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Tliltocatl vagans im Terrarium halten

Einrichtungsbeispiele mit Schwarz-rote Vogelspinne

Tliltocatl vagans im Terrarium halten (Einrichtungsbeispiele mit Schwarz-rote Vogelspinne)
Tliltocatl vagans (Schwarz-rote Vogelspinne)

Wissenswertes zu Tliltocatl vagans (Schwarz-rote Vogelspinne)

Die schwarz-rote Vogelspinne Tliltocatl vagans gehört zu den bekanntesten und am häufigsten gepflegten Vogelspinnenarten in der Terraristik. Kaum eine andere Art hat über so viele Jahre hinweg einen vergleichbaren Stellenwert eingenommen. Das liegt nicht nur an ihrem auffälligen Aussehen, sondern auch an ihrer Robustheit, ihrem meist ruhigen Verhalten und ihrer Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Haltungsbedingungen. Viele Halter kommen schon früh in ihrer Terraristik-Laufbahn mit dieser Art in Kontakt, denn sie gilt als eine der klassischen „Einsteigerarten“, ohne dabei langweilig oder unspektakulär zu sein.

Herkunft und natürlicher Lebensraum

Tliltocatl vagans stammt aus Mittelamerika. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet liegt vor allem im südlichen Mexiko, insbesondere auf der Yucatán-Halbinsel, sowie in angrenzenden Regionen von Belize und Guatemala. Dort bewohnt sie überwiegend warme, teils saisonal trockene Lebensräume. Dazu zählen lichte Wälder, Buschland, Waldränder, aber auch vom Menschen beeinflusste Gebiete wie Plantagen oder landwirtschaftliche Flächen.

Die Art ist strikt bodenbewohnend. Sie lebt in selbst gegrabenen Erdröhren oder nutzt vorhandene Hohlräume unter Steinen, Wurzeln oder Totholz. Diese Wohnröhren können überraschend tief und verzweigt sein und werden häufig mit Spinnseide ausgekleidet. Die Seide dient nicht nur der Stabilisierung, sondern auch der Wahrnehmung von Vibrationen und der Regulierung des Mikroklimas innerhalb der Röhre.

Tliltocatl vagans ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber sitzt sie meist versteckt in ihrer Behausung oder direkt am Eingang, während sie in den Abendstunden auf Beutefang geht. Durch ihre Anpassungsfähigkeit hat sie sich in einigen Regionen außerhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets etabliert, was zeigt, wie widerstandsfähig diese Art ist.

Systematik: Gattung und Familie

Familie Theraphosidae

Die schwarz-rote Vogelspinne gehört zur Familie der Theraphosidae, also zu den eigentlichen Vogelspinnen. Diese Familie umfasst weltweit mehrere tausend Arten und ist durch große, kräftig gebaute Spinnen mit dichter Behaarung gekennzeichnet. Typisch sind die massiven Cheliceren, die relativ kurzen, aber kräftigen Beine sowie das Vorhandensein von Brennhaaren bei vielen Arten aus Mittel- und Südamerika.

Vogelspinnen dieser Familie sind in nahezu allen warmen Klimazonen der Erde vertreten. Sie besiedeln sowohl tropische Regenwälder als auch Savannen, Halbwüsten und Gebirgsregionen. Die Anpassungsfähigkeit der Familie ist enorm, was sich auch in der Vielfalt an Lebensweisen widerspiegelt.

Gattung Tliltocatl

Die Gattung Tliltocatl ist vergleichsweise jung. Lange Zeit wurde Tliltocatl vagans der Gattung Brachypelma zugeordnet. Erst durch genauere morphologische und genetische Untersuchungen wurde sie in eine eigene Gattung ausgegliedert. Der Name Tliltocatl stammt aus einer indigenen Sprache Mittelamerikas und bezieht sich sinngemäß auf eine dunkle oder schwarze Spinne.

Arten dieser Gattung sind überwiegend in Mexiko und angrenzenden Regionen verbreitet. Sie zeichnen sich meist durch eine dunkle Grundfärbung mit farblich hervorgehobenen Haaren am Hinterleib aus und teilen viele Gemeinsamkeiten in Verhalten und Lebensweise.

Beschreibung und Verhalten

Tliltocatl vagans ist eine typische bodenbewohnende Vogelspinne mit ruhigem, eher defensivem Verhalten. Sie verbringt einen Großteil ihres Lebens an einem festen Standort und zeigt nur wenig Wanderbewegung. Besonders adulte Weibchen sind ausgesprochen standorttreu und verlassen ihre Wohnröhre meist nur zur Nahrungsaufnahme oder zur Paarungszeit.

Das Verhalten gilt als vergleichsweise gelassen. Bei Störungen zieht sich die Spinne in der Regel zurück oder verharrt regungslos. Erst bei stärkerer Bedrängung setzt sie ihre Brennhaare zur Verteidigung ein. Eine aktive Drohhaltung oder ein Biss sind selten und treten meist nur bei grobem Fehlverhalten des Halters auf.

Im Terrarium lässt sich Tliltocatl vagans gut beobachten. Sie sitzt häufig offen am Eingang ihrer Röhre und reagiert schnell auf Erschütterungen oder vorbeilaufende Beutetiere. Ihre Bewegungen sind eher gemächlich, was sie besonders für ruhige Beobachtungshaltung geeignet macht.

Aussehen und äußerliche Merkmale

Das Erscheinungsbild von Tliltocatl vagans ist unverwechselbar. Der Körper ist überwiegend dunkelbraun bis schwarz gefärbt. Das auffälligste Merkmal ist das Abdomen, das mit langen, rot bis ziegelrot gefärbten Haaren bedeckt ist. Diese kontrastreiche Färbung hat der Art ihren deutschen Trivialnamen eingebracht.

Der Carapax ist meist dunkel und leicht glänzend oder samtig. Je nach Individuum können leichte Farbvariationen auftreten, die von fast tiefschwarz bis zu dunklem Braun reichen. Die Beine sind kräftig, dicht behaart und ebenfalls dunkel gefärbt.

Adulte Weibchen erreichen eine Körperlänge von etwa fünf bis sechs Zentimetern. Mit Beinen kann die Spannweite bis zu 16 Zentimeter betragen. Männchen bleiben meist etwas kleiner und schlanker, besitzen längere Beine und wirken insgesamt graziler. Geschlechtsreife Männchen sind zusätzlich an den typischen Merkmalen wie den Tibialapophysen zu erkennen.

Haltung im Terrarium

Terrariengröße und Bodengrund

Für ein adultes Weibchen empfiehlt sich ein Terrarium mit einer Grundfläche von mindestens 40 × 30 Zentimetern. Die Höhe spielt eine untergeordnete Rolle, da es sich um eine bodenbewohnende Art handelt. Wichtiger ist ein ausreichend hoher Bodengrund, der Grabverhalten ermöglicht. Eine Substrathöhe von 10 bis 15 Zentimetern ist ideal.

Als Bodengrund eignen sich ungedüngte Blumenerde, Kokoshumus oder Erde-Lehm-Gemische. Wichtig ist, dass das Substrat grabfähig ist und stabile Röhren zulässt. Der untere Bereich kann leicht feucht gehalten werden, während die Oberfläche eher trocken bleiben sollte.

Einrichtung und Verstecke

Ein geeignetes Versteck ist essenziell. Korkröhren, halbe Blumentöpfe oder Wurzelstücke werden gut angenommen. Die Spinne wird das Versteck oft nach eigenen Vorstellungen umbauen und mit Erde und Gespinst anpassen.

Auf aufwendige Dekoration kann verzichtet werden. Wichtig ist vor allem Funktionalität und Sicherheit. Schwere Gegenstände sollten immer auf dem Terrarienboden stehen und nicht auf dem Substrat, um ein Einstürzen der Wohnröhre zu verhindern.

Temperatur und Luftfeuchtigkeit

Tliltocatl vagans bevorzugt Temperaturen zwischen 22 und 26 Grad Celsius. Kurzfristige Schwankungen werden gut toleriert. Nachts darf die Temperatur ruhig etwas absinken. Eine zusätzliche Beleuchtung ist nicht notwendig, da die Art nachtaktiv ist.

Die Luftfeuchtigkeit sollte moderat sein. Werte zwischen 60 und 70 Prozent haben sich bewährt. Staunässe ist unbedingt zu vermeiden, da sie zu Schimmelbildung und gesundheitlichen Problemen führen kann.

Fütterung

Die Art ist ein unkomplizierter Fresser. Geeignet sind Heimchen, Grillen, Schaben und andere Insekten entsprechender Größe. Jungtiere werden häufiger gefüttert, adulte Tiere benötigen meist nur alle ein bis zwei Wochen Nahrung. In Häutungsphasen verweigert die Spinne oft das Futter, was völlig normal ist.

Giftigkeit und Verteidigung

Das Gift von Tliltocatl vagans ist für den Menschen als mild einzustufen. Ein Biss ist selten und in der Regel nicht gefährlich. Die Wirkung entspricht etwa einem Insektenstich mit lokaler Schwellung und Schmerzen.

Deutlich relevanter sind die Brennhaare. Diese können bei Hautkontakt Juckreiz, Rötungen oder Entzündungen verursachen. Gelangen sie in die Augen oder Atemwege, kann es sehr unangenehm werden. Beim Arbeiten im Terrarium sollte daher vorsichtig vorgegangen werden.

Vermehrung und Zucht

Tliltocatl vagans lässt sich in Menschenobhut gut vermehren. Geschlechtsreife Männchen zeigen ein deutlich aktiveres Verhalten und wandern viel im Terrarium umher. Nach erfolgreicher Paarung legt das Weibchen nach einigen Wochen einen Eikokon an.

Die Anzahl der Eier kann mehrere hundert betragen. Während der Brutpflege bewacht das Weibchen den Kokon intensiv und verlässt ihre Wohnröhre kaum. Nach dem Schlupf entwickeln sich die Jungtiere relativ zügig, benötigen aber eine getrennte Aufzucht, um Kannibalismus zu vermeiden.

Die Nachzucht dieser Art ist ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz, da sie den Bedarf an Wildfängen reduziert.

Mögliche Krankheiten und Probleme

Tliltocatl vagans gilt als sehr robust. Die meisten Probleme entstehen durch falsche Haltung. Zu hohe Feuchtigkeit kann Schimmel, Milben oder bakterielle Infektionen begünstigen. Zu trockene Bedingungen können Häutungsprobleme verursachen.

Eine misslungene Häutung ist eines der größten Risiken. Sie tritt meist dann auf, wenn das Terrarientier geschwächt ist oder die klimatischen Bedingungen nicht stimmen. Sauberkeit, ein stabiles Klima und stressarme Haltung sind die besten Vorsorgemaßnahmen.

Alternative Bezeichnungen und Synonyme

Im Laufe der Jahre war die Art unter verschiedenen Namen bekannt. Zu den häufigsten gehören:

  • Schwarz-rote Vogelspinne
  • Mexikanische Rotrücken-Vogelspinne
  • Mexican Red Rump
  • Brachypelma vagans (veralteter wissenschaftlicher Name)

Diese Namensvielfalt ist auf taxonomische Änderungen und unterschiedliche Trivialnamen zurückzuführen.

Häufig gestellte Fragen

Viele Anfänger fragen sich, ob Tliltocatl vagans für den Einstieg geeignet ist. Aufgrund ihres ruhigen Wesens, ihrer Robustheit und der einfachen Haltung ist sie eine sehr gute Wahl. Dennoch sollte man sich bewusst sein, dass es sich um ein langlebiges Tier handelt.

Ein weiteres häufiges Thema ist die Lebenserwartung. Weibchen können problemlos 20 bis 25 Jahre alt werden, teilweise sogar älter. Männchen hingegen leben meist nur wenige Jahre und sterben oft kurz nach der Geschlechtsreife.

Auch das Thema Handling wird oft angesprochen. Trotz des ruhigen Verhaltens sollte die Spinne nicht auf die Hand genommen werden. Das Risiko für Verletzungen oder Stress ist zu hoch und steht in keinem Verhältnis zum Nutzen.

Fazit

Tliltocatl vagans ist eine beeindruckende, langlebige und vergleichsweise pflegeleichte Vogelspinne. Ihr markantes Aussehen, das ruhige Verhalten und die gute Anpassungsfähigkeit machen sie zu einer der beliebtesten Arten in der Terraristik. Sie eignet sich hervorragend für Halter, die Wert auf Beobachtung legen und ein stabiles, naturnahes Terrarium pflegen möchten.

Mit artgerechter Haltung, Geduld und Respekt kann diese schwarz-rote Vogelspinne über viele Jahre hinweg ein faszinierender Pflegling sein und einen tiefen Einblick in die Welt der bodenbewohnenden Vogelspinnen ermöglichen.

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