Stegastes partitus im Aquarium halten
Einrichtungsbeispiele mit Zweifarben-Riffbarsch

Wissenswertes zu Stegastes partitus (Zweifarben-Riffbarsch)
Der Zweifarben-Riffbarsch (Stegastes partitus) gehört zu den bekanntesten und gleichzeitig am häufigsten unterschätzten Meeresfischen in der Aquaristik. Auf den ersten Blick wirkt er klein, unscheinbar und harmlos, doch hinter seiner schlichten Optik steckt ein äußerst interessantes Verhalten, eine spannende Biologie und ein Charakter, der ihn klar von vielen anderen Rifffischen unterscheidet.
Herkunft und natürlicher Lebensraum
Stegastes partitus stammt aus dem westlichen Atlantik und ist dort weit verbreitet. Sein Verbreitungsgebiet reicht von Florida und den Bahamas über die Karibik bis hin zur Küste Mittelamerikas. Besonders häufig findet man ihn an flachen bis mitteltiefen Riffen, Lagunen und Korallenplateaus.
In der Natur lebt der Zweifarben-Riffbarsch bevorzugt in klaren, warmen Gewässern mit Temperaturen zwischen 24 und 28 Grad Celsius. Er hält sich meist in Tiefen von etwa 1 bis 15 Metern auf, wobei Jungtiere oft flacher vorkommen als adulte Tiere. Typisch für seinen Lebensraum sind Korallenriffe mit vielen Versteckmöglichkeiten, Algenbewuchs und kleinen Höhlen.
Ein entscheidender Punkt für das Verständnis dieser Art ist ihr territoriales Verhalten. Stegastes partitus besetzt in der Natur kleine Reviere, die er energisch gegen Eindringlinge verteidigt. Diese Reviere enthalten meist Algenrasen, die dem Fisch als Nahrungsquelle dienen. Genau dieses Verhalten zeigt sich später auch im Aquarium.
Systematik: Gattung und Familie
Der Zweifarben-Riffbarsch gehört zur Familie der Riffbarsche (Pomacentridae). Diese Familie umfasst mehrere hundert Arten, darunter bekannte Gruppen wie Anemonenfische, Chromis-Arten und zahlreiche Stegastes-Arten.
Gattung: Stegastes
Die Gattung Stegastes ist bekannt für ihre ausgeprägte Territorialität. Viele Arten dieser Gattung gelten als vergleichsweise aggressiv, vor allem gegenüber Artgenossen und ähnlich gefärbten Fischen. Stegastes partitus ist innerhalb der Gattung noch eine der moderateren Arten, bleibt aber dennoch ein typischer Revierverteidiger.
Art: Stegastes partitus
Die Art wurde bereits im 19. Jahrhundert wissenschaftlich beschrieben und ist heute gut erforscht, insbesondere da sie in der Verhaltensforschung und Riffökologie häufig untersucht wird.
Beschreibung und allgemeine Merkmale
Stegastes partitus ist ein kleiner, kompakt gebauter Rifffisch, der im Aquarium in der Regel eine Endgröße von etwa 8 bis maximal 10 Zentimetern erreicht. Sein Körper ist seitlich leicht abgeflacht, typisch für viele Riffbarsche, und erlaubt ihm schnelle Wendungen sowie präzise Bewegungen zwischen Korallen und Gestein.
Seine Flossen sind verhältnismäßig kurz, aber kräftig. Die Rückenflosse ist durchgehend und leicht gezackt, während die Schwanzflosse eher rundlich bis leicht eingekerbt erscheint. Diese Körperform ist optimal an das Leben in strukturierten Riffen angepasst.
Aussehen und Farbvarianten
Der deutsche Name Zweifarben-Riffbarsch ist absolut treffend. Erwachsene Tiere zeigen eine klare Zweiteilung der Körperfarbe:
- Der vordere Körperbereich, inklusive Kopf, ist meist grau bis graubraun
- Der hintere Körperbereich, inklusive Schwanzstiel und Schwanzflosse, ist weißlich bis hellgelb
Diese Farbtrennung ist deutlich sichtbar und macht die Art leicht erkennbar. Je nach Stimmung, Rangordnung oder Stresslevel kann die Farbintensität leicht variieren. In Stresssituationen wirken die Farben oft blasser, während dominante Tiere kräftiger gefärbt erscheinen.
Jungtiere unterscheiden sich optisch deutlich von adulten Exemplaren. Sie sind insgesamt dunkler, meist grau bis schwarz, und zeigen häufig einen auffälligen hellblauen Fleck auf dem Rücken. Diese Jugendfärbung dient vermutlich dem Schutz und der Kommunikation innerhalb der Art.
Verhalten und Charakter
Das Verhalten von Stegastes partitus ist einer der wichtigsten Punkte, die Aquarianer vor der Anschaffung kennen sollten.
Territorialität
Dieser Fisch ist stark revierbildend. Er beansprucht einen festen Bereich im Aquarium und verteidigt diesen gegen andere Fische – unabhängig davon, ob diese größer sind oder nicht. Besonders betroffen sind:
- Artgenossen
- ähnlich gefärbte oder geformte Fische
- ruhige oder langsam schwimmende Arten
Das Revierverhalten äußert sich durch Drohgebärden, kurzes Verfolgen, Flossenzupfen und gelegentliches Anstoßen.
Aktivität
Stegastes partitus ist tagsüber sehr aktiv. Er patrouilliert sein Revier, sucht nach Futter und beobachtet ständig seine Umgebung. Nachts zieht er sich in eine Felsspalte oder Höhle zurück.
Intelligenz und Lernfähigkeit
Riffbarsche gelten als relativ lernfähig. Stegastes partitus erkennt seinen Pfleger oft schnell und reagiert gezielt auf Fütterungszeiten. Manche Exemplare zeigen sogar individuelles Verhalten, was sie für Beobachter besonders spannend macht.
Haltung im Aquarium – ausführliche Empfehlungen
Aquariengröße
Obwohl der Zweifarben-Riffbarsch klein bleibt, sollte man ihn nicht in zu kleinen Meerwasseraquarien halten. Eine Mindestgröße von 500 Litern ist empfehlenswert, besser sind 700 Liter oder mehr. In kleineren Becken kann sich seine Aggressivität stark zuspitzen.
Beckenstruktur
Ein gut strukturiertes Riffaquarium ist essenziell. Dazu gehören:
- Lebendgestein mit vielen Spalten und Höhlen
- klar abgegrenzte Bereiche
- Sichtbarrieren durch Korallen oder Gesteinsaufbauten
Je mehr Struktur vorhanden ist, desto besser lassen sich Revierkonflikte entschärfen.
Wasserwerte
Stegastes partitus ist relativ robust, benötigt aber stabile Bedingungen:
- Temperatur: 24–26 °C
- Salzgehalt: 34–35 PSU
- pH-Wert: 8,0–8,4
- Nitrat: möglichst unter 20 mg/l
- Nitrit: nicht nachweisbar
Regelmäßige Wasserwechsel und eine gute Filterung sind Pflicht.
Vergesellschaftung
Die Vergesellschaftung ist der kritischste Punkt bei dieser Art. Geeignete Mitbewohner sind:
- größere, selbstbewusste Fische
- flinke Arten, die sich nicht einschüchtern lassen
- nicht zu ähnliche Riffbarsche
Ungeeignet sind:
- sehr friedliche, ruhige Fische
- kleine Grundeln in sehr kleinen Becken
- andere Stegastes-Arten im gleichen Aquarium
Eine Einzelhaltung ist oft die stressärmste Lösung.
Ernährung
Stegastes partitus ist omnivor. In der Natur frisst er:
- Algenaufwuchs
- kleine Krebstiere
- Zooplankton
Im Aquarium sollte die Ernährung abwechslungsreich sein:
- hochwertiges Flocken- oder Granulatfutter
- Frostfutter wie Mysis, Artemia, Cyclops
- pflanzliche Kost, z. B. Spirulina
Mehrere kleine Fütterungen pro Tag sind besser als eine große.
Giftigkeit
Stegastes partitus ist nicht giftig und besitzt weder Giftstacheln noch toxische Schleimstoffe. Für Menschen und andere Aquarienbewohner besteht keine direkte Gefahr. Allerdings kann er beim Hantieren im Becken durchaus zubeißen, was zwar harmlos, aber überraschend sein kann.
Vermehrung und Zucht
Fortpflanzung im Aquarium
Die Zucht von Stegastes partitus ist grundsätzlich möglich, wird aber eher selten gezielt betrieben. In gut eingefahrenen Aquarien kommt es dennoch gelegentlich zur spontanen Fortpflanzung.
Paarbildung
Die Tiere leben nicht dauerhaft paarweise, sondern bilden zur Fortpflanzung temporäre Paare. Das Männchen bereitet einen Laichplatz auf festem Untergrund vor, meist auf einem flachen Stein.
Eiablage und Brutpflege
Das Weibchen legt mehrere hundert Eier ab, die anschließend vom Männchen bewacht und befächelt werden. Die Brutpflege ist intensiv, und das Männchen verteidigt das Gelege aggressiv.
Larvenaufzucht
Die größte Herausforderung ist die Aufzucht der Larven. Diese sind winzig und benötigen:
- sehr feines Lebendfutter (z. B. Rädertierchen)
- separate Aufzuchtbecken
- stabile Wasserwerte
Daher ist die erfolgreiche Nachzucht im Heimaquarium eher etwas für erfahrene Züchter.
Mögliche Krankheiten
Stegastes partitus gilt als robust, kann aber wie alle Meeresfische erkranken. Häufige Probleme sind:
- Pünktchenkrankheit bei Stress
- bakterielle Infektionen bei Verletzungen
- Flossenfransigkeit bei schlechten Wasserwerten
Stress durch falsche Vergesellschaftung ist der häufigste Auslöser. Eine ruhige Umgebung und stabile Wasserwerte sind die beste Vorsorge.
Alternative Bezeichnungen
Neben dem deutschen Namen Zweifarben-Riffbarsch ist die Art auch bekannt als:
- Bicolor Damselfish
- Bicolor Riffbarsch
- Partitus-Riffbarsch
In der Fachliteratur wird fast ausschließlich der wissenschaftliche Name verwendet.
Häufige Fragen (FAQs)
Ist Stegastes partitus für Anfänger geeignet?
Eher eingeschränkt. Die Wasserwerte sind gut beherrschbar, das Verhalten jedoch anspruchsvoll.
Kann man mehrere Exemplare zusammen halten?
Nur in sehr großen Aquarien und mit viel Struktur, sonst kommt es zu Kämpfen.
Frisst der Fisch Korallen?
Nein, er schädigt Korallen nicht direkt, kann aber durch Revierverteidigung stören.
Wie alt wird ein Zweifarben-Riffbarsch?
Bei guter Pflege können 8 bis 10 Jahre erreicht werden.
Fazit
Stegastes partitus ist ein faszinierender, charakterstarker Rifffisch, der im Aquarium für Leben, Dynamik und spannende Beobachtungen sorgt. Seine geringe Größe täuscht über seine Durchsetzungsfähigkeit hinweg. Wer ihn pflegt, sollte sein territoriales Verhalten ernst nehmen und das Becken entsprechend planen. Für Aquarianer, die robuste Fische mit Persönlichkeit schätzen und bereit sind, sich mit deren Eigenheiten auseinanderzusetzen, ist der Zweifarben-Riffbarsch eine echte Bereicherung.
Haltungsbedingungen
Um Stegastes partitus (Zweifarben-Riffbarsch) möglichst artgerecht zu halten, empfehlen wir nachfolgende Bedingungen zu schaffen. Vor allem bei der Angabe zur Mindestgröße bitten wir zu beachten, dass die optimalen Verhältnisse unter Umständen erst in wesentlich größeren Aquarien hergestellt werden können.
- Wassertemperatur: 24° bis 26°C
- pH-Wert: 8.0 bis 8.4
- Mindestaquariengröße: 500 Liter