Tliltocatl albopilosus im Terrarium halten
Einrichtungsbeispiele mit Kraushaar Vogelspinne

Wissenswertes zu Tliltocatl albopilosus (Kraushaar Vogelspinne)
Die Kraushaar-Vogelspinne, wissenschaftlich bekannt als Tliltocatl albopilosus, gehört seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Vogelspinnenarten in der Terraristik. Kaum eine andere Art vereint so viele positive Eigenschaften: ruhiges Temperament, robuste Haltung, interessante Optik und eine hohe Anpassungsfähigkeit an verschiedene Haltungsbedingungen. Gerade für Einsteiger ist sie oft die erste Begegnung mit der faszinierenden Welt der Vogelspinnen, aber auch erfahrene Terrarianer schätzen sie als langlebige, zuverlässige Pfleglinge.
Herkunft und Verbreitungsgebiet
Tliltocatl albopilosus stammt aus Zentralamerika, genauer gesagt aus Nicaragua, Honduras und angrenzenden Regionen. Die Art ist dort weit verbreitet und zählt zu den häufigsten bodenbewohnenden Vogelspinnen dieser Länder.
In ihrer Heimat lebt sie in unterschiedlichen Höhenlagen, meist jedoch im Tiefland bis mittleren Höhen. Durch diese breite ökologische Toleranz hat sie sich hervorragend an wechselnde Umweltbedingungen angepasst. Das erklärt auch, warum sie im Terrarium als vergleichsweise unkompliziert gilt.
Früher wurde die Art häufig unter der Gattung Brachypelma geführt, was in älterer Literatur und im Hobby bis heute nachwirkt. Die taxonomische Neuordnung führte jedoch zur heutigen Einordnung in die Gattung Tliltocatl.
Natürlicher Lebensraum
Der natürliche Lebensraum von Tliltocatl albopilosus ist geprägt von tropischen bis subtropischen Klimazonen. Die Spinnen bewohnen Waldränder, lichte Wälder, Buschlandschaften und teilweise auch landwirtschaftlich genutzte Flächen. Entscheidend ist das Vorhandensein geeigneter Versteckmöglichkeiten im Boden.
Typisch sind selbstgegrabene Erdröhren, die unter Steinen, Wurzeln oder Holzresten angelegt werden. Der Untergrund besteht meist aus lehmiger Erde, die stabil genug ist, um Höhlen zu halten, gleichzeitig aber nicht zu hart zum Graben.
Die Temperaturen in diesen Regionen schwanken tagsüber oft zwischen warmen 24 und 30 Grad, nachts kann es spürbar abkühlen. Die Luftfeuchtigkeit variiert je nach Jahreszeit stark, was die Art sehr widerstandsfähig gegenüber Schwankungen macht.
Gattung und Familie
Tliltocatl albopilosus gehört zur Familie der Theraphosidae, den eigentlichen Vogelspinnen. Diese Familie umfasst mehrere hundert Arten weltweit und ist bekannt für ihre meist kräftig gebauten, behaarten Vertreter.
Die Gattung Tliltocatl ist relativ klein und beinhaltet mehrere mittelamerikanische Arten, die früher überwiegend der Gattung Brachypelma zugeordnet waren. Typisch für diese Gattung sind bodenbewohnende Lebensweisen, eher ruhiges Verhalten und eine vergleichsweise lange Lebenserwartung.
Die taxonomische Abgrenzung ist für Halter vor allem deshalb relevant, weil ältere Pflegeanleitungen oft noch unter dem alten Namen kursieren. An den Haltungsbedingungen hat sich dadurch jedoch nichts geändert.
Beschreibung der Art
Tliltocatl albopilosus ist eine mittelgroße bis große Vogelspinne mit kräftigem Körperbau. Weibchen erreichen eine Körperlänge von etwa 6 bis 7 Zentimetern, mit Beinspannweiten von bis zu 15 Zentimetern. Männchen bleiben etwas schlanker und meist minimal kleiner, wirken aber durch ihre längeren Beine oft größer.
Die Art ist bekannt für ihre hohe Lebenserwartung. Weibchen können bei guter Pflege problemlos 15 bis 20 Jahre alt werden, teilweise sogar älter. Männchen leben deutlich kürzer und erreichen meist nur ein Alter von 3 bis 5 Jahren.
Ihr langsames Wachstum und ihr ruhiges Wesen machen sie zu einer idealen Beobachtungsspinne, bei der nicht ständig mit hektischen Bewegungen oder aggressivem Verhalten zu rechnen ist.
Aussehen und besondere Merkmale
Das auffälligste Merkmal von Tliltocatl albopilosus sind ihre kraus wirkenden Haare, die der Art auch ihren deutschen Trivialnamen eingebracht haben. Diese Haare sind länger, leicht gewellt und verleihen der Spinne ein fast plüschiges Aussehen.
Die Grundfarbe variiert von dunkelbraun bis schwarz. Die Haare können je nach Herkunft und individueller Ausprägung hellere, manchmal leicht goldene oder graubraune Spitzen haben. Nach einer Häutung wirkt die Färbung oft besonders intensiv und kontrastreich.
Wie viele neuweltliche Vogelspinnen besitzt auch diese Art Brennhaare am Hinterleib. Diese dienen der Verteidigung und können bei Kontakt mit Haut oder Schleimhäuten Reizungen verursachen. Optisch sind diese Brennhaare meist heller gefärbt als die restliche Behaarung.
Verhalten und Charakter
Tliltocatl albopilosus gilt als sehr friedlich und ruhig. Aggressives Verhalten ist selten und tritt meist nur bei starker Bedrängung oder ungünstigen Haltungsbedingungen auf. Statt zu beißen, setzt die Art eher auf Rückzug oder das Abstreifen von Brennhaaren.
Im Terrarium zeigt sie ein eher gemächliches Verhalten. Viele Tiere verbringen einen Großteil des Tages in ihrer Höhle oder in einem selbst angelegten Versteck. Aktiv wird sie meist in den Abend- und Nachtstunden, wenn sie auf Futtersuche geht.
Ein interessantes Merkmal ist ihre Grabfreudigkeit. Auch wenn die Art oft offen sitzt, gräbt sie gerne, besonders als Jungtier oder bei frisch eingerichteten Terrarien. Dieses Verhalten sollte unbedingt durch ausreichend Bodensubstrat ermöglicht werden.
Haltung im Terrarium
Die Haltung von Tliltocatl albopilosus ist vergleichsweise einfach, solange einige grundlegende Punkte beachtet werden. Aufgrund ihrer bodenbewohnenden Lebensweise ist ein klassisches Bodenterrarium die richtige Wahl.
Für adulte Tiere eignet sich ein Terrarium mit Grundfläche von etwa 40 × 30 Zentimetern. Die Höhe sollte moderat bleiben, da Vogelspinnen bei Stürzen aus größerer Höhe schwere Verletzungen erleiden können. Ein Substrataufbau von mindestens 10 bis 15 Zentimetern ist empfehlenswert, damit die Spinne graben kann.
Als Bodengrund haben sich grabfähige Substrate wie ungedüngte Blumenerde, Lehmerde oder spezielle Terrarienerden bewährt. Eine leichte Verdichtung sorgt für stabile Höhlen.
Versteckmöglichkeiten wie Korkröhren, Wurzeln oder halbe Blumentöpfe werden meist gerne angenommen, auch wenn viele Terrarientiere später eigene Röhren anlegen.
Temperatur und Luftfeuchtigkeit
Tliltocatl albopilosus stellt keine extremen Anforderungen an das Klima. Ideal sind Temperaturen zwischen 22 und 26 Grad. Kurzzeitige Abweichungen nach oben oder unten werden in der Regel gut toleriert.
Eine Nachtabsenkung um ein paar Grad ist unproblematisch und kann sogar dem natürlichen Rhythmus entsprechen. Zusätzliche Heizquellen sind oft nicht notwendig, sofern der Raum ausreichend temperiert ist.
Die Luftfeuchtigkeit sollte moderat sein. Werte zwischen 60 und 75 Prozent haben sich bewährt. Wichtig ist dabei weniger ein konstanter Wert als vielmehr ein leicht feuchter Bodengrund im unteren Bereich, während die Oberfläche teilweise abtrocknen darf.
Ein Wassernapf sollte immer vorhanden sein, auch wenn man die Spinne selten daraus trinken sieht.
Fütterung und Ernährung
Die Kraushaar-Vogelspinne ist ein unkomplizierter Fresser. Sie nimmt gängige Futtertiere wie Grillen, Heimchen, Schaben und gelegentlich Heuschrecken problemlos an.
Jungtiere sollten ein- bis zweimal pro Woche kleinere Futtertiere erhalten. Adulte Tiere kommen meist mit einer Fütterung alle 7 bis 14 Tage aus. Überfütterung sollte vermieden werden, da stark übergewichtige Tiere anfälliger für Häutungsprobleme sein können.
Nicht gefressene Futtertiere sollten nach spätestens 24 Stunden entfernt werden, insbesondere vor Häutungen. Während einer Häutung stellt die Spinne die Nahrungsaufnahme vollständig ein, manchmal schon mehrere Wochen im Voraus.
Giftigkeit und Bedeutung für den Menschen
Tliltocatl albopilosus gehört zu den neuweltlichen Vogelspinnen und besitzt ein vergleichsweise schwaches Gift. Ein Biss ist äußerst selten und meist nur bei grobem Handling oder extremer Provokation zu erwarten.
Die Wirkung eines Bisses wird in der Regel mit einem Insektenstich verglichen. Deutlich problematischer sind die Brennhaare, die bei Hautkontakt Juckreiz, Rötungen oder bei Kontakt mit Augen und Atemwegen stärkere Reizungen verursachen können.
Aus diesem Grund sollte direkter Körperkontakt vermieden werden. Die Art eignet sich hervorragend zur Beobachtung, nicht zum Anfassen.
Vermehrung und Zucht
Die Zucht von Tliltocatl albopilosus gilt als relativ einfach und wird weltweit erfolgreich praktiziert. Voraussetzung sind ein adultes Weibchen und ein reifes Männchen.
Nach erfolgreicher Paarung produziert das Weibchen nach einigen Wochen bis Monaten einen Kokon, der mehrere hundert Eier enthalten kann. Die Entwicklungszeit hängt stark von Temperatur und Haltungsbedingungen ab.
Die Aufzucht der Jungtiere ist unkompliziert, erfordert jedoch Platz und Geduld. Jungtiere wachsen langsam und müssen regelmäßig umgesetzt werden, um Kannibalismus zu vermeiden.
Aufgrund der hohen Nachzuchtzahlen ist die Art im Hobby weit verbreitet und gilt nicht als gefährdet.
Mögliche Krankheiten und Probleme
Tliltocatl albopilosus ist robust, dennoch können bei falscher Haltung Probleme auftreten. Häufige Ursachen sind zu feuchte Bedingungen, unzureichende Belüftung oder ungeeigneter Bodengrund.
Häutungsprobleme treten meist bei falscher Luftfeuchtigkeit oder schlechter Kondition auf. Auch Verletzungen durch Stürze sind ein ernstzunehmendes Risiko, wenn das Terrarium zu hoch eingerichtet ist.
Parasiten spielen bei in Gefangenschaft gezüchteten Tieren kaum eine Rolle, können aber bei Wildfängen auftreten. Deshalb ist der Kauf von Nachzuchten grundsätzlich zu empfehlen.
Alternative Bezeichnungen und frühere Namen
Im Terraristik-Hobby ist die Art unter verschiedenen Namen bekannt. Neben Kraushaar-Vogelspinne findet man auch Bezeichnungen wie Honduras-Kraushaar oder Nicaragua-Vogelspinne.
Wissenschaftlich wurde sie lange als Brachypelma albopilosum geführt. Diese Bezeichnung ist veraltet, taucht aber noch häufig in älteren Haltungsberichten, Büchern und Foren auf.
Häufig gestellte Fragen
Ist Tliltocatl albopilosus für Anfänger geeignet?
Ja, sie gilt als eine der besten Einsteigerarten aufgrund ihres ruhigen Wesens und ihrer Robustheit.
Wie oft muss man das Terrarium reinigen?
Eine vollständige Reinigung ist selten nötig. Kot, Futterreste und alte Häute sollten regelmäßig entfernt werden.
Kann man mehrere Tiere zusammen halten?
Nein, Vogelspinnen sind Einzelgänger und sollten immer separat gehalten werden.
Braucht die Art UV-Licht?
Nein, spezielle Beleuchtung ist nicht notwendig. Ein normaler Tag-Nacht-Rhythmus reicht aus.
Fazit
Tliltocatl albopilosus ist eine nahezu ideale Vogelspinne für die Terraristik. Sie vereint ein attraktives Erscheinungsbild mit einem ruhigen Charakter und stellt nur geringe Ansprüche an ihre Haltung. Ihre Langlebigkeit macht sie zu einem langfristigen Begleiter, der über viele Jahre hinweg Freude bereitet.
Ob als erste Vogelspinne oder als Ergänzung einer bestehenden Sammlung – die Kraushaar-Vogelspinne überzeugt durch ihre Anpassungsfähigkeit und ihre faszinierende Präsenz. Wer ihr ein artgerecht eingerichtetes Terrarium bietet und ihre natürlichen Bedürfnisse respektiert, wird mit einem gesunden, eindrucksvollen Tier belohnt, das einen hervorragenden Einblick in die Welt der Vogelspinnen bietet.