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Naturnahes Füttern = Erhöhung der Lebensqualität

Lesezeit: ca. 6 Minuten

Naturnahes Füttern

Ich möchte gerne einmal das Thema ???naturnahes Füttern??? in die Runde werfen, wobei ich zum Start der Diskussion, aufgrund meiner eigenen Präferenzen, die Malawisee-Cichliden in den Vordergrund gestellt habe. Selbstverständlich sind auch alle NICHT-MALAWIANER eingeladen, sich mit Ihren Erfahrungen in ihren Spezialgebieten zu beteiligen.

Futterangebot / Evolution / Revierverhalten ??? ein kleiner ??berblick:

Nahrungskonkurrenz stellt für freilebende Fische einen entscheidenden Umweltfaktor dar, der das Zusammenleben innerhalb der Art und zwischen den Arten stark beeinflusst. Aufgrund der schon von Darwin erkannten ??berproduktion an Nachkommen erreichen alle Lebewesen auch bei reichlichem Futterangebot einmal die "Grenzen ihres Wachstums". Entsprechend entwickelten sich verschiedene Mechanismen, durch die Futterangebot und Populationsdichte aneinander angeglichen werden. Hierzu gehört bei den Fischen unter anderem das Revierverhalten. Tiere mit einem günstigen Revier besitzen in Notzeiten den besseren Zugriff zu den Ressourcen, schwächere Tiere in schlechten Revieren überleben solche Situationen nicht.

Gemeinsam vorkommende Cichliden entwickelten in der Evolution unterschiedliche Ernährungsweisen und vermeiden so die Konkurrenz. Die Ernährungsunterschiede lassen sich gerade bei Malawi- Cichliden teilweise schon an Grö??e, Stellung sowie Form von Maul und Lippen erkennen. Cichliden lassen sich nach ihrer Ernährung in vier Gruppen einteilen: Allesfresser, PIanktonfresser, Fisch- und Pflanzenfresser. Die Nahrungsansprüche muss man bei der Haltung bedenken.

Proteinhaltig oder ballaststoffreich füttern?!

Bis anhin wurde gerade im Malawi-Bereich immer und immer wieder über proteinhaltiges und/oder ballaststoffreiches Füttern diskutiert, welches sich ja grundsätzlich auf die beiden Hauptgruppen Mbunas und Non-Mbunas bezieht. Grundsätzlich gelten folgende Grundlagen:

Proteinhaltiges Futter für Non-Mbunas:

Zu diesem Thema muss ich sagen, dass dies viele von uns Aquarianer etwas falsch verstanden haben und die Tiere regelrecht mit Proteinen vollstopfen (habe ich leider auch gemacht). Der Effekt ist dann, dass die Proteine mit der Zeit die Lebern verfetten und sich zum Beispiel in der Stirn unserer Fische ablagern. Ebenfalls ein typisches Symptom sind die immer breiter werdenden Bäuche. Ist wohl auch einer der Hauptgründe, wieso wild lebende Non-Mbunas eher flach sind, wohingegen Nachzuchten je länger desto hochrückiger werden. Dieses Phänomen kann eigentlich nicht mehr rückgängig gemacht werden...

Ballaststoffreiches Futter für Mbunas:

Das Futter für Mbunas muss einen hohen Pflanzenanteil haben, da die Fische in der Natur überwiegend vom Abgrasen von Algen leben aber auch von den zwischen den Algen lebenden Insektenlarven (meist Chironomiden). Da auch Proteine im ausreichenden Ma??e vorhanden sein müssen, ist eine spezielle Futtermischung für diese Cichliden zu empfehlen. Gerade das richtige Futter fördert die Farbausprägung in Gefangenschaft und verhindert die Verfettung.

Fütterungs-Mengen

Alle Cichliden neigen unabhängig von ihrem Ernährungszustand im Aquarium zur Gefrä??igkeit. In der Natur nehmen Pflanzenfresser weitgehend rohfaserreiche Substanzen zu sich wie zum Beispiel Algen oder organischen Abfall. Da diese Nahrung wenig Nährstoffe enthält müssen die Tiere viel davon fressen. Diese Gewohnheit behalten sie im Aquarium auch dann bei, wenn ihre Nahrung gehaltvoller ist. Räuber dagegen erwischen in der Natur so selten eine Beute, dass sie sich bei günstiger Gelegenheit voll fressen. Sie werden sich bei regelmä??iger Fütterung überfressen.

Dies ist bei der Fütterung zu bedenken. ??berfütterung mit proteinreichen, baIlaststoffarmen Futter kann die Gesundheit der Fische beeinträchtigen und erschwert die Regulation des Stickstoffkreislaufs. Es sollte unregelmä??ig gefüttert und die entsprechenden Nahrungsansprüche der jeweiligen Arten beachtet werden. Es empfiehlt sich, nicht mehr zu füttern als dass die Fische innert 5 Minuten auffressen können, dafür aber mehrmals täglich. Ein gelegentlicher Fastentag ist auch unter natürlichen Bedingungen nicht ungewöhnlich.

Fütterungs-Intervalle

In der Natur ist das Nahrungsangebot nicht jeden Tag gleich. Ebenso wird der Malawi-See saisonal bedingt durch zum Beispiel Plankton überschwemmt, wohingegen zu anderen Zeiten eine massive Nahrungsknappheit herrscht.

Wenn im Aquarium nun täglich zu derselben Zeit gefüttert wird, gewöhnen sich unsere Fische daran und versammeln sich gierig wartend unter der ???Futter-Luke???, wenn sich um die Fütterungszeit jemand dem Becken nähert. Mit natürlichem Verhalten hat dies nur noch sehr wenig zu tun.

Ich füttere meine Tiere tagsüber computergesteuert (Trockenfutter über Futterautomaten, welcher auch über ein Web-Interface steuerbar ist) mittels eines Zufallsgenerators. Abends füttere ich konsequent Lebend- und gelegentlich auch Frostfutter

In unregelmässigen Abständen wird ein bis maximal zwei Fastentage in Folge durchgeführt.

Fütterungs-Ort

Das Futter sollte nicht immer an ein und derselben Stelle angeboten werden. Wechselnde Futterstellen animieren die natürliche Futtersuche der Tiere und machen das Leben und Verhalten unserer Pfleglinge interessanter.

Ich persönlich bin tagsüber durch den Einsatz des Futterautomaten gezwungen, immer an derselben Stelle zu füttern. Abends aber füttere ich an verschiedensten Orten im Becken.

Um ein unnötiges Verteilen des Futters übers ganze Becken zu verhindern, habe ich einen ???Pumpen-Stopp??? installiert. ??ber Knopfdruck werden alle Pumpen und Filter für 10 Minuten gestoppt (Timer) ??? dadurch bleibt das gereichte Futter im ??berblick.

Nahrungsspezialisten berücksichtigen

Den speziellen Angewohnheiten resp. Spezialisierungen unserer gepflegten Arten sollte Rechnung getragen werden. Zum Beispiel habe ich extra für meine Lethrinops (Sandcichliden) eine etwas aussergewöhnliche Art zu füttern eingeführt: da diese Tiere typischerweise den Bodengrund nach Kleinstlebewesen und Wirbellosen durchwühlen, habe ich mir überlegt, wie ich ihnen dann auch ein gelegentliches Erfolgserlebnis gönnen könnte. Einmal wöchentlich, bei stockdunkler Umgebung (Fische ???schlafen???) gebe ich an verschiedenen Stellen im Becken Enchyträen und Tubifex direkt auf den Bodengrund. Bis dass die Fische am frühen morgen wieder aktiver werden, hat sich das ???Futter??? im Bodengrund eingegraben und übers Becken verteilt.

Seit ich dies so umsetze, hat sich der Drang zu graben bei meinen Lethrinops massiv erhöht. Den ganzen Tag durchforsten sie nun den Bodengrund (sieht schon fast wie eine Mondlandschaft aus), zeigen viel intensivere Farben und animieren meine Verfolger-Fische (P. electras), ihnen in Gruppen auf Schritt und Tritt zu folgen???

So, nun freue ich mich auf eine angeregte Diskussion und das Einbringen all Eurer selbstgemachter Erfahrungen mit Malawis und allen anderen Arten in unseren Aquarien.

lG Silvan

Autor*in: Der Schweizer

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Der Schweizer ist Moderator*in von EB und stellt 3 Beispiele vor.

In den Bereichen Malawisee, Südamerika, Mittelamerika, Krankheiten, Fragen zu einrichtungsbeispiele.de steht er/sie den Usern bei Fragen kompetent als Anspechpartner zur Seite.

Titel: Naturnahes Füttern = Erhöhung der Lebensqualität (Artikel 3352)

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