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9 Basics der Fischhaltung

Als ich etwa sieben Jahre alt war, flehte ich meine Eltern an, mir ein Aquarium zu erlauben. Sie drucksten eine Zeit lang herum, aber im Endeffekt gaben sie nach. Sie waren sogar sehr verantwortungsvolle Eltern, die sich mit mir informierten und das Aquarium gemeinsam mit mir pflegten. Leider war unsere Informationsquellen ein max. 100 Seiten Büchlein mit absolut unpassenden Besatzvorschlägen und die Vekäuferin im Zoogeschäft, die Meerschweinchen, aber noch nie ein Aquarium zuhause hatte. Dementsprechend landeten nach einmonatiger Einlaufzeit fünf Guppys, vier Sumatrabarben, vier Brokatbarben und vier „Putzerfische“ (zwei braune Antennenwelse und ich glaube irgendeine Schmerle und eine Rüsselbarbe) in 54 L. Die Tiere lebten alle mehrere Jahre und erreichten stattliche Größen - die Guppys und Antennenwelse vermehrten sich sogar. Alt wurde dennoch fast keiner der Fische. Es dauerte noch ein paar Jahre, bis mir dämmerte, dass das an unserer horriblen Haltung lag und ich begann, mich selbst intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Deshalb hier ein paar interessante Tatsachen über die Fischhaltung, die besonders Anfängern helfen sollen, sich in der Aquaristik zu orientieren. Denn wenn die Fische gut gehalten werden, hat man auch selbst viel mehr Freude daran, darf ihr gesamtes Verhaltensspektrum beobachten und muss sich nicht so oft mit Krankheiten rumschlagen.

1. Fische sind intelligent.

Fische werden von der Allgemeinheit nicht gerade als klug wahrgenommen. Man denke nur mal an die Phrase „ein Hirn wie ein Goldfisch.“ Aber sind Fische tatsächlich so dumm? Die Wissenschaft sagt ganz klar nein. Sie haben ein ähnliches neurales Setup und sind zu komplexen Entscheidungen fähig. Fische erkennen Individuen und verhalten sich entsprechend ihrer „Beziehung“ unterschiedlich. Außerdem kooperieren Fische miteinander – und sie betrügen ihre Kooperationspartner ab und zu, wenn sich daraus ein höherer Vorteil für sie ergibt. Vertrauenswürdige Fische werden von anderen öfter zur Kooperation gewählt als diejenigen, die öfter betrügen. Das kommt übrigens auch überartlich vor. [1, 2] Als Aquarianer wird man schnell merken, dass die Fische an die Frontscheibe oder an die Oberfläche kommen, wenn man sich dem Aquarium nähert. Fische spüren die Vibrationen der Schritte und lernen, dass das Futter bedeutet. Dabei können viele übrigens anhand des Schrittmusters unterscheiden, ob das jetzt der eigene Besitzer ist, der sie füttern wird oder eine zufällige andere Person. Die meisten Halter werden auch bestätigen, dass jeder Fisch seine eigene „Persönlichkeit“ hat.

2. Fische spüren Schmerz.

Während man aus rein wissenschaftlicher Perspektive wohl offen sagen muss, dass es ungeklärt ist, ob Fische Schmerz genau so empfinden wie wir Menschen, besteht zumindest kein Zweifel mehr daran, dass Fische Schmerz spüren und Verhalten zeigen, welches der Schmerzvermeidung dient. [3, 4, 5] Übrig bleibt die Frage, warum es überhaupt einen Beweis braucht, dass ein Wirbeltier Schmerz empfinden kann. Übrigens – und das ist für die Aquaristik weit relevanter – können Fische auch so etwas ähnliches wie Depressionen haben, wenn ihr Aquarium unstimulierend eingerichtet ist oder sie unter ständigem Stress stehen und werden deshalb gerne in der Forschung verwendet, um Antidepressiva oder angstlösende Medikamente zu testen. [6, 7] Für uns heißt das, dass wir unsere Aquarien artgerecht einrichten und den Fischen eine gewisse Beschäftigung (zB in Form von Lebendfutter und ausreichend großen Gruppengrößen) ermöglichen sollten.

3. Fisch ist nicht gleich Fisch.

Die Klasse der Fische ist eine riesige und breitgefächerte. 34.200 Tierarten [8], etwas über die Hälfte aller lebenden Wirbeltierarten, gehören zu den Fischen. Die Haltung verschiedener Fischarten gleichzusetzen ist demnach in etwa so sinnvoll, wie eine Kuh in den Hasenstall zu stellen. Wenn man sich ein Aquarium anschafft, muss man sich also mit den Bedürfnissen der gewünschten Fischart auseinandersetzen und damit, ob der gesamte Besatz überhaupt kompatibel ist. Dazu muss man bedenken, dass sich viele Fische erst in größeren Gruppen wohlfühlen oder sehr territorial sein können und dadurch ihre Beckengenossen teilweise sogar zu Tode jagen. Auch fühlt sich nicht jeder Fisch im gleichen Wasser (hart – weich – Salzzusatz?), bei der gleichen Einrichtung (Pflanzen ja/nein? Kies oder Sand? Strömung? Viele Verstecke oder viel Schwimmplatz?) oder bei der gleichen Temperatur wohl. Außerdem gibt es bei den Fischen wie bei den Säugetieren auch Fleischfresser, Allesfresser und Pflanzenfresser.

4. Fische können alt werden.

Oft höre ich von Fischhaltern, deren Fisch vor kurzem gestorben ist: „der war eh schon alt, fast 5 Jahre.“ Tatsächlich werden viele Fischarten viel älter (und für andere Arten wären 5 Jahre hohes Greisenalter). Das Wirbeltier mit der höchsten Lebenserwartung, nämlich von mehreren hundert Jahren, ist ein Fisch, der Grönlandhai. Aber auch in unseren Aquarien werden viele Fischarten gepflegt, die bis zu 20 Jahren alt werden können. Insofern sollten wir uns auch mitüberlegen, ob wir diese Tiere überhaupt so lange pflegen können und wollen.

Goldfisch: über 30 Jahre

Guppy: 4-5 Jahre

Neontetra: 8 Jahre

Brauner Antennenwels: 20 Jahre

5. Fische passen sich nicht der Beckengröße an.

Leider hört man es auch heutzutage oft noch: „Die Fische werden nicht zu groß, die passen sich ja der Beckengröße an.“ Nunja, meine hatten damals das Glück, dass sie selbst im winzigen Aquarium ihre normale "Endgröße" erreicht haben. Bei einigen meiner Freunde blieben sie klein. Was heißt das aber, wenn ein Fisch, der eigentlich viel größer werden könnte, in einem kleinen Becken klein bleibt? Wenn ein Fisch nicht seine genetisch vorgegebene Endgröße erreicht, dann sind fast immer schlechte Haltungsbedingungen schuld. Gründe für diese Fehlentwicklung sind schlechte Ernährung, hohe Schadstoffbelastung, zu wenig Bewegung und ständiger Stress. Fische passen sich also nicht an die Beckengröße an, sondern sie werden durch die unpassenden Haltungsbedingungen krank und verkümmern. Insofern hat man eigentlich nur die Wahl, sich vorher gut zu informieren und dann Fische zu wählen, die auch für die Beckengröße geeignet sind.

6. Es gibt keine Faustformel für den richtigen Fischbesatz.

In vielen Anfängerbüchern werden einfache Faustformeln vorgestellt, um den richtigen Besatz für die Beckengröße zu wählen. Die häufigsten sind wohl diese 3 Konzepte:

1 cm Fisch/1-2 L Beckenvolumen;

Oberflächenfisch – Mittelgrundfisch – Bodengrundfisch;

Bodengrund – Schwarmfisch – Eyecatcher.

Ich persönlich halte von diesen Konzepten genau gar nichts. Wie in Punkt 3 ausgeführt, kann man einfach keine pauschalen Besatzregeln aufführen, genauso wie man eben auch nicht einen Mauskäfig als Berechnungsgrundlage für ein Tigergehege nehmen würde. Es kommt voll und ganz auf die Bedürfnisse der Fischart an, sowie auf die Leistungsstärke des Filters. Bei territorialen Fischen ist die 1cm Fisch/x L Regel vielleicht schon zu großzügig, bei Schwarmfischen zu knapp bemessen. Außerdem wird das Schwimmverhalten dabei gänzlich ignoriert. Darüber hinaus halten sich gerade bei kleinen Becken viele Fische nicht unbedingt an die ihnen zugewiesene Beckenregion.

In die Überlegungen sollten wir mit einbeziehen…

Das Beckenvolumen – gibt an, mit wieviel Fisch das Becken beziehungsweise der Filter klarkommt, bevor es zu einer übermäßigen Schadstoffanreicherung kommt.

Die Beckenmaße – geben an, welche Fische in dem Becken leben können. Die Grundfläche ist wohl das Wichtigste daran, denn sie gibt an, wie weit ein Fisch überhaupt schwimmen kann. Aber für viele Arten (z.B. Skalar oder Kampffisch) ist auch die Beckenhöhe entscheidend.

Die einzige pauschale Regel die man aufstellen kann: Wenn darum geht, wie viele Fischarten ins Becken sollen, ist weniger in den meisten Fällen mehr.

7. Aquaristik setzt grundlegende Kenntnisse der Chemie und Biologie im Wasser voraus.

Das Element Wasser ist um einiges komplexer als die Luft und wirkt auch direkter auf die Lebewesen ein, die sich darin aufhalten. Wer ein Aquarium hat, sollte sich einige Grundlagen der Wasserchemie und –mikrobiologie aneignen: der Stickstoffkreislauf, Filterbakterien, Wasserhärte. Selbst wenn einem Chemie nicht so liegt, hat man die normalerweise schnell drauf. Nur wer versteht, was im Becken eigentlich so vor sich geht, kann es adäquat pflegen und bei Problemen schnell und richtig reagieren.

8. Fische können einem nicht sagen, ob es ihnen gut geht.

Die gesamte Thematik, ob Fische Schmerz empfinden oder nicht, zeigt es ja ganz gut. Menschen fällt es sehr schwer, das Verhalten von Fischen zu deuten. Oft muss man genau hinsehen, um frühe Krankheitsanzeichen wahrzunehmen und es muss ganz klar unterschieden werden, ob der Fisch einfach nur überlebt oder ob es ihm auch tatsächlich gut geht. Ein Becken sollte immer so gut wie möglich an die darin gepflegten Arten angepasst sein. Der Besatz ist nie Mittel zum Zweck („Putzerfische“, „Algenfresser“, „Schneckenfresser“), sondern hat seine eigenen Bedürfnisse, die erfüllt werden müssen. Haustiere sind voll und ganz von ihrem Halter abhängig. Deshalb obliegt es dem Menschen, zu gewährleisten, dass das Tier gesund und „glücklich“ ist.

9. Man sollte sich überlegen, wo die Fische im Handel herkommen.

Viele Fische im Handel sind Wildfänge oder werden in riesigen Fischfarmen gezüchtet. Beides ist nicht grundsätzlich schlecht (der Wildfang kann zum Beispiel zur Erhaltung wichtiger Lebensräume beitragen – oder auch Ökosysteme stark schädigen). Dennoch sollte man sich vor Augen führen, wo das zukünftige Haustier herkommt, welche Konsequenzen das hat und ob man mit den Praktiken einverstanden ist.

[1] Brown, C., Laland, K., & Krause, J. (2011). Fish Cognition and Behavior. Somerset: Wiley.

[2] Bshary, R., Wickler, W., & Fricke, H. (2001). Fish cognition: A primate’s eye view. Animal Cognition, 5(1), 1-13. doi:10.1007/s10071-001-0116-5

[3] Braithwaite, V. (2010). Do Fish Feel Pain? Oxford University Press.

[4] Rose, J. D., Arlinghaus, R., Cooke, S. J., Diggles, B. K., Sawynok, W., Stevens, E. D., & Wynne, C. D. (2012). Can fish really feel pain? Fish and Fisheries, 15(1), 97-133. doi:10.1111/faf.12010

[5] Sneddon, L. U. (2003). The evidence for pain in fish: the use of morphine as an analgesic. Applied Animal Behaviour Science, 83(2), 153–162. doi:10.1016/s0168-1591(03)00113-8

[6] Maximino, C., Oliveira, D. L., Rosemberg, D. B., Batista, E. D., Herculano, A. M., Oliveira, K. R., . . . Blaser, R. (2012). A comparison of the light/dark and novel tank tests in zebrafish. Behaviour, 149(10-12), 1099-1123. doi:10.1163/1568539x-00003029

[7] Blaser, R. E., & Rosemberg, D. B. (2012). Measures of Anxiety in Zebrafish (Danio rerio): Dissociation of Black/White Preference and Novel Tank Test. PLoS ONE, 7(5). doi:10.1371/journal.pone.0036931

[8] www.fishbase.de

Titel: 9 Basics der Fischhaltung
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