ausgeprägte Winterruhe ist nicht nötig, eine kühlere Ruhephase kann jedoch die Fortpflanzungsbereitschaft fördern.
Wie alt werden die Tiere?
Bei guter Pflege können Gefleckte Wurffrösche 10 Jahre oder älter werden.
Fazit
Leptobrachium hendricksoni ist ein außergewöhnlicher Frosch, der durch seine unauffällige Schönheit, sein ruhiges Verhalten und seine naturnahe Lebensweise besticht. Er ist kein Schaustück für hektische Terrarien, sondern ein Terrarientier für Beobachter, die Freude an leisen, subtilen Momenten haben.
Die Haltung erfordert Fachwissen, Geduld und die Bereitschaft, sich intensiv mit den Bedürfnissen bodenbewohnender Amphibien auseinanderzusetzen. Wer diese Voraussetzungen erfüllt, wird mit einem faszinierenden Einblick in die Welt südostasiatischer Waldbewohner belohnt und kann langfristig viel Freude an dieser besonderen Art haben.