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Neoglyphidodon polyacanthus im Aquarium halten

Einrichtungsbeispiele mit Mehrstachel-Riffbarsch

Neoglyphidodon polyacanthus im Aquarium halten (Einrichtungsbeispiele mit Mehrstachel-Riffbarsch)
Neoglyphidodon polyacanthus (Mehrstachel-Riffbarsch) - Bildquelle: Das Bild stammt von der freien Enzyklopädie Wikipedia. Lizenzhinweise: Susan Prior, Neoglyphidodon polyacanthus 372546851 (cropped), CC BY 4.0

Wissenswertes zu Neoglyphidodon polyacanthus (Mehrstachel-Riffbarsch)

Der Mehrstachel-Riffbarsch, wissenschaftlich Neoglyphidodon polyacanthus, gehört zu den bekanntesten, aber auch zu den am häufigsten unterschätzten Rifffischen der Aquaristik. Viele Aquarianer begegnen ihm schon sehr früh, denn als Jungtier wirkt er friedlich, robust und farblich attraktiv. Doch mit zunehmendem Alter zeigt dieser Fisch ein ganz anderes Verhalten, das ihn deutlich anspruchsvoller macht, als es auf den ersten Blick scheint.

Herkunft und natürlicher Lebensraum

Neoglyphidodon polyacanthus stammt aus dem Indopazifik und ist dort weit verbreitet. Sein Verbreitungsgebiet reicht vom Roten Meer über den Indischen Ozean bis in den westlichen Pazifik, einschließlich Indonesien, Papua-Neuguinea, der Philippinen, dem Great Barrier Reef und zahlreichen Inselgruppen.

In der Natur lebt der Mehrstachel-Riffbarsch bevorzugt in flachen Korallenriffen, Lagunen und küstennahen Riffbereichen. Besonders häufig ist er in Zonen anzutreffen, in denen verzweigte Steinkorallen, Felsstrukturen und Geröllfelder ein dichtes Labyrinth aus Verstecken bilden. Dort hält er sich meist in Bodennähe auf und verteidigt ein klar abgegrenztes Revier.

Jungtiere leben oft etwas zurückgezogener in flacheren, geschützten Bereichen, während adulte Tiere zunehmend territoriales Verhalten zeigen und exponiertere Revierplätze besetzen. Die Wassertiefen reichen von wenigen Dezimetern bis etwa 20 Meter, wobei die Tiere meist in den oberen Riffzonen anzutreffen sind.

Gattung und Familie

Der Mehrstachel-Riffbarsch gehört zur:

  • Familie: Pomacentridae (Riffbarsche)
  • Gattung: Neoglyphidodon
  • Art: Neoglyphidodon polyacanthus

Die Familie der Pomacentridae umfasst mehrere hundert Arten, darunter Clownfische und zahlreiche Riffbarsche. Charakteristisch für diese Familie sind ihre kompakte Körperform, das oft territoriale Verhalten und die hohe Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Riffbereiche.

Die Gattung Neoglyphidodon unterscheidet sich von anderen Riffbarschen vor allem durch ihre kräftige Statur, die ausgeprägte Revierverteidigung und die oft starke Veränderung der Färbung zwischen Jugend- und Erwachsenenstadium.

Beschreibung und allgemeine Merkmale

Neoglyphidodon polyacanthus ist ein mittelgroßer Riffbarsch, der in der Natur eine Länge von etwa 12 bis 15 Zentimetern erreichen kann. Im Aquarium bleiben die Tiere oft etwas kleiner, wobei gut gepflegte Exemplare durchaus ebenfalls zweistellige Zentimetergrößen erreichen.

Der Körper ist hochrückig, seitlich stark abgeflacht und wirkt sehr kompakt. Die Rückenflosse ist durchgehend und trägt mehrere kräftige Stachel, die dem Fisch seinen deutschen Namen eingebracht haben. Auch die Afterflosse besitzt Stacheln, die bei Revierkämpfen eine gewisse Schutzfunktion erfüllen.

Ein markantes Merkmal ist die starke Entwicklung der Brustflossen, die dem Fisch eine präzise Manövrierfähigkeit im komplexen Riff ermöglicht. Dadurch kann er blitzschnell wenden, kurze Sprints ausführen und Eindringlinge effektiv vertreiben.

Aussehen und Farbvarianten

Das Aussehen von Neoglyphidodon polyacanthus verändert sich im Laufe seines Lebens deutlich.

Jungtiere

Jungfische sind besonders attraktiv und wirken auf viele Aquarianer harmlos. Sie zeigen meist eine hellbraune bis beige Grundfärbung mit zwei auffälligen weißen bis hellblauen Längsstreifen entlang der Körperseiten. Diese Zeichnung dient vermutlich der Tarnung und der innerartlichen Kommunikation.

In diesem Stadium sind die Tiere vergleichsweise friedlich und werden häufig in Gesellschaftsbecken gehalten, was später oft zu Problemen führt.

Adulte Tiere

Mit zunehmendem Alter verlieren die Mehrstachel-Riffbarsche ihre Streifenzeichnung. Erwachsene Tiere sind meist dunkelbraun, graubraun oder fast schwarz gefärbt. Die Flossen können dunkle bis leicht transparente Ränder aufweisen. Insgesamt wirkt das Erscheinungsbild deutlich unscheinbarer als im Jugendstadium.

Diese Farbveränderung geht Hand in Hand mit einer deutlichen Veränderung im Verhalten, insbesondere mit zunehmender Territorialität und Aggressivität.

Verhalten und Charakter

Das Verhalten von Neoglyphidodon polyacanthus ist eines der wichtigsten Themen bei der Aquarienhaltung.

Territorialität

Erwachsene Tiere sind stark territorial. Sie verteidigen ihr Revier energisch gegen Artgenossen und andere Fische, die ihnen zu nahe kommen. Besonders kleinere oder ruhigere Arten werden häufig bedrängt und können dauerhaftem Stress ausgesetzt sein.

Das Revier wird nicht nur visuell verteidigt, sondern auch aktiv durch Scheinangriffe, Verfolgungsjagden und gelegentliche Bisse. Selbst deutlich größere Fische werden nicht immer respektiert.

Innerartliches Verhalten

Gegenüber Artgenossen ist der Mehrstachel-Riffbarsch meist äußerst aggressiv. Die Haltung mehrerer Exemplare ist nur in sehr großen Aquarien mit klar getrennten Revieren möglich und selbst dann riskant. In kleineren Becken endet dies fast immer mit schweren Verletzungen oder dem Tod eines Tieres.

Aktivitätsmuster

Neoglyphidodon polyacanthus ist tagaktiv und ständig in Bewegung. Er inspiziert sein Revier, sucht nach Futter und reagiert sofort auf Veränderungen in seiner Umgebung. Diese Wachsamkeit macht ihn zwar interessant zu beobachten, kann aber für andere Beckenbewohner belastend sein.

Haltung im Aquarium

Aquariengröße

Für die dauerhafte Haltung eines ausgewachsenen Mehrstachel-Riffbarsches sollte das Aquarium mindestens 500 bis 600 Liter fassen. Kleinere Becken sind allenfalls für Jungtiere geeignet und sollten nur als Übergangslösung betrachtet werden.

Je größer das Becken, desto besser lassen sich Aggressionen verteilen und territoriale Konflikte entschärfen.

Beckenstruktur

Eine durchdachte Riffstruktur ist entscheidend. Das Meerwasseraquarium sollte viele Felsaufbauten, Höhlen, Spalten und Sichtbarrieren bieten. Diese helfen nicht nur dem Riffbarsch selbst, sondern schützen auch andere Fische, indem sie Rückzugsmöglichkeiten schaffen.

Offene Schwimmzonen sollten klar von dicht strukturierten Bereichen getrennt sein. So kann der Fisch sein Revier definieren, ohne das gesamte Becken zu dominieren.

Wasserwerte

Der Mehrstachel-Riffbarsch ist relativ tolerant, dennoch sollten stabile Meerwasserwerte eingehalten werden:

  • Temperatur: 24–27 °C
  • pH-Wert: 8,0–8,4
  • Dichte: 1,022–1,025
  • Nitrit: nicht nachweisbar
  • Nitrat: möglichst unter 25 mg/l

Stabile Bedingungen sind wichtiger als das Erreichen perfekter Idealwerte.

Vergesellschaftung

Die Vergesellschaftung gilt als schwierig. Geeignet sind vor allem:

Ungeeignet sind:

  • kleine, friedliche Fische
  • Grundeln und Leierfische
  • Seepferdchen
  • sehr ruhige oder langsame Arten

Korallen werden in der Regel nicht gefressen, können aber durch das aggressive Schwimmverhalten indirekt geschädigt werden.

Ernährung

Neoglyphidodon polyacanthus ist omnivor. In der Natur ernährt er sich von Algen, Detritus, kleinen Krebstieren und Zooplankton.

Im Aquarium sollte die Ernährung abwechslungsreich gestaltet werden:

  • hochwertiges Flocken- und Granulatfutter
  • Frostfutter wie Mysis, Artemia, Krill
  • pflanzliche Anteile wie Algenflocken oder Spirulina
  • gelegentlich feines Granulat für Meerwasserfische

Mehrere kleine Fütterungen pro Tag sind besser als eine große. Eine ausgewogene Ernährung kann helfen, übermäßige Aggressionen etwas zu reduzieren, ersetzt aber keine ausreichende Beckengröße.

Giftigkeit und Gefahrenpotenzial

Neoglyphidodon polyacanthus gilt nicht als giftig im klassischen Sinne. Allerdings besitzen die Flossenstacheln eine gewisse Schutzfunktion. Bei grober Handhabung oder Stress kann es zu schmerzhaften Stichen kommen, die in seltenen Fällen leichte Entzündungen verursachen.

Beim Arbeiten im Aquarium sollte daher immer vorsichtig agiert werden, insbesondere beim Umsetzen oder Einfangen des Fisches.

Vermehrung und Zucht

Fortpflanzung in der Natur

In freier Wildbahn ist der Mehrstachel-Riffbarsch ein Substratlaicher. Das Männchen bereitet eine geeignete Fläche auf Felsen oder hartem Untergrund vor. Das Weibchen legt dort die Eier ab, die anschließend vom Männchen bewacht und befächelt werden.

Während der Brutpflege zeigt das Männchen ein extrem aggressives Verhalten gegenüber allen Eindringlingen.

Nachzucht im Aquarium

Die Zucht im Aquarium ist grundsätzlich möglich, aber sehr anspruchsvoll. Hauptprobleme sind:

  • starke Aggression während der Brutzeit
  • Aufzucht der Larven, die planktonisch leben
  • hoher Bedarf an Lebendfutter wie Rädertierchen und Copepoden

Eine gezielte Nachzucht erfordert separate Zuchtbecken, Erfahrung mit mariner Larvenzucht und viel Zeit. Für die meisten Hobbyaquarianer ist sie nicht realistisch.

Mögliche Krankheiten

Der Mehrstachel-Riffbarsch gilt als robust, kann aber dennoch an typischen Meerwassererkrankungen leiden:

  • Pünktchenkrankheit (Cryptocaryon irritans)
  • Samtkrankheit (Amyloodinium)
  • bakterielle Flossenfäule
  • Hauttrübungen bei Stress

Stress durch zu kleine Becken oder ungeeignete Vergesellschaftung ist eine der Hauptursachen für Krankheitsausbrüche. Eine stabile Wasserqualität und stressarme Umgebung sind die beste Prävention.

Alternative Bezeichnungen

Neoglyphidodon polyacanthus ist unter verschiedenen Namen bekannt:

  • Mehrstachel-Riffbarsch
  • Many-spined Damselfish
  • Polyacanthus Riffbarsch
  • Schwarzer Riffbarsch (für adulte Tiere)

Je nach Region und Handelsquelle können die Namen variieren, was bei der Identifikation beachtet werden sollte.

Häufige Fragen (FAQ)

Ist der Mehrstachel-Riffbarsch für Anfänger geeignet?

Eher nicht. Zwar ist er robust, aber sein aggressives Verhalten macht ihn für Einsteiger problematisch.

Kann man ihn einzeln halten?

Ja, und das ist sogar die empfohlene Haltungsform im Aquarium.

Frisst er Korallen?

In der Regel nicht, aber er kann sie durch ständiges Umherjagen beschädigen.

Wie alt wird Neoglyphidodon polyacanthus?

Bei guter Pflege kann er 8 bis 10 Jahre alt werden.

Fazit

Neoglyphidodon polyacanthus ist ein faszinierender, aber anspruchsvoller Riffbarsch. Seine robuste Natur und hohe Anpassungsfähigkeit stehen im starken Kontrast zu seinem aggressiven Verhalten im Erwachsenenalter. Wer ausreichend Platz, Erfahrung und eine passende Fischgesellschaft bieten kann, wird mit einem aktiven, intelligenten und langlebigen Bewohner belohnt. Für kleine Gesellschaftsaquarien oder friedliche Riffbecken ist der Mehrstachel-Riffbarsch jedoch keine gute Wahl. Eine ehrliche Einschätzung der eigenen Möglichkeiten ist daher entscheidend, um sowohl dem Fisch als auch den anderen Beckenbewohnern gerecht zu werden.

Haltungsbedingungen

Um Neoglyphidodon polyacanthus (Mehrstachel-Riffbarsch) möglichst artgerecht zu halten, empfehlen wir nachfolgende Bedingungen zu schaffen. Vor allem bei der Angabe zur Mindestgröße bitten wir zu beachten, dass die optimalen Verhältnisse unter Umständen erst in wesentlich größeren Aquarien hergestellt werden können.

  • Wassertemperatur: 24° bis 27°C
  • pH-Wert: 8.0 bis 8.4
  • Mindestaquariengröße: 500 Liter