Lebens(t)räume für Menschen, Tiere & Pflanzen
Gestaltungsbeispiele für naturnahe Lebensräume
Einrichtungsbeispiele.de-Logo
Neu
Login
Wir werden unterstützt von:

Naturteichbewohner: Abwarten oder Nachhelfen?

Lesezeit: ca. 4 Minuten
Naturteichbewohner: Abwarten oder Nachhelfen?
Naturteichbewohner: Abwarten oder Nachhelfen? - Foto 1

Nach dem Anlegen eines Naturteichs stellt sich schnell eine grundlegende Frage: Kann man der Natur nun freien Lauf lassen und darauf vertrauen, dass sich Tiere von selbst ansiedeln? Oder ist es besser, gezielt nachzuhelfen, um die gewünschte Artenvielfalt schneller zu erreichen? Beide Wege haben Vor- und Nachteile.

Natürliche Besiedlung, eine Frage der Geduld

Ein neu angelegter Teich bleibt selten lange ohne Leben. Viele Tierarten finden ganz ohne menschliches Zutun und erstaunlich schnell den Weg dorthin – vorausgesetzt, der Standort ist nicht völlig isoliert und es gibt in der Umgebung naturnahe Strukturen. Bereits nach kurzer Zeit können erste Insekten am Wasser beobachtet werden. Innerhalb von ein bis zwei Jahren siedeln sich häufig folgende Tiergruppen selbstständig an:

  • Libellen und andere wassergebundene Insekten wie Eintagsfliegen oder Köcherfliegen – ihre adulten Formen gelangen über den Luftweg zum Teich und pflanzen sich dann dort fort
  • Amphibien wie Grasfrösche, Erdkröten oder Teichmolche – sie wandern über Land auf der Suche nach geeigneten Laichgewässern. Da diese immer seltener werden, sind Amphibien „dankbare“ und sich oft schnell einfindende Teichbewohner. 
  • Kleinkrebse wie Hüpferlinge oder Wasserflöhe – ihre Eier gelangen im Ruhestadium durch Wind, Wasservögel oder an anderen Tieren angeheftet in den Teich
  • Einige Wasserschneckenarten – sie können durch Pflanzenteile oder Tiere eingeschleppt werden, siedeln sich aber nicht in jedem Fall zuverlässig an

Wer Geduld hat und auf Eingriffe verzichtet, kann beobachten, wie sich nach und nach ein komplexes Gefüge einstellt – vorausgesetzt, der Teich ist naturnah angelegt, frei von Fischen und bietet flache Uferzonen sowie vielfältige Pflanzenstrukturen.

Vorteile des natürlichen Besiedelns 

Da die Tiere sich nur ansiedeln, wenn sie auch passende Bedingungen vorfinden, benötigen sie keine weitere „Pflege“.  Es finden sich die Tiere ein, für die der Teich einen angemessenen Lebensraum bietet. Auch die Frage des Überwinterns kann so vernachlässigt werden, denn die Tiere wissen in der Regel selbst, ob ein Gewässer für sie geeignet ist.

Naturteichbewohner: Abwarten oder Nachhelfen?
Naturteichbewohner: Abwarten oder Nachhelfen? - Foto 2

Der Teich entwickelt sich organisch, was bedeutet, dass alle Arten in einem natürlichen Wechselspiel existieren und sich gegenseitig unterstützen oder gegebenenfalls auch reduzieren. Typische und gewünschte Wechselwirkungen zwischen Räubern, Beutetieren und Pflanzen können sich einstellen: „Natürliche Feinde“ sind ein wichtiger Bestandteil des Gleichgewichts im Teich und sorgen dafür, dass keine Art sich übermäßig vermehrt. 

Risiken beim Nachhelfen

Wird eine Art eingesetzt, ohne dass ihre natürlichen Gegenspieler vorhanden sind, kann sie sich übermäßig vermehren. Wasserschnecken sind hier ein Beispiel, denn mit dem passenden Nahrungsangebot, aber ohne natürliche Feinde, können sie schnell zur Plage werden und einen Teich regelrecht leerfressen. 

Verdrängung standorttypischer Arten: Auch ein vermeintlich „nützlicher“ Besatz kann langfristig negative Folgen für das ökologische Gefüge haben. Vielleicht wird so der Lebensraum „besetzt“, der einem anderen Tier fehlt.

Wer Tiere einsetzt, ist auch für ihr Wohlergehen verantwortlich und sollte sich im Vorfeld ausführlich informieren, ob diese im Teich die nötigen Bedingungen (Nahrung, Überwinterung) vorfinden. 

Wann gezieltes Einsetzen sinnvoll sein kann

In ausgewählten Fällen kann eine behutsame Unterstützung hilfreich sein – immer unter der Voraussetzung, dass auf Regionalität, Artenreinheit und ökologische Verträglichkeit geachtet wird:

  • Muscheln können durch ihre Filterleistung zur Verbesserung der Wasserqualität beitragen. Dass ihre Larven durch Vögel eingeschleppt werden und somit zufällig in den Teich gelangen, ist zwar möglich, aber nicht sehr häufig. Wer also Muscheln im Teich ansiedeln möchte, muss diese selbst einsetzen.
  • Wasserschnecken, insbesondere Arten wie die Spitzschlammschnecke oder die Posthornschnecke, helfen beim Abbau organischer Reste. Eine gezielte Zuführung kann sinnvoll sein, sollte aber nicht zu früh erfolgen: Finden die Schnecken noch nicht genug welkes Pflanzenmaterial, Algen oder Biofilm, dann fressen sie auch frische Pflanzen ab.
  • Daphnien-Kulturen (Wasserflöhe) können anfangs helfen, übermäßige Algenbildung zu kontrollieren. Sie siedeln sich meist auch selbst an, aber ein gezielter Startimpuls kann vorteilhaft sein.

Ein Gleichgewicht entsteht erst mit der Zeit

Ein Naturteich ist kein fertiges Produkt, sondern ein sich langsam entwickelndes System. Wer abwartet und beobachtet, lernt nicht nur viel über ökologische Zusammenhänge, sondern schafft die besten Voraussetzungen für ein stabiles, artenreiches Biotop. Unterstützende Maßnahmen sollten behutsam und zielgerichtet erfolgen – nicht aus Ungeduld, sondern wenn natürliche Prozesse über längere Zeit ausbleiben.

Naturteichbewohner: Abwarten oder Nachhelfen?
Naturteichbewohner: Abwarten oder Nachhelfen? - Foto 3

 

Autorin: Caroline Haller für www.einrichtungsbeispiele.de

Autor*in: Tom

Userbild von Tom
Tom ist Administrator*in von EB und stellt 12 Beispiele vor.

In den Bereichen Malawisee, Tanganjikasee, Victoriasee, West- / Zentralafrika, Südamerika, Mittelamerika, Asien/Australien, Gesellschaftsbecken, Wasserchemie, Fragen zu einrichtungsbeispiele.de steht er/sie den Usern bei Fragen kompetent als Anspechpartner zur Seite.

Titel: Naturteichbewohner: Abwarten oder Nachhelfen? (Artikel 6902)

Das könnte dich ebenfalls interessieren:

Rhododendron düngen - Der ultimative, ausführliche Guide für gesunde, kräftige Pflanzen

Rhododendron düngen - Der ultimative, ausführliche Guide für gesunde, kräftige Pflanzen

Pflanzen

Rhododendren gehören zu den beliebtesten immergrünen Ziersträuchern, weil sie mit ihren kräftigen Blütenfarben, der eleganten Wuchsform und dem üppigen Blattwerk echte Hingucker im Garten sind. Trotzdem merkt man schnell, dass diese Pflanzen ein bisschen anspruchsvoller sind als viele andere Gartenbewohner. Sie brauchen einen bestimmten Boden,

Der Teich bei Nacht - Wer kommt, wenn es dunkel wird?

Der Teich bei Nacht - Wer kommt, wenn es dunkel wird?

Allgemeine Tipps & Tricks

Ein Gartenteich verändert sich mit der Tageszeit: Was tagsüber ruhig und vertraut wirkt, wird nachts zum Schauplatz zahlreicher Aktivitäten. Viele Tiere meiden das Tageslicht, nicht aus Scheu, sondern weil sie darauf spezialisiert sind, im Dunkeln zu jagen, zu wandern oder sich zu paaren. Wer sich mit etwas Geduld und einer Taschenlampe an den Teich

Stratifikation: Die Kälte, die Samen zum Leben erweckt

Stratifikation: Die Kälte, die Samen zum Leben erweckt

Pflanzen

In der Natur ist es oft klug, Geduld zu haben. Viele Pflanzen werfen im Herbst ihre Samen ab, doch diese keimen nicht sofort. Stattdessen bleiben sie scheinbar untätig und warten – manchmal Wochen oder sogar Monate – auf den richtigen Moment. Dieser Moment wird oft durch den Winter eingeläutet. Doch warum ist das so? Hier kommt die Stratifikation

Frosch, Kröte oder Molch? Amphibienlaich im Gartenteich unterscheiden

Frosch, Kröte oder Molch? Amphibienlaich im Gartenteich unterscheiden

Allgemeine Tipps & Tricks

Wenn sich im Frühjahr Laich im Gartenteich zeigt, stellt sich schnell die Frage: Von welchem Tier stammt er? Die Eiablageformen von Amphibien sind durchaus unterschiedlich, wenn auch nicht immer eindeutig bestimmbar. Dennoch gibt es charakteristische Merkmale, die eine grobe Zuordnung ermöglichen. Ein Überblick über die gängigsten Laichformen von

Terrazzo liegt wieder im Trend: Warum der Bodenklassiker zurückkehrt - und wie man ihn richtig pflegt

Terrazzo liegt wieder im Trend: Warum der Bodenklassiker zurückkehrt - und wie man ihn richtig pflegt

Allgemeine Tipps & Tricks

Es gibt Baustoffe, die verschwinden nie ganz – sie warten nur. Terrazzo ist so einer. Jahrzehntelang galt der gesprenkelte Boden als Relikt, wurde unter Teppich, Laminat und Vinyl versteckt oder bei der Sanierung kommentarlos herausgerissen. Heute ist die Bewegung umgekehrt: Immobilieninserate werben mit dem originalen Terrazzo, Möbel- und Küchenhersteller

Brauner, vertrockneter Rasen - Lässt er sich noch retten?

Brauner, vertrockneter Rasen - Lässt er sich noch retten?

Allgemeine Tipps & Tricks

Erst verliert der Rasen an Frische, dann wirkt er stumpf, und irgendwann kippt das satte Grün in ein strohiges Gelb. Bei anhaltender Trockenheit und hohen Temperaturen gelingt es auch bei gründlicher Bewässerung oft nicht den Rasen grün zu halten, erst recht nicht, wenn um Wasser zu sparen auf das Gießen verzichtet werden muss.Wenn der Rasen in