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Neolamprologus Speciosus - Eine Artbeschreibung

Neolamprologus Speciosus - Eine Artbeschreibung
Vorwort
Literatur über den Tanganjikasee und seine Bewohner, füllt ganze Regale und Buntbarsche - besonders aus Ostafrika - erfreuen sich einer immer noch wachsenden Fangemeinde. Die Auswahl ist groß! Warum also sollte man sich ausgerechnet für die Pflege von Schneckencichliden entscheiden, wo doch bei weitem farbenprächtigere Vertreter der "Buntbarschfamilie" zur Auswahl stehen. Die Antwort ist banal: Weil sie zu den interessantesten Aquarienfischen der Welt zählen!

Der Artname - Neolamprologus speciosus
N. sp. wird in älterer Literatur auch als Lamprologus speciosus bezeichnet. Es gibt diverse Diskussionen, welche Gattungsbezeichnung nun die korrekte ist. Lassen wir das die Wissenschaft klären, der Artname
"speciosus" ist unstreitig und bedeutet " der Wohlgestaltete".

natürlicher Lebensraum
N. sp. wurde 1991 von Büscher erstmals beschrieben. Die Tiere kommen endemisch im südlichen Teil des Tanganjikasees vor. Der Typusfundort liegt an der zum Kongo gehörigen Westküste, an einem ca. 60 km langen Uferabschnitt nahe Moba und Bwassa. Die kleinen Schneckenbuntbarsche leben in einer Tiefe zwischen 5m und 40m über sandigem Grund, mit Geröll- und Felseinlagerungen.

Ernährung
Die Fische ernähren sich karnivor von Krebstieren und Zuckmückenlarven. Mit Sicherheit werden auch andere Insektenlarven nicht verschmäht. Dieser Speiseplan lässt sich im AQ sowohl mit Lebend- als auch mit Frostfutter nachstellen (bitte keine roten Mückenlarven oder Tubifex!) Ergänzend bietet der Handel eine Vielzahl an Flocken- und Granulatfuttern an, die auch für N. sp. in Frage kommen. Der Zusatz von Vitaminen ist ratsam.

Das Äußere
N. sp. hat sich durch eine Reduktion der Wirbelkörper, mit einem verkürzten Körperbau an die Gehäuse der Neothauma-Schnecke angepasst und ist zeitlebens an sie gebunden (im AQ leisten Weinbergschneckenhäuser adäquaten Ersatz). Seine Grundfärbung ist weitgehend olivebraun bis bräunlich, auch gelbe Farbeinlagerungen sind möglich. Die Bauchregion ist violett bis hellblau schimmernd und gleichfarbige Glanzschuppen ziehen sich über die unteren Seiten. Je nach Stimmung zeigen die Tiere wolkige dunkle Flecken. Wer schon einmal den Begriff "...sich schwarz ärgern" gehört hat, weiss sofort woher er stammen könnte, wenn diese Fische Meinungsverschiedenheiten austragen.

Körpergröße
Männchen erreichen eine Endgröße von 5 cm (im AQ auch schon mal bis 6 cm - wenn sie bereits juvenil und weiter fortlaufend zu gut gefüttert werden- das kennt man auch von anderen Barschen im AQ!), Weibchen bleiben mit 4 cm etwas kleiner. Damit zählt N. sp. zu den kleinsten Buntbarschen im See. Büscher entdeckte 1996 eine ungewöhnlich kleine Morphe. Diese isoliert lebende Population, hatte mit einer Körpergröße von 3 cm, das Fehlen von Neothaumagehäusen an dieser Stelle des Sees, durch die Nutzung der kleineren Schneckenhäuser von Lavigeria grandis kompensiert.
Büscher untersuchte, ob der Zwergenwuchs dieser Morphe genetisch bedingt, oder schlicht eine Reaktion auf die Umweltbedingungen war. Im AQ stellte er den adulten Tieren der kleinwüchsigen Morphe, die größeren Häuser der Neothauma-Schnecke zur Verfügung. Als nach einigen Monaten fast alle Tiere Ihre normale Körpergröße erreichten, schlußfolgerte er, dass der Zwergenwuchs nicht angeboren, sondern der geringen Größe, der zur Verfügung stehenden Schneckenhäuser geschuldet war.

Monogam oder Polygam
Diese Frage ist bei N. sp. nicht ohne weiteres zu beantworten. Zwar leben die Tiere bei weit verstreutem Vorkommen auch monogam, neigen jedoch nach Büscher und Konnings Beobachtungen im See, gern zur Haremsbildung, wenn sich die Gelegenheit ergibt.
Handelt es sich um eine monogame Verpaarung lebt nur ein Weibchen im oder neben dem Revier des Männchens. Beide bewohnen Ihr eigenes Schneckenhaus. Leben mehrere Weibchen im oder neben Revier des Männchens, spricht man von einem Harem oder einer polygamen Verpaarung. Auch hier bewohnt jeder Fisch sein Schneckenhaus und das Männchen laicht Reih um mit den Weibchen ab.

Reviergröße
Im See ist die Größe der beanspruchten Reviere recht unterschiedlich. Männchenreviere sind größer als Reviere von Weibchen. Im Extremfall wird vom Weibchen nur das eigene Schneckenhaus verteidigt, Männchen beanspruchen zw. 20 bis 40 Quadratzentimetern, wobei dies die Reviere der Weibchen inkludieren kann, aber nicht zwingend muss.

Aggressionsverhalten
Das Agressionsverhalten ist wie bei allen Schneckenbuntbarschen stark ritualisiert. Im Detail besteht es aus Breitseiten- und Frontaldrohen, Schwanzschlägen und Maulkampf. All dies wird begleitet von heftigen Farbwechseln. Beschädigungskämpfe kommen im AQ höchst selten vor und stellen eine absolute Ausnahme dar, wenn das Becken an die Bedürfnisse der Tiere angepasst ist. Allerdings sollte man bedenken, dass auch Fische eine Persönlichkeit und Charakterunterschiede haben. Sprich jedes Tier hat ein anderes Temperament! (Hat man also rein zufällig einen kleinen "Napoleon" erwischt, kann man nichts ausschließen, während mit dem "netten Typen" alles toll läuft!)

Verhalten am Schneckenhaus
N. sp. vergräbt seine Schneckenhäuser im sandigen Boden, so dass nur der Eingang sichtbar bleibt. Hierbei leisten die kleinen "Tiefbauingenieure" erstaunliches. Zuerst "baggert" der Fisch den Sand unter dem Schneckenhaus weg, bis dieses völlig unter Bodenniveau liegt. Ist die Lage des Eingangs nicht im Sinne des zukünftigen Hausherrn wird geschoben und geschubst was das Zeug hält. Sind größere Lageänderungen notwendig, arbeiten die Tiere sogar mit dem Einbringen und absaugen von Luftblasen. Hat das Schneckenhaus endlich die perfekte Lage, wir es Maul für Maul wieder zur Gänze mit Sand bedeckt, so dass nur der Eingang frei bleibt. Überzählige Häuser im Revier werden pro Forma vergraben.

Wasser ist nicht gleich Wasser
Die Wasserwerte des Tanganjikasees sind markant und speziell. Darauf möchte ich hier nicht näher eingehen, denn dies ist hinlänglich bekannt und weithin nachlesbar. Bei der Haltung im AQ muss man den Wasserwerten im Ursprungshabitat Rechnung tragen, möchte man den Fischen ein langes und gesundes Leben ermöglichen. Bevor man jedoch munter "drauflos härtet" und "aufsalzt", ist es sinnvoll den Züchter / Händler zu fragen, bei welchen Wasserwerten die Tiere zuvor gehältert wurden, um sie schonend an die richtige Wasserchemie zu gewöhnen. Dann steht auch Nachwuchs nichts im Wege.

Die Diskussionen zur Beckengröße und Vergesellschaftung
Entschließt man sich zur Haltung von N. sp., stößt man in der Literatur unweigerlich auf verschiedene Angaben zur Haltungsform und Beckengröße. Klar - größer ist besser. Auch wir wohnen lieber in einer 100qm Wohnung mit gehobener Ausstattung. Dass heißt aber nicht, dass wir uns in einer richtig eingerichteten 60qm Wohnung unwohler fühlen. Eines ganz offen: Den Tieren ist es völlig egal, ob ein Becken eine quadratische, eine rechteckige oder eine andere Grundform hat - auf die Strukturierung und die Einrichtung kommt es an. Sollen N. sp. ins AQ einziehen muss zunächst die Frage "Artenbecken" oder "Vergesellschaftung in einer Tanganjikagemeinschaft" geklärt werden. Bei einer Vergesellschaftung sollten wg. der Hybridisierungsgefahr, keine sehr ähnlichen Arten wie z. B. Neolamprologus meleagris gehalten werden. Ferner dürfen die doch recht kleinen Fische nicht zum "maulgerechten Snack" für Ihre Mitbewohner werden, das grenzt die zukünftige Nachbarschaft ein. Für eine Tanganjikagemeinschaft, sollte schon ein größeres Becken gewählt werden, um allen Bewohnern gerecht werden zu können. Wird N. sp. im Artenbecken gepflegt, sind harmonisierende Paare bereits in kleineren Becken gut und dauerhaft unterzubringen. Für einen kleinen Harem, sollten es aber mindestens 54-60Liter sein und bitte nur ein Männchen! Sind mehrere Männchen geplant muss auch hier ein größeres Becken her. Grundsätzlich gilt, je kleiner das Becken, desto besser muss es durchdacht und strukturiert sein. Reviergrenzen und Sichtbarrieren spielen dabei eine lebensnotwendige Rolle!

Videotips
Der eine oder andere kennt mit Sicherheit "Aquanet.tv - Fernsehen für Aquarianer" Diese Plattform bietet kostenlos und fundiert, Filme und Berichte rund um Themen der Aquaristik in Ihrer ganzen Bandbreite an. Ich möchte an dieser Stelle auf 3 interessante Videos zum Thema Tanganjikasee und Schneckenbuntbarsche verweisen:

1) Fische des Tanganjikasees - Besonderheiten und der See (Dauer: 15:37Min) Video ansehen (hier klicken!)

2) Fische des Tanganjikasees - Kleine Buntbarsche (Dauer 11:23 Min) Video ansehen (hier klicken!)

3) Lamprologus ocellatus - Ein Schneckenbuntbarsch des Tanganjikasees (Dauer 7:01Min) -dieser Film zeigt sehr gut das Eingraben der Schneckenhäuser und das Drohverhalten als Beispiel stellvertretend für N. sp. Video ansehen (hier klicken!)

Literaturtips zum Weiterlesen

Back to Nature
Handbuch für Tanganjikabarsche
Ad Konnings
2. Auflage / 2005
ISBN 3-935175-32-9

Dähne-Verlag
Schneckenbuntbarschfibel
Wolfgang Staeck
1. Auflage / 2010
ISBN 978-3-935175-62-3

Bede-Verlag
Ihr Hobby: Schneckencichliden
Hans Hirsch
2006
ISBN 978-3-89860-117-X

Zum guten Schluß
...möchte ich ein kleines Dankeschön loswerden. Erstens an meinen guten Freund "Möppi", dessen Pflegeerfahrung mit in diesen Blog eingeflossen ist, und zweitens an "!Fischkopf!", der mich bei meinem Projekt Little Nkamba Bay vor einigen Torheiten bewahrt hat. Danke dafür nach Bremen, "...Wo die Weser einen großen Bogen macht".
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