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23.02.2021 von Helga Kury

Fischgesellschaft in beengten Verhältnissen – meine Anfängerzeit

Fischgesellschaft in beengten Verhältnissen – meine Anfängerzeit

Vorwort…

Fischgesellschaft in beengten Verhältnissen – meine AnfängerzeitDamals, vor gut 30 Jahren, als vieles in der Aquaristik noch anders gemacht wurde und man so einiges in Zusammenhang mit Tieren “nicht so eng sah“, funktionierte die erfolgreiche Haltung (eigentlich Nachzucht betreffend) zwar schon, aber heute schlägt man vermutlich bei einigen Dingen die Hände über dem Kopf zusammen… Hier oute ich mich, was ich anfangs nicht richtig gemacht habe – doch aus Fehlern lernt man! Und solange man Fehler erkennt und diese ausbessert... Und auch heute noch lerne ich immer wieder Neues dazu! Vor allem bei Lebewesen darf man niemals aufhören zu lernen.

Naja, viele Fische sind mir damals eigentlich nicht gestorben, doch im Rückblick auf meine Haltung von damals muss ich sagen, dass die Fische schon in sehr beengten Verhältnissen lebten. Heute ist das weitgehend anders. Jede/r muss ständig dazulernen und vor allem in den letzten 20 Jahren hat man die Möglichkeit, das Internet zu befragen und erhält jede Menge Informationen – seit 2002 hier auf Einrichtungsbeispiele.de.

Ja, damals…

Mit der Aquaristik habe ich 1990 begonnen (Goldfische) und 1992 zog das erste Warmwasser-Aquarium ein. Ich war 14 Jahre alt und es war damals nichts so hart, wie die ein bis zwei Wochen Wartezeit, bis das Becken endlich halbwegs eingelaufen war. Drei Arten ("Schwarmfische") zogen dann ein und ich werde das niemals vergessen. Bald begann ich mich dann für Buntbarsche zu interessieren und wie kann es auch anders sein? Der erste Buntbarsch war Pelvicachromis pulcher. Ich wunderte mich damals sehr, da das Verhalten dieser Fische ganz anders war, als das der sich im Becken befindenden Gesellschaft von vier Zebrabärblingen, zwei Sumatrabarben, fünf kleinen Ancistrus-Damen (die hatte mir stolz mein Vater gebracht, die er von einem Kollegen erhalten hatte) und vier Rotaugen-Mönkhausia-Salmlern. Den Buntbarsch erhielt ich vom Schulkollegen meines Bruders. Es war ein Männchen und ich machte mich sogleich auf, ein Weibchen für ihn zu finden. Ich hatte auch Glück und die beiden interessierten sich sehr füreinander. Alsbald waren Jungfische im Becken zu sehen und meine Freude und die meiner Familie war groß.

Mein erstes Aquarium war ein 63 Liter Becken und ich hielt alle fünf aufgezählten Arten in dem Becken. Damals war es noch etwas anders in der Aquaristik – Internet gab es keines, wie es heute der Fall ist und in der Literatur waren die Beckengrößen auch nicht anders angegeben und soweit schien es mit der Gesellschaft zu klappen. Heute sollte man das natürlich nicht mehr machen. Die Fische werden alle zu groß für das Becken und Barben und Salmler sollte man in größeren Gruppen halten.

Diese Gesellschaft wäre eher etwas für ein 250 Liter Becken und die Salmler und Barben/Bärblinge sollte man etwas aufstocken...

Bald erhielt auch mein Bruder ein Aquarium und es standen zwei Becken nebeneinander. Er hatte drei Metall-Panzerwelse, ca. fünf Kupfersalmler und ein Pärchen Kampffische in dem 50cm Becken. Die Panzerwelse und Kampffische laichten sogar ab, doch wir kannten uns damals noch nicht aus und der Laich verschwand innerhalb von zwei bis drei Tagen…

Auch hier gilt – Kupfersalmler und Panzerwelse sollte man eher in einem 125 Liter Becken halten und beide aufstocken. Kampffisch-Männer hält man einzeln in 25-30 Liter Becken und man trennt die Geschlechter. (Wobei man beim trennen der Geschlechter gerade wieder etwas umzudenken beginnt…)

Wir tauschten damals öfter mal Tiere mit unseren Freunden aus, bekamen noch ein Becken (für eine Schildkröte - siehe unten) und irgendwie kam es dann dazu, dass ich fünf Neonsalmler, sieben Kardinalfische, nur mehr ein oder zwei Ancistrus-Damen und noch zwei Jungtiere der Pelvicachromis pulcher im 63 Liter Becken hatte. Vom selben Schulkollegen meines Bruders erhielt ich schließlich einen männlichen, jungen Steatocranus casuarius. Auch für dieses Tier sah ich mich nach einer Partnerin um und fand nach einiger Zeit eine. Auch diese beiden Tiere schienen sich auf Anhieb zu verstehen. Das Becken mit den 63 Liter hatte ich schön felsig eingerichtet und am Becken selbst hatte ich einen sogenannten Rucksack-Filter von Eheim angebracht, der für eine tolle Strömung sorgte, die ich genau über die “Felsen“ (Steine vom Inn) laufen lies. Von den Neonsalmlern verschwand allerdings nach und nach immer wieder einer und der Steatocranus-Mann wuchs schön heran, sodass ich bald wusste, dass der Buntbarsch eine Vorliebe für Neons haben musste. Die beiden jungen Pelvicachromis pulcher Jungtiere behelligte der Steatocranus nicht und die beiden entpuppten sich als Pärchen und schienen ihr kleines Revier auf der linken Seite des Beckens zu haben. Ich wollte sie alsbald herausfangen…

Doch die Steatocranus laichten ab und plötzlich führten auch die beiden noch jungen Pelvicachromis Jungtiere. Ich war sehr verwundert, dass diese beiden kleinen Buntbarsche auf der linken Seite des Aquariums ein vielleicht 3-4cm schmales Revier in die gesamte Tiefe des Aquariums bis zur Rückseite hatten. In der Mitte des Beckens tummelten sich die Kardinalfische und hin und wieder sah man einen Ancistrus.

Diese Gesellschaft wäre auch etwas für ein 250 Liter Becken...

Bis heute ist es mir ein Rätsel, wie diese Gesellschaft auf so engem Raum beide brüten konnten. Beiden Arten lebten mit ihren Jungtieren friedlich nebeneinander. Trotzdem fing ich die Pelvicachromis heraus und wir hatten auch schon ein drittes Becken im Zimmer stehen, das eine große Grundfläche, aber nur wenig Höhe hatte und in dem die Zebrabäblinge, Sumatrabarben, Rotaugen, ein paar andere Fische und Morla, unsere Schildkröte schwamm, die wir 1994 von unseren befreundeten Nachbars-Kindern übernahmen.

Leider starb der Steatocranus-Mann nach einiger Zeit und ich habe bis heute keine Ahnung, warum. Die Tiere hatten zwei oder dreimal abgelaicht und mehrere Jungfische waren in ihrem Becken zu sehen. (Einige der älteren Jungtiere habe ich schon abgeben können.) Sein Weibchen sollte ich später ins Tanganjikabecken setzen, in dem sie noch längere Zeit alleine lebte. Einen Großteil der Jungfische übernahm mein Arbeitskollege. Leider behielt ich keine Jungfische zurück.

Lange dauerte es nicht und das vierte Aquarium zog zu uns. Diesmal handelte es sich um ein 200 Liter Becken, für das ich schon Pläne hatte. Nachdem ich Boesmani Regenbogenfische und zwei Schwertträger (die ich vorübergehend kurze Zeit unterbrachte) in dem Becken gepflegt hatte und die mir wieder besagter Schulkollege von meinem Bruder brachte, habe ich plötzlich Blaupunktbuntbarsche im Becken. Wie ich zu diesen Tieren kam, das weiß ich leider nicht mehr. Aber eines weiß ich noch - sie vermehrten sich stark! Glücklicherweise fand ich fand jemanden, der sie mir abnahm.

Ach ja! Unsere Goldfische waren irgendwann in einen Zimmer-“Brunnen“, den wir ohne Pumpe betrieben gezogen.

Auch diese Tiere würde ich ohne Teich heute nicht mehr halten. Damals sagte man noch, dass der Fisch sich an das Becken anpassen würde. Zumindest ein 500 Liter Becken wäre für diese Fische notwendig… Besonders in der Goldfisch-Haltung gibt es vieles, das auch heute noch nicht richtig läuft.

Das 200-Liter Becken war aber jetzt endlich leer und ich konnte es endlich in mein erstes Tanganjikasee-Aquarium umwandeln. Prinzessin von Burundi war natĂĽrlich dabei!

Anfangs, bevor ich auf die Tanganjikasee Buntbarsche aufmerksam wurde, interessierte ich mich eigentlich sehr für Malawisee-Buntbarsche, doch mir kam mein Becken zu klein vor und auch in meinem Buch stand bei fast allen Malawis “Becken ab 120cm bzw. größer“ und daran hielt ich mich. Die Tanganjikas fand ich dann auch bald ob ihrer Brutpflege interessanter, als die Malawis.

Und im 63 Liter Becken? Da hatte ich zwischendurch noch Hemichromis lifalili – aber zwei Männer von – ja, schon wieder der besagte Schulkollege meines Bruders…

Für die Hemichromis-Männer besorgte ich ein Weibchen und setzte es zu den beiden Männern. Der Alpha-Mann hatte wohl zu viel Stress, jedenfalls lag er eines Tages tot im Becken. Das war mir damals ein Rätsel – heute kann ich es nachvollziehen. Der kleinere Mann, der sich anscheinend immer als Weibchen getarnt hatte, der vermehrte sich schließlich mit der Hemichromis-Dame erfolgreich und auch diese Tiere gab ich alle weiter. So schöne rot-blaue Tiere habe ich übrigens bis heute nicht mehr gesehen.

(Apropos heute - heute wĂĽrde ich diese Buntbarsche auch in einem 100cm Becken halten.)

Zwischendurch, im Jahr 1996 besorgte ich für Morla eine zweite Schildkröte – zur Gesellschaft, dachte ich mir damals. Leider war die neue Schildkröte noch so klein, dass ich sie nicht mit Morla gemeinsam pflegen konnte und so setzte ich auch sie in das 63 Liter Becken zu den Fischen bis sie größer war. Das Tier suchte ich sehr genau aus und gab ihr den Namen “Maxl“. Maxl tat den Fischen nichts und wuchs schnell und konnte bald mit Morla im großräumigeren Schildkröten-Becken schwimmen.

Fazit

Tja, meine Ersten Jahre in der Aquaristik waren sehr spannend und es geschah vieles. So habe ich ebenso Erfahrungen mit Guppys, Platys, Fadenfischen und ein paar anderen Fischen sammeln können, bis ich dann ca. ab dem Jahr 2000 keine Fische mehr halten wollte und mich dem Nachtleben (Freunde, Ausgehen, Tanzen…) hingab...

Aber lange hielt ich es nicht aus und im Jahr 2002 zog wieder ein 60cm Becken zu mir. Damals lebte ich in einer WG (Wohngemeinschaft) und alle waren total fasziniert von dem Becken. Ich pflegte zwei Jahre lang kleine Welse, sechs schwarze Phantom-Salmler und ein Pärchen Ramirezi. Aber im Jahr 2003 oder 2004 folgte mein 450 Liter Becken – und diesmal endlich mit Tropheus und es sollte nicht mehr Enden. Ein Becken nach dem anderen folgte bis ich schließlich sieben Becken hatte. Ganz schlimm wurde es aber, als ich im Jänner 2016 zum Verein "Aquarienfreunde Tirol 1990" kam. Es kamen nochmal über zehn Becken hinzu, bis im Jahr 2018 der Keller-Bau begann. Nun, im Jahr 2021 haben wir über 100 Aquarien in Keller und Wohnung stehen und wer weiß, was wir noch so alles vorhaben.

Und die beengten Verhältnisse? Die haben wir natürlich abgeschafft. Heute haben wir ohnedies meist Arten-Becken oder zumindest halten wir in größeren Aquarien möglichst nur zwei bis maximal drei Arten von Fischen drin. Beengte Verhältnisse klappen auf Dauer nicht wirklich und heute hat sich die Aquaristik zum Glück weiterentwickelt. Wir werden sehen, wohin es noch gehen wird!

Was ist jetzt eigentlich mit den beiden Schildkröten Morla und Maxl? Ja, die beiden schwimmen noch heute bei uns – aber seit bald 20 Jahren leben sie im Gartenteich und haben über die Jahre etwas Gesellschaft hinzubekommen… Unter Teichbeispiele "Schildkröten-WG" hier auf EB kann man die Tiere übrigens sehen.

Fotos zeigen ein 72 Liter Becken, das ich relativ frisch fĂĽr die Nachzucht von Blauaugen (Pseudomugil gertrudae ARU 4) eingerichtet habe.

Leider habe ich keine Bilder meiner ersten Becken. Nur ein paar alte Fotos müssten noch irgendwo vom Tanganjika- und Schildkröten-Becken sein, die jedoch ziemlich dunkel sind… Das ist eigentlich sehr schade! Damals gab es leider noch keine Plattform wie Einrichtungsbeispiele.de. Denn es macht auf alle Fälle Sinn, sein Becken wenigstens Online mit Fotos und Infos für andere und für sich selbst zu erhalten. Und es ist ein Beispiel für viele andere, die daraus lernen können!

Helga Kury fĂĽr www.einrichtungsbeispiele.de

Helga Kury

Userbild von Helga KuryHelga Kury ist Moderator*in von EB und stellt 17 Beispiele vor.

Titel: Fischgesellschaft in beengten Verhältnissen – meine Anfängerzeit (Artikel 5466)