Lebens(t)räume für Menschen, Tiere & Pflanzen
Gestaltungsbeispiele für naturnahe Lebensräume
Einrichtungsbeispiele.de-Logo
Neu
Login
Wir werden unterstützt von:

Korallenfütterung - Wann und wie sie sinnvoll ist

Lesezeit: ca. 4 Minuten
Korallenfütterung - Wann und wie sie sinnvoll ist
Korallenfütterung - Wann und wie sie sinnvoll ist - Foto 1

Korallen wirken auf den ersten Blick wie Pflanzen des Meeres: unbeweglich, mit zarten Tentakeln und farbenprächtigen Geweben. Doch sie sind Tiere, die aktiv Nährstoffe aufnehmen. In ihrem Gewebe leben mikroskopisch kleine Algen – die sogenannten Zooxanthellen –, die ihnen Energie durch Photosynthese liefern. Diese Symbiose ist die Grundlage des Lebens in tropischen Riffen. Dennoch reicht sie nicht immer aus, um alle Bedürfnisse der Tiere zu decken.

Im Aquarium, wo Lichtintensität, Nährstoffverfügbarkeit und Wasserbewegung von Technik abhängen, kann gezielte Fütterung entscheidend zur Vitalität, zum Wachstum und zur Farbintensität der Korallen beitragen. Dabei gilt jedoch: Nicht jede Art profitiert im gleichen Maß, und falsche Fütterung kann dem gesamten System schaden. Umso wichtiger ist es, die physiologischen Grundlagen zu verstehen und zu wissen, wann und wie Futtergaben sinnvoll sind.

Zwei Wege der Ernährung: Autotrophie und Heterotrophie

Energie aus Licht – die autotrophe Komponente

Der größte Teil der Energie vieler Riffkorallen stammt von den symbiotischen Algen in ihrem Gewebe. Diese Dinoflagellaten, meist der Gattung Symbiodinium oder Cladocopium, betreiben Photosynthese und versorgen die Koralle mit Kohlenhydraten, Sauerstoff und anderen Stoffwechselprodukten. Die Koralle wiederum liefert den Zooxanthellen Schutz und Nährstoffe in Form von Kohlendioxid und Stickstoffverbindungen.

Korallenfütterung - Wann und wie sie sinnvoll ist
Korallenfütterung - Wann und wie sie sinnvoll ist - Foto 2

Diese enge Gemeinschaft ermöglicht es Korallen, auch in nährstoffarmen tropischen Gewässern zu gedeihen. In einem Aquarium, in dem Lichtstärke und -spektrum künstlich erzeugt werden, ist die Qualität der Beleuchtung daher entscheidend für die autotrophe Ernährung. Doch Photosynthese allein kann nicht alle lebenswichtigen Stoffe liefern. Besonders Stickstoff, Phosphor, Aminosäuren und Spurenelemente müssen auf anderem Wege aufgenommen werden.

Nahrung aus dem Wasser – die heterotrophe Komponente

Die zweite Säule der Ernährung ist die heterotrophe Aufnahme organischer Substanzen. Korallen sind aktive Jäger – auch wenn ihre Beute winzig ist. Mit Hilfe ihrer Tentakel und Nesselzellen fangen sie Zooplankton, Detritus oder gelöste organische Stoffe (DOM). Diese Partikel liefern Eiweiß, Lipide und Vitamine, die die Zooxanthellen nicht bereitstellen können.

In der Natur stehen Strömung und Planktonbewegung in ständigem Austausch, wodurch Korallen regelmäßig mit Nahrungspartikeln in Kontakt kommen. Im Aquarium hängt die Verfügbarkeit solcher Partikel jedoch vom Aquarianer ab. Ohne gezielte Fütterung leben viele Arten in einer nährstoffärmeren Umgebung, was langfristig zu verlangsamtem Wachstum und blasseren Farben führen kann.

Korallenfütterung - Wann und wie sie sinnvoll ist
Korallenfütterung - Wann und wie sie sinnvoll ist - Foto 3

Wann Fütterung sinnvoll ist

Nicht alle Korallenarten benötigen zusätzliche Fütterung. Manche Arten, insbesondere viele SPS-Korallen (Small Polyp Stony), beziehen den größten Teil ihrer Energie aus Licht und profitieren nur indirekt von gelösten Nährstoffen im Wasser. Andere Arten, vor allem Weichkorallen, LPS-Korallen (Large Polyp Stony) und azooxanthellate Arten, sind stärker auf externe Nahrungszufuhr angewiesen.

Typische Fälle, in denen Fütterung empfehlenswert ist:

  • Bei stark beleuchteten, nährstoffarmen Systemen: Wenn Nitrat und Phosphat dauerhaft nahe Null liegen, leiden die symbiotischen Algen an Nährstoffmangel. Eine leichte Futtergabe stabilisiert das Gleichgewicht.
  • Bei LPS-Korallen mit großen Polypen: Arten wie Euphyllia, Trachyphyllia oder Acanthastrea nehmen aktiv Futterpartikel auf und zeigen nach regelmäßiger Fütterung besseres Wachstum.
  • Bei azooxanthellaten Arten: Korallen ohne Symbiosealgen (z. B. Tubastraea) sind vollständig auf Fütterung angewiesen und benötigen regelmäßige Nahrungszufuhr.

Fütterung im Zusammenhang mit Wasserqualität

Jede Futtergabe verändert das Nährstoffgleichgewicht des Beckens: Organische Rückstände zerfallen zu Nitrat und Phosphat, die bei übermäßiger Konzentration problematisch werden. Eine funktionierende Filterung, regelmäßiger Wasserwechsel und gezielte Kontrolle der Werte sind daher unerlässlich.

Korallenfütterung - Wann und wie sie sinnvoll ist
Korallenfütterung - Wann und wie sie sinnvoll ist - Foto 4

Ein leichter Nährstoffgehalt ist jedoch kein Nachteil – im Gegenteil. Zu „saubere“ Systeme führen häufig zu blassen Farben, weil die Zooxanthellen in Nährstoffmangel geraten. Eine moderate Nährstoffversorgung mit gezielter Fütterung sorgt oft für intensivere Färbung und stabileres Wachstum.

Der richtige Zeitpunkt

Die meisten Korallen nehmen in der Dämmerung oder nachts Nahrung auf, wenn sich Polypen öffnen. Eine Fütterung in diesen Phasen ist daher besonders effektiv. Bei Arten, die sich tagsüber öffnen, kann man den Zeitpunkt flexibel anpassen. 

 

Korallenfütterung - Wann und wie sie sinnvoll ist
Korallenfütterung - Wann und wie sie sinnvoll ist - Foto 5

Autorin: Caroline Haller für www.einrichtungsbeispiele.de

Autor*in: Tom

Userbild von Tom
Tom ist Administrator*in von EB und stellt 12 Beispiele vor.

In den Bereichen Malawisee, Tanganjikasee, Victoriasee, West- / Zentralafrika, Südamerika, Mittelamerika, Asien/Australien, Gesellschaftsbecken, Wasserchemie, Fragen zu einrichtungsbeispiele.de steht er/sie den Usern bei Fragen kompetent als Anspechpartner zur Seite.

Titel: Korallenfütterung - Wann und wie sie sinnvoll ist (Artikel 7398)

Das könnte dich ebenfalls interessieren:

Fischsuppe: Was meinen Aquarianer mit dem Ausdruck?

Fischsuppe: Was meinen Aquarianer mit dem Ausdruck?

Allgemeine Tipps & Tricks

Wer sich in Aquaristikforen oder Gesprächen unter erfahrenen Aquarianern bewegt, stolpert früher oder später über den Ausdruck „Fischsuppe“. Gemeint ist damit keine echte Suppe, sondern ein Aquarium, in dem zu viele, unpassende oder wahllos kombinierte Fischarten zusammenleben. Der Begriff klingt humorvoll, ist aber kritisch gemeint. Er beschreibt

Die 3 häufigsten Gründe, warum Aquarianer ihr Hobby aufgeben

Die 3 häufigsten Gründe, warum Aquarianer ihr Hobby aufgeben

Allgemeine Tipps & Tricks

Viele Aquarianer geben ihr Hobby nicht wegen mangelnder Begeisterung auf, sondern weil Zeitdruck, Kosten und Probleme im Aquarium zermürben. Ein Aquarium kann über viele Jahre faszinieren. Es verbindet Tierbeobachtung, Gestaltung, Technik, Pflanzenpflege und biologisches Verständnis auf eine Weise, die kaum ein anderes Hobby bietet. Trotzdem kommt

Nori-Algen - Natürliche Power aus dem Meer für deine Zierfische

Nori-Algen - Natürliche Power aus dem Meer für deine Zierfische

Futter

Wer sich intensiver mit der Ernährung von Zierfischen beschäftigt, merkt schnell: Flocken- und Granulatfutter allein decken längst nicht alle Bedürfnisse ab. Gerade bei pflanzenfressenden oder omnivoren Arten spielt pflanzliche Kost eine entscheidende Rolle für Gesundheit, Farbenpracht und Verhalten. In diesem Zusammenhang taucht immer häufiger

Sauerstoffgehalt im Aquarium messen - der umfassende Praxisleitfaden für Aquarianer

Sauerstoffgehalt im Aquarium messen - der umfassende Praxisleitfaden für Aquarianer

Wasserwerte

Sauerstoff ist im Aquarium genauso lebenswichtig wie sauberes Wasser. Trotzdem wird der Sauerstoffgehalt im Aquarium von vielen Aquarianern unterschätzt oder nur am Rande beachtet. Während Nitrit, Nitrat oder pH-Wert regelmäßig getestet werden, bleibt der Sauerstoff oft ein „unsichtbarer“ Faktor. Dabei entscheidet er maßgeblich über Gesundheit,

Der Aquariumfilter während des Fütterns: Ausschalten oder weiterlaufen lassen?

Der Aquariumfilter während des Fütterns: Ausschalten oder weiterlaufen lassen?

Allgemeine Tipps & Tricks

Aquarienpflege erfordert nicht nur Wissen und Engagement, sondern auch eine Menge Entscheidungen, die das Wohlbefinden der darin lebenden Zierfische und Pflanzen beeinflussen. Eine der Fragen, die viele Aquarianer beschäftigt, ist, ob man den Filter beim Füttern der Fische ausschalten sollte oder nicht. Diese Frage mag auf den ersten Blick trivial

Aquarium-Beleuchtung: Wie oft müssen LEDs gewechselt werden?

Aquarium-Beleuchtung: Wie oft müssen LEDs gewechselt werden?

Technik

Die Beleuchtung zählt zu den entscheidenden Faktoren für ein gesundes und stabiles Aquarium. Während früher hauptsächlich Leuchtstoffröhren zum Einsatz kamen, haben sich moderne LED-Systeme inzwischen als Standard etabliert. Sie gelten als energieeffizient, langlebig und flexibel steuerbar. Dennoch stellt sich für viele Aquarianer eine zentrale