Monocentropus balfouri im Terrarium halten
Einrichtungsbeispiele mit Blaue Jemen Vogelspinne

Wissenswertes zu Monocentropus balfouri (Blaue Jemen Vogelspinne)
Die Monocentropus balfouri, im deutschsprachigen Raum meist als Blaue Jemen Vogelspinne bekannt, zählt zu den faszinierendsten Vogelspinnenarten überhaupt. Nicht nur ihre außergewöhnliche Färbung, sondern auch ihr ungewöhnliches Sozialverhalten machen sie zu einer echten Besonderheit in der Terraristik. Während viele Vogelspinnen als strikt einzelgängerisch gelten, zeigt diese Art Eigenschaften, die sie deutlich von der Masse abheben.
Herkunft und natürlicher Lebensraum
Monocentropus balfouri stammt ursprünglich von der Insel Sokotra, die politisch zu Jemen gehört und im Arabischen Meer liegt. Diese Insel ist für ihre einzigartige Flora und Fauna bekannt, da sie über Millionen Jahre isoliert war und sich viele endemische Arten entwickeln konnten. Die Blaue Jemen Vogelspinne kommt ausschließlich dort vor, was sie zu einer echten Rarität macht.
Der natürliche Lebensraum dieser Vogelspinne ist geprägt von trockenen bis halbtrockenen Bedingungen. Sokotra weist ein überwiegend warmes Klima auf, mit vergleichsweise geringen Niederschlägen und starken saisonalen Schwankungen. Monocentropus balfouri lebt dort bevorzugt in felsigen Regionen, an Berghängen oder in trockenen Ebenen, wo sie sich tiefe Wohnröhren in den Boden gräbt oder vorhandene Felsspalten nutzt. Diese Röhren werden häufig mit Gespinst ausgekleidet, das nicht nur Schutz bietet, sondern auch zur Regulierung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit dient.
Interessant ist, dass diese Art in der Natur teilweise in lockeren Gruppen vorkommt. Mehrere Tiere leben in unmittelbarer Nähe zueinander, was bei Vogelspinnen eher die Ausnahme als die Regel ist. Dieses Verhalten ist ein entscheidender Punkt, der auch für die Terrarienhaltung eine besondere Rolle spielt.
Systematik: Gattung und Familie
Monocentropus balfouri gehört zur Familie der Theraphosidae, also den eigentlichen Vogelspinnen. Innerhalb dieser Familie wird sie der Gattung Monocentropus zugeordnet. Diese Gattung ist vergleichsweise klein und umfasst nur wenige beschriebene Arten, von denen Monocentropus balfouri die bekannteste und am häufigsten gepflegte ist.
Die systematische Einordnung spiegelt bereits einige typische Merkmale wider: eine kräftige Statur, ausgeprägte Behaarung, ein grabender Lebensstil und ein insgesamt eher ruhiges, aber durchaus selbstbewusstes Verhalten. Im Vergleich zu vielen südamerikanischen Vogelspinnen ist diese Art defensiver und greift schneller zu Abwehrmaßnahmen, wenn sie sich bedroht fühlt.
Beschreibung der Art
Die Blaue Jemen Vogelspinne ist eine mittelgroße bis große Vogelspinne mit einer Beinspannweite von etwa 12 bis 14 Zentimetern bei ausgewachsenen Weibchen. Männchen bleiben in der Regel etwas kleiner und schlanker. Trotz ihrer Größe wirkt die Art oft kompakt und kräftig, was vor allem an den relativ kurzen, aber massiven Beinen liegt.
Charakteristisch ist ihr grabendes Verhalten. Monocentropus balfouri verbringt einen Großteil ihres Lebens in selbst angelegten oder erweiterten Wohnröhren. Diese können je nach Bodensubstrat und Terrariengröße erstaunlich tief und verzweigt sein. In der Haltung bekommt man das Tier daher häufig nur selten zu Gesicht, insbesondere tagsüber. Aktiv wird sie meist in der Dämmerung oder nachts.
Verhaltensmäßig zeigt die Art eine interessante Mischung aus Zurückhaltung und Durchsetzungsvermögen. Sie flüchtet bei Störungen oft schnell in ihre Röhre, kann aber bei anhaltender Bedrängnis auch sehr deutlich Drohgebärden zeigen.
Aussehen und Färbung
Das wohl auffälligste Merkmal von Monocentropus balfouri ist ihre intensive blau-graue Färbung. Besonders die Beine schimmern in einem kühlen Blau, das je nach Lichteinfall und Alter des Tieres unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Bei frisch gehäuteten Exemplaren ist diese Färbung besonders intensiv und kontrastreich.
Der Carapax zeigt meist einen helleren, sandfarbenen bis grauen Ton mit feiner Zeichnung. Das Abdomen ist oft etwas dunkler und mit kürzeren, hellen Haaren bedeckt. Im Gegensatz zu vielen amerikanischen Arten besitzt Monocentropus balfouri keine stark ausgeprägten Brennhaare, sondern setzt eher auf Flucht oder Drohhaltung als Verteidigungsstrategie.
Jungtiere unterscheiden sich optisch deutlich von adulten Tieren. Sie sind meist heller gefärbt und zeigen erst mit zunehmendem Alter die typische blaue Färbung. Dieser Farbwechsel macht das Aufziehen von Nachzuchten besonders spannend.
Haltung im Terrarium
Terrariengröße und Einrichtung
Für die Haltung einer einzelnen adulten Monocentropus balfouri empfiehlt sich ein Terrarium mit den Maßen etwa 30 x 30 x 30 Zentimeter. Bei Gruppenhaltung sollte entsprechend mehr Platz eingeplant werden, wobei die Grundfläche wichtiger ist als die Höhe. Diese Art ist eindeutig bodenbewohnend und gräbt gerne.
Als Bodengrund eignet sich eine Mischung aus Erde, Lehm und Sand, die leicht feucht gehalten wird, aber niemals nass sein darf. Der Bodengrund sollte mindestens 10 bis 15 Zentimeter hoch eingebracht werden, damit das Tier stabile Röhren anlegen kann. Zusätzliche Versteckmöglichkeiten wie Korkröhren oder flache Steine werden oft angenommen, sind aber nicht zwingend erforderlich, da die Spinne meist selbst gräbt.
Temperatur und Luftfeuchtigkeit
Die optimale Temperatur für Monocentropus balfouri liegt tagsüber zwischen 24 und 28 Grad Celsius. Nachts darf es ruhig etwas kühler werden, etwa 20 bis 22 Grad. Eine dauerhafte Beheizung ist in gut temperierten Wohnräumen oft nicht notwendig, kann aber im Winter sinnvoll sein.
Die Luftfeuchtigkeit sollte moderat sein. Werte zwischen 60 und 70 Prozent haben sich bewährt. Wichtig ist, dass das Terrarium gut belüftet ist, um Staunässe und Schimmelbildung zu vermeiden. Ein leicht feuchter Bereich im Substrat reicht in der Regel aus, während der Rest eher trocken gehalten wird.
Fütterung
Monocentropus balfouri ist ein zuverlässiger Fresser. Gefüttert werden kann mit gängigen Futterinsekten wie Heimchen, Grillen, Schaben oder Heuschrecken. Jungtiere sollten häufiger kleinere Futtertiere bekommen, während adulte Tiere auch mit größeren Insekten in längeren Abständen versorgt werden können.
Überfütterung sollte vermieden werden, da diese Art zu schnellem Wachstum neigt, was sich negativ auf die Lebensdauer auswirken kann. Ein ausgewogenes Fütterungsintervall ist daher entscheidend.
Gruppenhaltung – Besonderheit dieser Art
Ein Alleinstellungsmerkmal von Monocentropus balfouri ist die Möglichkeit der Gruppenhaltung. Während die meisten Vogelspinnen strikt einzeln gehalten werden müssen, zeigt diese Art eine vergleichsweise hohe Toleranz gegenüber Artgenossen. Unter bestimmten Bedingungen ist sogar eine dauerhafte Gruppenhaltung möglich.
Voraussetzung dafür ist ausreichend Platz, viele Versteckmöglichkeiten und idealerweise eine gemeinsame Aufzucht von Jungtieren. Zusammensetzen von adulten, fremden Tieren birgt immer ein Risiko und sollte nur von sehr erfahrenen Haltern versucht werden. Besonders gut funktioniert die Gruppenhaltung bei Geschwistern aus einem Kokon, die von klein auf zusammen aufgewachsen sind.
Giftigkeit und Verhalten gegenüber dem Menschen
Wie alle Vogelspinnen besitzt auch Monocentropus balfouri Gift. Dieses dient in erster Linie dem Beutefang und ist für den Menschen in der Regel nicht lebensgefährlich. Ein Biss kann jedoch schmerzhaft sein und lokale Symptome wie Schwellungen, Rötungen und Schmerzen verursachen. In seltenen Fällen können auch stärkere Reaktionen auftreten, insbesondere bei Allergikern.
Die Art gilt als defensiv, aber nicht aggressiv. Sie beißt nicht ohne Grund, zeigt jedoch bei Bedrängnis schnell Drohgebärden. Ein respektvoller Umgang und das Vermeiden von direktem Kontakt sind daher dringend angeraten. Als klassische Beobachtungsspinne eignet sie sich deutlich besser als für Handling.
Vermehrung und Zucht
Die Zucht von Monocentropus balfouri ist grundsätzlich möglich und wird von erfahrenen Haltern regelmäßig erfolgreich durchgeführt. Die Paarung verläuft meist vergleichsweise ruhig, da Weibchen dieser Art Männchen oft toleranter begegnen als viele andere Vogelspinnenarten.
Nach erfolgreicher Paarung produziert das Weibchen nach einigen Wochen bis Monaten einen Eikokon, der je nach Alter und Kondition mehrere Dutzend bis über hundert Jungtiere enthalten kann. Die Entwicklungszeit im Kokon beträgt mehrere Wochen.
Ein besonderes Merkmal ist, dass das Weibchen die Jungtiere teilweise toleriert und nicht sofort als Beute betrachtet. Dies erleichtert die Aufzucht erheblich. Dennoch ist es ratsam, die Jungtiere nach einiger Zeit zu separieren oder in Gruppen mit ausreichend Platz zu halten, um Verluste zu minimieren.
Mögliche Krankheiten und Probleme
Monocentropus balfouri gilt als robuste Art, dennoch können auch hier Haltungsfehler zu Problemen führen. Zu hohe Luftfeuchtigkeit in Kombination mit schlechter Belüftung kann zu Schimmelbildung und Milbenbefall führen. Auch Häutungsprobleme treten gelegentlich auf, insbesondere bei falschen Klimabedingungen.
Ein weiteres Risiko ist Austrocknung. Obwohl die Art aus einer eher trockenen Region stammt, benötigt sie dennoch Zugang zu leicht feuchtem Substrat und frischem Wasser. Eine kleine Wasserschale sollte daher immer angeboten werden.
Stress durch häufiges Stören oder Umsetzen kann ebenfalls negative Auswirkungen haben. Diese Art reagiert empfindlich auf Veränderungen und sollte möglichst in Ruhe gelassen werden.
Alternative Bezeichnungen und Namen
Neben dem deutschen Namen Blaue Jemen Vogelspinne ist Monocentropus balfouri auch unter verschiedenen englischen Bezeichnungen bekannt, etwa Socotra Island Blue Baboon Tarantula. Der Zusatz „Baboon“ bezieht sich auf die Zugehörigkeit zu den afrikanisch-arabischen Vogelspinnen, die oft als „Baboon Spiders“ bezeichnet werden.
Im Handel findet man gelegentlich auch abgekürzte oder leicht abgewandelte Namen, was bei Anfängern zu Verwirrung führen kann. Wichtig ist daher immer der wissenschaftliche Name, um Verwechslungen auszuschließen.
Häufig gestellte Fragen
Eine häufige Frage betrifft die Eignung für Anfänger. Grundsätzlich ist Monocentropus balfouri eher eine Art für fortgeschrittene Halter. Ihr defensives Verhalten, die Giftigkeit und die speziellen Haltungsansprüche machen etwas Erfahrung sinnvoll.
Auch die Frage nach der Lebenserwartung taucht oft auf. Weibchen können bei guter Pflege 10 bis 15 Jahre alt werden, in Einzelfällen sogar noch älter. Männchen leben deutlich kürzer und sterben meist wenige Monate nach der Reifehäutung.
Viele Halter fragen außerdem, ob die Art tagsüber aktiv ist. In der Regel ist sie eher nachtaktiv, sodass man sie oft nur abends oder nachts außerhalb ihrer Röhre sieht.
Fazit
Monocentropus balfouri ist ohne Zweifel eine der spannendsten Vogelspinnenarten in der Terraristik. Ihre außergewöhnliche blaue Färbung, das interessante Sozialverhalten und ihre robuste Natur machen sie zu einem echten Highlight für erfahrene Halter. Gleichzeitig erfordert sie Respekt, Geduld und eine sorgfältige Haltung, um ihr gerecht zu werden.
Wer bereit ist, sich intensiv mit ihren Bedürfnissen auseinanderzusetzen, wird mit einer faszinierenden und langlebigen Terrarienbewohnerin belohnt. Als reine Beobachtungsspinne ist sie ideal geeignet und bietet über viele Jahre hinweg spannende Einblicke in das Verhalten einer außergewöhnlichen Vogelspinnenart.