Stegastes pelicieri im Aquarium halten
Einrichtungsbeispiele mit Mauritius-Riffbarsch

Wissenswertes zu Stegastes pelicieri (Mauritius-Riffbarsch)
Der Mauritius-Riffbarsch, wissenschaftlich Stegastes pelicieri, gehört zu den weniger bekannten, aber aquaristisch äußerst interessanten Vertretern der Riffbarsche. Obwohl er im Handel nur selten angeboten wird, gewinnt diese Art bei erfahrenen Meerwasseraquarianern zunehmend an Bedeutung. Sein markantes Verhalten, die intensive Revierbildung und die enge Bindung an das Riffsubstrat machen ihn zu einem spannenden Beobachtungsobjekt – vorausgesetzt, man kennt seine Ansprüche und Besonderheiten genau.
Herkunft und natürlicher Lebensraum
Stegastes pelicieri ist im westlichen Indischen Ozean beheimatet. Sein Verbreitungsgebiet konzentriert sich hauptsächlich auf die Gewässer rund um Mauritius und angrenzende Inselregionen. Dort lebt er bevorzugt in flachen bis mittleren Rifftiefen, meist zwischen einem und zwanzig Metern.
Typisch für seinen Lebensraum sind strukturreiche Korallenriffe mit vielen Spalten, Überhängen und Algenbewuchs. Der Mauritius-Riffbarsch hält sich vor allem in revierartigen Bereichen auf, die er aktiv gegen Artgenossen und andere Fische verteidigt. Häufig findet man ihn über felsigem Untergrund oder in der Nähe von verzweigten Steinkorallen, wo er Algenrasen pflegt, der als Nahrungsgrundlage dient.
Die Wasserbedingungen in seinem natürlichen Habitat sind stabil: Temperaturen zwischen 24 und 28 Grad Celsius, ein Salzgehalt um 35 PSU sowie sehr gute Wasserqualität mit hoher Sauerstoffsättigung. Diese Parameter sollten auch im Aquarium möglichst genau nachgebildet werden.
Gattung und Familie
Stegastes pelicieri gehört zur Gattung Stegastes, die wiederum Teil der Familie Pomacentridae ist. Diese Familie umfasst die bekannten Riffbarsche und Clownfische und zählt zu den artenreichsten Fischfamilien in tropischen Korallenriffen.
Die Gattung Stegastes ist vor allem für ihr ausgeprägtes Territorialverhalten bekannt. Viele Arten dieser Gattung sind sogenannte „Algenfarmer“: Sie verteidigen kleine Riffbereiche, in denen sie gezielt Algen wachsen lassen und diese regelmäßig abweiden. Auch Stegastes pelicieri zeigt dieses typische Verhalten, wenn auch in etwas weniger ausgeprägter Form als manche karibischen Verwandten.
Innerhalb der Pomacentridae nimmt Stegastes pelicieri eine eher zurückhaltende, aber dennoch dominante Rolle ein. Er ist kein Schwarmfisch, sondern lebt meist einzeln oder paarweise.
Beschreibung der Art
Der Mauritius-Riffbarsch ist ein kompakt gebauter, kräftiger Fisch mit einer typischen Riffbarsch-Silhouette. Sein Körper ist seitlich leicht abgeflacht, der Kopf relativ groß, mit einem kräftigen Maul, das gut an das Abweiden von Algen angepasst ist.
Die Rückenflosse ist durchgehend, mit einem vorderen, stacheligen und einem hinteren, weichstrahligen Teil. Die Brustflossen sind gut entwickelt und ermöglichen präzise Bewegungen innerhalb des Riffs. Die Schwanzflosse ist leicht gerundet, was dem Fisch Wendigkeit verleiht, jedoch keine großen Streckenflüge zulässt.
Stegastes pelicieri ist ein standorttreuer Fisch, der sich selten weit von seinem Revier entfernt. Diese Eigenschaft prägt sowohl sein Verhalten im natürlichen Lebensraum als auch im Aquarium.
Aussehen und Färbung
Die Färbung von Stegastes pelicieri ist dezent, aber dennoch charakteristisch. Grundsätzlich dominiert ein dunkler Braun- bis Grauton, der je nach Stimmung, Lichtverhältnissen und Alter variieren kann. Häufig zeigen adulte Tiere eine leicht metallische Schattierung oder bläuliche Reflexe, insbesondere im Bereich der Flanken.
Jungtiere unterscheiden sich deutlich von den Adulten. Sie sind oft heller gefärbt und zeigen kontrastreichere Zeichnungen, die im Laufe des Wachstums verblassen. Diese Jugendfärbung dient vermutlich der Tarnung und der Verringerung aggressiver Reaktionen durch adulte Artgenossen.
Ein auffälliges Merkmal können dunkle Flecken oder Schatten im hinteren Körperbereich sein, die jedoch individuell variieren. Die Augen sind relativ groß und ausdrucksstark, was dem Fisch ein wachsames Erscheinungsbild verleiht.
Die maximale Körperlänge von Stegastes pelicieri liegt bei etwa 10 bis 12 Zentimetern, womit er zu den mittelgroßen Riffbarschen zählt.
Verhalten und Sozialstruktur
Das Verhalten des Mauritius-Riffbarsches ist eines der zentralen Themen bei seiner Haltung. Stegastes pelicieri ist territorial, selbstbewusst und gegenüber Eindringlingen durchaus aggressiv. Dieses Verhalten richtet sich nicht nur gegen Artgenossen, sondern auch gegen andere Fische ähnlicher Größe oder mit ähnlichem Körperbau.
Im natürlichen Lebensraum verteidigt der Meeresfisch sein Revier energisch, zeigt Drohgebärden und kann kleinere Eindringlinge aktiv vertreiben. Im Aquarium kann sich dieses Verhalten noch verstärken, da der verfügbare Raum begrenzt ist.
Gegenüber deutlich größeren Fischen verhält sich Stegastes pelicieri meist zurückhaltender, solange diese sein Revier respektieren. Kleinere, ruhige Arten können hingegen massiv unter Druck geraten.
Innerartlich ist die Haltung mehrerer Exemplare nur in sehr großen Aquarien möglich. In kleineren Becken sollte grundsätzlich nur ein Einzeltier oder ein harmonierendes Paar gepflegt werden.
Haltung im Aquarium – Allgemeine Anforderungen
Die Haltung von Stegastes pelicieri richtet sich klar an erfahrene Meerwasseraquarianer. Zwar gilt die Art als robust, doch ihr Verhalten stellt hohe Anforderungen an Planung, Besatzwahl und Beckeneinrichtung.
Ein Meerwasseraquarium für den Mauritius-Riffbarsch sollte ein Mindestvolumen von etwa 500 Litern aufweisen. Größere Becken sind deutlich zu bevorzugen, da sie Revierbildung ermöglichen und Aggressionen entschärfen.
Die Einrichtung sollte reich an Lebendgestein sein, mit vielen Höhlen, Spalten und Sichtbarrieren. Offene Schwimmflächen sind weniger wichtig als strukturreiche Zonen. Der Fisch benötigt klar definierte Bereiche, die er als sein Territorium betrachten kann.
Die Wasserwerte sollten stabil sein: Temperaturen zwischen 24 und 26 Grad Celsius, ein pH-Wert von 8,0 bis 8,4, eine Karbonathärte von 7 bis 9 dKH sowie niedrige Nitrat- und Phosphatwerte. Schwankungen werden zwar toleriert, sollten aber vermieden werden.
Ernährung und Fütterung
In freier Natur ernährt sich Stegastes pelicieri überwiegend von Algenaufwuchs, ergänzt durch kleine Wirbellose, Zooplankton und Detritus. Diese omnivore Ernährungsweise sollte auch im Aquarium berücksichtigt werden.
Eine abwechslungsreiche Kost ist entscheidend für die Gesundheit und Farbintensität des Fisches. Hochwertige Flocken- oder Granulatfutter mit pflanzlichem Anteil eignen sich als Basis. Ergänzend sollten regelmäßig Algenprodukte, Norialgen oder Spirulina angeboten werden.
Auch Frostfutter wie Artemia, Mysis oder fein gehackte Krillstücke werden gerne angenommen. Lebendfutter spielt eine untergeordnete Rolle, kann aber zur Beschäftigung beitragen.
Mehrere kleine Fütterungen pro Tag sind besser als eine große. Überfütterung sollte vermieden werden, da dies zu Wasserbelastung und Gesundheitsproblemen führen kann.
Vergesellschaftung
Die Vergesellschaftung von Stegastes pelicieri erfordert Fingerspitzengefühl. Geeignet sind robuste, selbstbewusste Arten, die sich nicht leicht einschüchtern lassen, aber auch nicht aggressiv genug sind, um den Riffbarsch dauerhaft zu stressen.
Gut geeignet sind größere Doktorfische, bestimmte Lippfische oder ruhige Kaiserfische, sofern das Becken groß genug ist. Weniger geeignet sind kleine Grundeln, schüchterne Fische oder andere Riffbarsche ähnlicher Größe.
Wirbellose wie Garnelen, Schnecken und Einsiedlerkrebse werden meist ignoriert, solange sie nicht in direkter Nähe des Reviers agieren. Korallen werden in der Regel nicht aktiv geschädigt, allerdings kann intensives Graben oder Verteidigen in unmittelbarer Nähe zu empfindlichen Korallen problematisch sein.
Giftigkeit und Gefahrenpotenzial
Stegastes pelicieri ist nicht giftig und besitzt keine bekannten toxischen Eigenschaften. Weder für andere Aquarienbewohner noch für den Menschen geht von ihm eine direkte Vergiftungsgefahr aus.
Allerdings sollte sein aggressives Verhalten nicht unterschätzt werden. Bei Reinigungsarbeiten im Aquarium kann es vorkommen, dass der Fisch die Hand des Pflegers attackiert oder zwickt. Diese Angriffe sind harmlos, können aber überraschend sein.
Stressbedingte Aggressionen können indirekt zu Verletzungen anderer Fische führen, was wiederum Infektionen begünstigt. Eine durchdachte Haltung minimiert dieses Risiko erheblich.
Vermehrung und Fortpflanzung
In der Natur zeigt Stegastes pelicieri ein ausgeprägtes Brutpflegeverhalten. Die Tiere bilden Paare, die gemeinsam ein Gelege betreuen. Die Eier werden auf festem Substrat abgelegt, meist auf glatten Felsflächen innerhalb des Reviers.
Nach der Eiablage bewacht in der Regel das Männchen das Gelege und sorgt durch Fächeln für Sauerstoffzufuhr. Gleichzeitig verteidigt es den Brutplatz aggressiv gegen Eindringlinge. Dieses Verhalten ist für die Gattung typisch.
Im Aquarium ist die Fortpflanzung möglich, aber selten dokumentiert. Voraussetzung sind stabile Wasserwerte, ein harmonierendes Paar und ausreichend Ruhe. Die Aufzucht der Larven stellt eine besondere Herausforderung dar, da diese pelagisch sind und spezielles Aufzuchtfutter benötigen.
Die Larvenphase ist kurz, aber kritisch. Ohne gezielte Maßnahmen und Erfahrung in der Meerwasserzucht ist eine erfolgreiche Nachzucht kaum realisierbar.
Zucht im Aquarium
Die gezielte Zucht von Stegastes pelicieri im Aquarium gilt als anspruchsvoll. Während die Eiablage unter optimalen Bedingungen durchaus vorkommen kann, scheitert die Nachzucht meist an der Versorgung der Larven.
Die winzigen Larven benötigen in den ersten Lebenstagen sehr feines Lebendfutter, wie spezielle Rädertierchen oder angereicherte Mikroorganismen. Zusätzlich sind separate Aufzuchtbecken mit stabilen Bedingungen erforderlich.
Aufgrund dieser hohen Anforderungen ist die Zucht derzeit eher ein Thema für spezialisierte Züchter und Forschungseinrichtungen als für den normalen Aquarianer.
Mögliche Krankheiten
Stegastes pelicieri gilt als robust, ist jedoch nicht immun gegen typischen Meerwassererkrankungen. Besonders Stress durch falsche Vergesellschaftung oder schlechte Wasserqualität kann das Immunsystem schwächen.
Häufige Probleme sind parasitäre Erkrankungen wie Pünktchenkrankheit oder Hauttrübungen. Auch bakterielle Infektionen nach Revierkämpfen können auftreten.
Vorbeugend sind stabile Wasserwerte, abwechslungsreiche Ernährung und eine stressarme Umgebung entscheidend. Neu eingesetzte Fische sollten möglichst vorab beobachtet oder quarantänisiert werden.
Alternative Bezeichnungen
Neben der gebräuchlichen deutschen Bezeichnung Mauritius-Riffbarsch ist Stegastes pelicieri auch unter folgenden Namen bekannt:
- Mauritius Damselfish
- Pelicier’s Riffbarsch
- Stegastes aus Mauritius
Diese Bezeichnungen werden vor allem im internationalen Handel oder in Fachliteratur verwendet.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist Stegastes pelicieri für Anfänger geeignet?
Nein, die Art ist eher für fortgeschrittene Aquarianer geeignet, da ihr Verhalten Erfahrung erfordert.
Kann man mehrere Mauritius-Riffbarsche zusammen halten?
Nur in sehr großen Aquarien und mit viel Struktur. In kleineren Becken kommt es fast immer zu Konflikten.
Frisst der Mauritius-Riffbarsch Korallen?
Direkt frisst er keine Korallen, kann aber durch Revierverhalten empfindliche Arten stören.
Wie alt wird Stegastes pelicieri?
Bei guter Pflege kann er ein Alter von über zehn Jahren erreichen.
Ist der Fisch tagaktiv?
Ja, Stegastes pelicieri ist überwiegend tagaktiv und zieht sich nachts in Höhlen zurück.
Fazit
Stegastes pelicieri ist ein faszinierender, charakterstarker Riffbarsch, der mit seinem ausgeprägten Territorialverhalten und seiner Anpassungsfähigkeit beeindruckt. Für Aquarianer, die bereit sind, sich intensiv mit seinen Bedürfnissen auseinanderzusetzen, bietet er spannende Einblicke in das komplexe Sozialverhalten von Riffbarschen.
Seine Haltung erfordert ausreichend Platz, eine durchdachte Beckeneinrichtung und eine kluge Auswahl an Mitbewohnern. Wer diese Voraussetzungen erfüllt, wird mit einem langlebigen, robusten und äußerst interessanten Pflegling belohnt.
Der Mauritius-Riffbarsch ist kein Fisch für jedes Aquarium, aber für das richtige Becken eine echte Bereicherung – insbesondere für Liebhaber naturnaher Meerwasseraquaristik und verhaltensorientierter Fischhaltung.
Haltungsbedingungen
Um Stegastes pelicieri (Mauritius-Riffbarsch) möglichst artgerecht zu halten, empfehlen wir nachfolgende Bedingungen zu schaffen. Vor allem bei der Angabe zur Mindestgröße bitten wir zu beachten, dass die optimalen Verhältnisse unter Umständen erst in wesentlich größeren Aquarien hergestellt werden können.
- Wassertemperatur: 24° bis 26°C
- pH-Wert: 8.0 bis 8.4
- Mindestaquariengröße: 500 Liter