Poecilotheria rufilata im Terrarium halten
Einrichtungsbeispiele mit Rufilata Baumvogelspinne

Wissenswertes zu Poecilotheria rufilata (Rufilata Baumvogelspinne)
Die Poecilotheria rufilata, auch bekannt als Rufilata Baumvogelspinne, zählt zu den beeindruckendsten und gleichzeitig anspruchsvollsten Vogelspinnenarten für Terrarianer. Mit ihrem auffälligen Muster, ihrer kletterfreudigen Natur und ihrem speziellen Verhalten bietet sie ein faszinierendes Beobachtungserlebnis für erfahrene Halter.
Herkunft und natürlicher Lebensraum
Poecilotheria rufilata stammt aus dem südlichen Indien, genauer aus den dicht bewaldeten Regionen Tamil Nadus und angrenzender Gebiete. Diese Baumvogelspinne bewohnt vorwiegend tropische Regenwälder, in denen eine hohe Luftfeuchtigkeit und ein stabil warmes Klima herrschen. Ihr natürlicher Lebensraum zeichnet sich durch dichte Baumkronen, Rindenverstecke und häufige Niederschläge aus.
Die Art ist stark auf vertikale Strukturen angewiesen, da sie fast ausschließlich baumlebend ist. Baumhöhlen, Spalten in der Rinde und die Blätter dichter Sträucher dienen als Versteck und Rückzugsort. Die Umgebung ist meist dunkel und feucht, wobei die Temperatur tagsüber zwischen 25 und 30 Grad Celsius liegt und nachts kaum abfällt. Diese natürlichen Lebensbedingungen bilden die Grundlage für die erfolgreiche Haltung im Terrarium, da sie entscheidend für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Spinne sind.
Gattung und Familie
Poecilotheria rufilata gehört zur Gattung Poecilotheria, die weltweit für ihre auffälligen Farben und die baumlebende Lebensweise bekannt ist. Innerhalb der Familie Theraphosidae, zu der alle Vogelspinnen zählen, nimmt sie eine besondere Stellung ein, da viele Arten der Gattung aufgrund ihrer Geschwindigkeit, Intelligenz und teilweise stärkerer Giftigkeit als anspruchsvoll gelten.
Die Gattung Poecilotheria umfasst derzeit mehr als zehn beschriebene Arten, die alle aus Indien und Sri Lanka stammen. Sie zeichnen sich durch charakteristische Muster auf Beinen und Rücken aus, die häufig als Tarnung in ihrer natürlichen Umgebung dienen. Innerhalb der Terraristik gelten Poecilotheria-Arten als besonders faszinierend, aber auch als eher für fortgeschrittene Halter geeignet, da sie Schnelligkeit, vorsichtiges Handling und spezifische Terrarienbedingungen erfordern.
Beschreibung der Art und Aussehen
Poecilotheria rufilata ist eine mittelgroße bis große Baumvogelspinne, deren Körperlänge bei adulten Weibchen etwa sechs bis acht Zentimeter erreicht, während die Spannweite der Beine bis zu 18 Zentimeter betragen kann. Männchen bleiben deutlich kleiner und schlanker, was bei Vogelspinnen typisch ist.
Die Art zeichnet sich durch ein unverwechselbares Muster aus. Der Körper ist grau bis dunkelgrau, mit kontrastreichen, weißen oder cremefarbenen Streifen auf den Beinen. Die Tibien und Femuren weisen oft rötliche bis orangerote Zeichnungen auf, die der Art ihren Namen „rufilata“ verleihen. Der Opisthosoma (Hinterleib) zeigt meist ein komplexes Mosaik aus dunklen und hellen Flecken, während die Cephalothorax-Oberseite eine graue Grundfarbe besitzt, die von dunkleren Mustern durchzogen ist. Dieses auffällige Muster dient in der Natur als Tarnung zwischen Rinde und Laub.
Verhalten
Poecilotheria rufilata ist eine schnelle, kletterfreudige Spinne, die tag- und nachtaktiv sein kann. Im Gegensatz zu bodenbewohnenden Vogelspinnen bewegt sie sich geschickt über vertikale Flächen und kann bei Gefahr sehr schnell flüchten. Sie zeigt ein territoriales Verhalten, insbesondere gegenüber Artgenossen, weshalb die Haltung mehrerer Tiere in einem Terrarium nur sehr vorsichtig und unter besonderen Bedingungen erfolgen sollte.
In ihrer natürlichen Umgebung nutzt die Rufilata Baumvogelspinne eng anliegende Baumhöhlen oder Rindenspalten als Rückzugsort. Sie spinnt keine großen Netze wie einige andere Vogelspinnenarten, sondern erzeugt feine Seidenspuren in ihrem Versteck, die als Wegweiser und Alarm dienen.
Im Terrarium zeigt die Art ein ähnliches Verhalten: Sie klettert gerne, versteckt sich in Höhlen oder Röhren und kann manchmal sehr aggressiv reagieren, wenn sie gestört wird. Aus diesem Grund wird sie als „defensiv“ eingestuft und sollte nur von erfahrenen Haltern mit angemessener Vorsicht gehandhabt werden.
Haltung im Terrarium
Die Haltung von Poecilotheria rufilata erfordert ein vertikal orientiertes Terrarium, das ausreichend Klettermöglichkeiten bietet. Ideal sind hohe Glasterrarien mit natürlichen Kletterstrukturen wie Korkröhren, Baumzweigen und Wurzelstücken. Die Grundfläche kann relativ klein sein, da die Spinne primär klettert, jedoch sollte die Höhe mindestens 60 bis 80 Zentimeter betragen, um ausreichend Bewegungsspielraum zu bieten.
Der Bodengrund sollte feucht, aber nicht nass sein. Substrate wie Kokosfasern, Torf oder eine Mischung aus Erde und Vermiculit bieten gute Bedingungen. Sie speichern Feuchtigkeit und ermöglichen der Spinne ein angenehmes Mikroklima. Ein stabiler Rückzugsort ist essentiell. Korkröhren, halbe Kokosnussschalen oder selbstgebaute Höhlen werden von der Spinne gerne angenommen.
Die Dekoration sollte nicht nur ästhetisch, sondern auch funktional sein. Zweige, Äste und Rindenstücke müssen fest angebracht werden, da Poecilotheria-Arten sehr kräftig sind und instabile Strukturen umstoßen könnten. Die Einrichtung sollte Rückzugsmöglichkeiten bieten, aber auch ausreichend Freiraum für die Bewegung.
Temperatur und Luftfeuchtigkeit
Das Klima im Terrarium sollte die natürlichen Bedingungen nachbilden. Tagsüber sind Temperaturen zwischen 26 und 30 Grad Celsius optimal, nachts kann sie leicht auf 22 bis 24 Grad abfallen. Ein gleichmäßiges Temperaturprofil ist wichtig, um Stress zu vermeiden.
Die Luftfeuchtigkeit sollte relativ hoch sein, idealerweise zwischen 75 und 85 Prozent. Dies kann durch regelmäßiges Sprühen, einen feuchten Bodengrund oder ein teilgeschlossenes System erreicht werden. Wichtig ist, dass sich keine stehende Nässe bildet, da dies Schimmelbildung begünstigt. Gleichzeitig muss für ausreichende Belüftung gesorgt werden, da Poecilotheria rufilata auf gute Luftzirkulation angewiesen ist.
Fütterung
Poecilotheria rufilata ist ein opportunistischer Jäger, der vor allem lebende Insekten frisst. In der Terraristik eignen sich Grillen, Heimchen, Schaben, Wanderheuschrecken und gelegentlich kleine, gut dosierte Mäuse für ausgewachsene Terrarientiere. Die Futtertiere sollten der Größe der Spinne angepasst werden, um Verletzungen zu vermeiden.
Junge Tiere benötigen häufigere Fütterung, etwa alle drei bis vier Tage, während adulte Weibchen und Männchen einmal pro Woche ausreichend ernährt werden. Frisches Wasser sollte jederzeit verfügbar sein, idealerweise in flachen Näpfen, die nicht umkippen. Die Spinne wird gelegentlich auch das Wasser aus Sprühnebel aufnehmen.
Giftigkeit
Wie viele Poecilotheria-Arten besitzt die Rufilata Baumvogelspinne ein wirksames Gift. Es ist für Menschen normalerweise nicht tödlich, kann jedoch starke Schmerzen, Schwellungen und in seltenen Fällen systemische Reaktionen hervorrufen. Allergische Reaktionen oder Empfindlichkeiten können die Symptome verstärken.
Die Art sollte daher nicht ohne Vorsicht gehandhabt werden. Ein direktes Anfassen wird nicht empfohlen. Stattdessen sollte man beim Reinigen oder Umlagern das Terrarium öffnen und die Vogelspinne vorsichtig mit Hilfsmitteln wie Pinzetten oder weichen Werkzeugen bewegen. Die giftigen Fähigkeiten dienen der Spinne in erster Linie zur Beutefangkontrolle und Selbstverteidigung.
Vermehrung und Zucht
Die Zucht von Poecilotheria rufilata ist anspruchsvoll, aber möglich. Weibchen erreichen ihre Geschlechtsreife mit etwa drei bis vier Jahren, während Männchen oft früher reif werden. Die Paarung erfolgt vorsichtig, da das Männchen das Weibchen nicht reizen darf, um Angriffen vorzubeugen.
Nach der erfolgreichen Paarung legt das Weibchen ein Ei-Gelege, das es meist in einer Höhle oder unter der Rinde bewacht. Die Inkubationszeit variiert je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit, liegt aber typischerweise bei etwa sechs bis acht Wochen. Die Jungtiere schlüpfen winzig, mit einem Körpermaß von wenigen Millimetern, und durchlaufen mehrere Häutungen, bevor sie die Größe eines subadulten Tieres erreichen.
Die Zucht erfordert exakte Klimakontrolle, ausreichend Verstecke und eine regelmäßige Fütterung der Jungtiere. Auf diese Weise können erfahrene Halter langfristig eine stabile Population aufbauen.
Mögliche Krankheiten
Poecilotheria rufilata ist relativ robust, kann aber unter schlechten Haltungsbedingungen anfällig für bestimmte Krankheiten werden. Schimmelbildung im Substrat, zu hohe oder zu niedrige Luftfeuchtigkeit sowie unzureichende Hygiene können zu Stress, Pilzinfektionen oder bakteriellen Problemen führen.
Parasiten sind selten, können aber auftreten, insbesondere wenn lebende Futtertiere von außerhalb der Terrarienumgebung stammen. Häufige Symptome für Stress oder Erkrankungen sind Appetitlosigkeit, abnorme Häutungen, lethargisches Verhalten und vermehrtes Verstecken.
Die Prävention erfolgt über sauberes Substrat, regelmäßig kontrolliertes Klima, ausreichend Rückzugsmöglichkeiten und nur hochwertiges, gesundes Futter.
Alternative Bezeichnungen
Neben „Rufilata Baumvogelspinne“ wird die Art gelegentlich als „Red Striped Tree Spider“ bezeichnet, was auf die rötlichen Muster auf den Beinen hinweist. In Terraristikforen und Fachkreisen wird häufig die Kurzform „P. rufilata“ verwendet.
Häufig gestellte Fragen
Ist Poecilotheria rufilata für Anfänger geeignet?
Nein, die Art ist für erfahrene Terrarianer geeignet, die Erfahrung mit schnellen, kletterfreudigen und giftigen Vogelspinnen haben.
Wie groß wird die Spinne?
Weibchen erreichen eine Beinspannweite von bis zu 18 Zentimeter, Männchen bleiben deutlich kleiner.
Wie hoch ist die Lebenserwartung?
Weibchen können bis zu 12 Jahre alt werden, Männchen oft nur drei bis vier Jahre nach der Reife.
Braucht die Spinne spezielle Kletterhilfen?
Ja, feste Korkröhren, Baumzweige und vertikale Strukturen sind notwendig, da die Spinne überwiegend klettert.
Kann die Spinne aggressiv sein?
Ja, sie verteidigt sich schnell und kann bei Störungen zubeißen. Direkter Kontakt sollte vermieden werden.
Fazit
Poecilotheria rufilata ist eine faszinierende, farblich auffällige und intelligente Baumvogelspinne, die in Terrarien eine beeindruckende Präsenz zeigt. Ihre Haltung erfordert jedoch detaillierte Kenntnisse über Klima, Kletterstrukturen, Futter und Sicherheitsmaßnahmen. Für erfahrene Terrarianer bietet sie ein spannendes Beobachtungserlebnis, da sie durch ihre Schnelligkeit, ihr spezifisches Verhalten und die anspruchsvollen Haltungsbedingungen überzeugt.
Die Art ist nicht für Anfänger geeignet, da sie giftig, schnell und defensiv ist. Wer jedoch bereit ist, die spezifischen Bedürfnisse dieser Baumvogelspinne zu erfüllen, erhält ein langlebiges, faszinierendes und beeindruckendes Tier, das in einem gut eingerichteten Terrarium eine natürliche Umgebung nachbildet und ein tiefes Verständnis exotischer Lebensräume vermittelt.
Poecilotheria rufilata vereint Schönheit, Geschwindigkeit und Komplexität in einem Tier und bleibt deshalb eine der beliebtesten Poecilotheria-Arten in der Terraristik.