Lebens(t)räume für Menschen, Tiere & Pflanzen
Gestaltungsbeispiele für naturnahe Lebensräume
Einrichtungsbeispiele.de-Logo
Neu
Login
Wir werden unterstützt von:

Stegastes rectifraenum im Aquarium halten

Einrichtungsbeispiele mit Cortez-Riffbarsch

Stegastes rectifraenum im Aquarium halten (Einrichtungsbeispiele mit Cortez-Riffbarsch)
Stegastes rectifraenum (Cortez-Riffbarsch) - Bildquelle: Das Bild stammt von der freien Enzyklopädie Wikipedia. Lizenzhinweise: Martin Purdy, Stegastes rectifraenum 53801865, CC BY 4.0

Wissenswertes zu Stegastes rectifraenum (Cortez-Riffbarsch)

Der Cortez-Riffbarsch, wissenschaftlich Stegastes rectifraenum, gehört zu den auffälligeren, aber auch anspruchsvolleren Vertretern der Riffbarsche. Trotz seiner vergleichsweise geringen Körpergröße ist er ein Fisch mit starkem Charakter, klar ausgeprägtem Territorialverhalten und interessanten biologischen Eigenschaften. In der Aquaristik wird er eher selten gepflegt, was vor allem an seinem Verhalten und seinen speziellen Ansprüchen liegt. Wer sich jedoch intensiv mit ihm beschäftigt und bereit ist, sein Aquarium konsequent auf diesen Fisch auszurichten, kann einen äußerst spannenden Pflegling erleben.

Herkunft und natürlicher Lebensraum

Stegastes rectifraenum stammt aus dem östlichen Pazifik und ist dort insbesondere im Golf von Kalifornien, auch bekannt als Sea of Cortez, verbreitet. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich entlang der Küsten Mexikos bis hinunter nach Zentralamerika. Er bewohnt überwiegend flache Korallen- und Felsriffe, meist in Tiefen zwischen einem und zehn Metern.

Typisch für seinen Lebensraum sind strukturreiche Riffe mit vielen Spalten, Höhlen und festen Substraten. Dort verteidigt er kleine Reviere, die oft von Algenrasen bewachsen sind. Diese Algenflächen spielen eine wichtige Rolle für seine Ernährung und sein Sozialverhalten, denn sie werden aktiv gepflegt und aggressiv gegen Eindringlinge verteidigt.

Die natürlichen Umweltbedingungen sind relativ stabil:

Wassertemperaturen liegen meist zwischen 24 und 28 °C, der Salzgehalt ist konstant, und die Wasserbewegung reicht von mäßig bis stark. Diese Faktoren sind für die Aquarienhaltung entscheidend und sollten möglichst exakt nachgeahmt werden.

Systematik: Gattung und Familie

Stegastes rectifraenum gehört zur Familie der Pomacentridae, den Riffbarschen. Diese Familie umfasst mehrere hundert Arten, darunter auch bekannte Gattungen wie Amphiprion (Anemonenfische) oder Chromis.

  • Familie: Pomacentridae
  • Gattung: Stegastes
  • Art: Stegastes rectifraenum

Die Gattung Stegastes ist bekannt für besonders territoriale Arten. Viele Vertreter sind ausgesprochene Einzelgänger, die selbst deutlich größere Fische aus ihrem Revier vertreiben. Stegastes rectifraenum bildet hier keine Ausnahme und gilt innerhalb der Gattung sogar als besonders durchsetzungsstark.

Beschreibung und allgemeine Merkmale

Stegastes rectifraenum ist ein eher kleiner, aber kompakt gebauter Fisch. Ausgewachsene Tiere erreichen eine Länge von etwa 10 bis maximal 12 Zentimetern. Sein Körper ist hochrückig, seitlich abgeflacht und sehr kräftig proportioniert.

Charakteristisch ist seine aufrechte Schwimmhaltung und die ständige Präsenz in seinem Revier. Er bewegt sich meist nur wenige Meter von seinem bevorzugten Platz weg und kehrt immer wieder dorthin zurück. Diese Standorttreue macht ihn im Aquarium gut beobachtbar, setzt aber auch voraus, dass ausreichend Struktur vorhanden ist.

Aussehen und Färbung

Die Färbung von Stegastes rectifraenum ist vergleichsweise schlicht, aber dennoch markant. Der Körper zeigt meist einen graubraunen bis olivfarbenen Grundton, der je nach Stimmung, Alter und Beleuchtung variieren kann. Besonders auffällig ist ein dunkler Fleck im Bereich der Rückenflosse, der vor allem bei Jungtieren deutlich sichtbar ist.

Jungtiere unterscheiden sich optisch stark von adulten Tieren. Sie sind kontrastreicher gefärbt, oft mit dunkleren Zeichnungen und klareren Konturen. Mit zunehmendem Alter verblassen diese Muster etwas, und die Färbung wird homogener.

Die Flossen sind transparent bis leicht bräunlich, manchmal mit dunklen Rändern. Die Augen sind relativ groß und aufmerksam wirkend, was gut zum wachsamen Verhalten dieses Fisches passt.

Verhalten und Charakter

Das Verhalten von Stegastes rectifraenum ist einer der wichtigsten Punkte, die bei der Aquarienhaltung berücksichtigt werden müssen. Dieser Fisch ist hochgradig territorial und verteidigt sein Revier kompromisslos.

In freier Natur umfasst ein Revier oft nur wenige Quadratmeter, wird aber mit großer Aggressivität verteidigt. Eindringlinge, egal ob Artgenossen oder andere Fischarten, werden aktiv attackiert. Dabei schreckt Stegastes rectifraenum auch nicht davor zurück, deutlich größere Fische anzugreifen.

Im Aquarium zeigt sich dieses Verhalten besonders ausgeprägt, da der Raum begrenzt ist. Ohne geeignete Planung kann es schnell zu Dauerstress oder Verletzungen bei anderen Fischen kommen. Aus diesem Grund ist Stegastes rectifraenum nur bedingt gesellschaftstauglich.

Gegenüber dem Pfleger kann er ebenfalls ein ausgeprägtes Verhalten zeigen. Manche Tiere greifen sogar Hände oder Werkzeuge an, wenn diese in ihr Revier eindringen. Dieses Verhalten ist nicht aggressiv im klassischen Sinne, sondern ein instinktiver Schutzmechanismus.

Haltung im Aquarium – grundlegende Anforderungen

Die Haltung von Stegastes rectifraenum erfordert Erfahrung und eine gute Planung. Er ist kein Fisch für Einsteiger und sollte nur in Aquarien gepflegt werden, die gezielt auf seine Bedürfnisse abgestimmt sind.

Aquariengröße

Ein einzelnes Tier sollte in einem Meerwasseraquarium mit mindestens 300 Litern Volumen gehalten werden. Größer ist immer besser, da mehr Raum für Revierbildung und Ausweichmöglichkeiten vorhanden ist. Bei kleineren Becken steigt die Aggressivität deutlich an.

Eine Paar- oder Gruppenhaltung ist nur in sehr großen Aquarien möglich und selbst dann mit Vorsicht zu genießen. In den meisten Fällen ist die Einzelhaltung die sicherste Option.

Einrichtung und Struktur

Eine stark strukturierte Riffgestaltung ist essenziell. Lebendgestein mit vielen Spalten, Höhlen und Plateaus ermöglicht es dem Fisch, ein festes Revier zu etablieren. Glatte, offene Becken ohne klare Reviergrenzen führen fast immer zu Stress und aggressivem Verhalten.

Algenbewuchs ist ausdrücklich erwünscht. Stegastes rectifraenum nutzt Algenrasen nicht nur als Nahrungsquelle, sondern auch als zentralen Bestandteil seines Territoriums. Ein zu steriles Aquarium mit permanentem Algenentfernen widerspricht seinem natürlichen Verhalten.

Wasserwerte

Stabile Wasserwerte sind für diese Art besonders wichtig:

  • Temperatur: 24–27 °C
  • pH-Wert: 8,0–8,4
  • Karbonathärte: 7–10 dKH
  • Salzgehalt: 1,023–1,025
  • Nitrat: möglichst unter 10 mg/l

Plötzliche Schwankungen sollten unbedingt vermieden werden, da sie Stress und Krankheitsanfälligkeit begünstigen.

Vergesellschaftung

Die Vergesellschaftung von Stegastes rectifraenum ist schwierig und sollte nur mit Bedacht erfolgen. Ruhige, zurückhaltende Fischarten werden häufig massiv bedrängt. Besonders problematisch sind andere Riffbarsche, grundelartige Fische oder langsam schwimmende Arten.

Geeignet sind allenfalls robuste, größere Arten, die sich nicht leicht einschüchtern lassen und andere Bereiche des Aquariums nutzen. Dennoch bleibt immer ein Restrisiko, und viele Halter entscheiden sich bewusst für eine artgerechte Einzelhaltung.

Wirbellose wie Garnelen, Schnecken oder Einsiedlerkrebse werden meist ignoriert, können aber ebenfalls angegriffen werden, wenn sie sich im Revier aufhalten.

Ernährung

In der Natur ist Stegastes rectifraenum ein Allesfresser mit stark pflanzlicher Ausrichtung. Ein großer Teil seiner Nahrung besteht aus Algen, Cyanobakterien und mikrobiellen Aufwüchsen. Ergänzend nimmt er kleine Wirbellose, Zooplankton und Detritus auf.

Im Aquarium sollte die Ernährung entsprechend vielseitig gestaltet werden:

  • Hochwertiges Flocken- oder Granulatfutter für Meerwasserfische
  • Pflanzliche Anteile wie Spirulina
  • Gefrorenes Futter wie Mysis oder Artemia in Maßen
  • Gelegentlich feines Frostfutter tierischen Ursprungs

Eine zu eiweißreiche Ernährung kann langfristig zu Verdauungsproblemen und Organschäden führen. Regelmäßige, kleine Fütterungen sind besser als große Portionen.

Giftigkeit

Stegastes rectifraenum gilt nicht als giftig. Weder besitzt er Giftdrüsen noch ist sein Fleisch toxisch. Dennoch sollte man vorsichtig sein, da Bisse schmerzhaft sein können, insbesondere bei territorialem Verhalten während der Brutpflege.

Für Menschen besteht keine ernsthafte Gefahr, allerdings können kleine Verletzungen entstehen, wenn der Fisch beim Hantieren im Aquarium angreift.

Vermehrung und Fortpflanzung

Die Fortpflanzung von Stegastes rectifraenum ist biologisch sehr interessant, in der Aquaristik jedoch selten erfolgreich dokumentiert.

In der Natur bilden sich Paare, die ein gemeinsames Revier besetzen. Das Weibchen legt die Eier auf festen Untergrund, meist auf glatte Felsflächen oder in Höhleneingängen. Die Eier sind klebrig und haften am Substrat.

Nach der Eiablage übernimmt das Männchen die Brutpflege. Es bewacht das Gelege aggressiv, befächelt die Eier mit den Flossen und entfernt abgestorbene Eier. Die Larven schlüpfen nach wenigen Tagen und treiben anschließend planktonisch im offenen Wasser.

Zucht im Aquarium

Eine gezielte Zucht im Aquarium ist sehr anspruchsvoll und gelingt nur unter optimalen Bedingungen. Hauptprobleme sind:

  • starke Aggression während der Brutzeit
  • empfindliche Larven
  • hoher Anspruch an lebendes Plankton

Die Larven benötigen extrem feines Lebendfutter wie Rädertierchen und später frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien. Zudem ist ein separates Aufzuchtbecken mit stabilen Wasserwerten erforderlich.

Aus diesen Gründen wird Stegastes rectifraenum bislang kaum nachgezogen und ist überwiegend als Wildfang im Handel erhältlich.

Mögliche Krankheiten

Bei guter Pflege ist Stegastes rectifraenum ein robuster Fisch. Dennoch können typischen Meerwassererkrankungen auftreten, insbesondere bei Stress oder instabilen Wasserwerten.

Häufige Probleme sind:

  • Weißpünktchenkrankheit
  • Samtkrankheit
  • bakterielle Flossenentzündungen
  • Parasitenbefall

Vorbeugend wirken stabile Wasserwerte, eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Rückzugsmöglichkeiten. Neue Fische sollten grundsätzlich in Quarantäne gehalten werden.

Alternative Bezeichnungen

Neben dem deutschen Namen Cortez-Riffbarsch ist Stegastes rectifraenum auch unter folgenden Bezeichnungen bekannt:

  • Cortez Damselfish
  • Rectifrenum Damselfish
  • Gulf Damselfish

Diese Namen werden vor allem im internationalen Handel und in englischsprachiger Literatur verwendet.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist Stegastes rectifraenum für Anfänger geeignet?

Nein, dieser Fisch ist aufgrund seines aggressiven Verhaltens und seiner speziellen Anforderungen eher für erfahrene Aquarianer geeignet.

Kann man ihn mit Korallen halten?

In der Regel ja. Er frisst keine Korallen, kann jedoch durch sein Graben und Verteidigen Sediment aufwirbeln, was empfindliche Korallen stören kann.

Wie alt wird Stegastes rectifraenum?

Bei guter Pflege kann er im Aquarium 8 bis 10 Jahre alt werden.

Braucht er zwingend Algen im Aquarium?

Ja, zumindest ein natürlicher Aufwuchs ist sehr empfehlenswert, da er einen wichtigen Teil seines natürlichen Verhaltens ausmacht.

Fazit

Stegastes rectifraenum ist ein faszinierender, aber anspruchsvoller Meeresfisch. Sein ausgeprägtes Territorialverhalten, seine Standorttreue und seine enge Bindung an strukturreiche Riffbereiche machen ihn zu einem echten Charakterfisch. Für Gesellschaftsaquarien ist er nur eingeschränkt geeignet, doch in einem speziell auf ihn abgestimmten Becken kann er sein volles Verhaltensspektrum zeigen.

Wer bereit ist, sich intensiv mit seinen Bedürfnissen auseinanderzusetzen und ihm den nötigen Raum zu geben, wird mit einem äußerst interessanten Pflegling belohnt, der das Aquarium mit Präsenz, Wachsamkeit und unverwechselbarem Verhalten bereichert.

Haltungsbedingungen

Um Stegastes rectifraenum (Cortez-Riffbarsch) möglichst artgerecht zu halten, empfehlen wir nachfolgende Bedingungen zu schaffen. Vor allem bei der Angabe zur Mindestgröße bitten wir zu beachten, dass die optimalen Verhältnisse unter Umständen erst in wesentlich größeren Aquarien hergestellt werden können.

  • Wassertemperatur: 24° bis 27°C
  • pH-Wert: 8.0 bis 8.4
  • Mindestaquariengröße: 300 Liter