Lepidozygus tapeinosoma im Aquarium halten
Einrichtungsbeispiele mit Füslilier-Riffbarsch

Wissenswertes zu Lepidozygus tapeinosoma (Füslilier-Riffbarsch)
Lepidozygus tapeinosoma, besser bekannt als Füslilier-Riffbarsch, ist ein eher unscheinbarer, aber biologisch extrem spannender Meeresfisch, der vor allem bei fortgeschrittenen Aquarianern Interesse weckt. Obwohl er farblich nicht mit spektakulären Doktorfischen oder Kaiserfischen konkurriert, überzeugt diese Art durch ihr interessantes Sozialverhalten, ihre ungewöhnliche ökologische Nische und ihre Rolle im natürlichen Riffgefüge. In der Meerwasseraquaristik gilt der Füslilier-Riffbarsch als anspruchsvoll, aber durchaus haltbar, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.
Systematik: Gattung und Familie
Lepidozygus tapeinosoma gehört zur Familie der Pomacentridae, also der Riffbarsche. Diese Familie umfasst mehrere hundert Arten, zu denen auch die bekannten Clownfische zählen. Innerhalb der Pomacentridae nimmt Lepidozygus eine Sonderstellung ein, denn die Gattung Lepidozygus ist monotypisch. Das bedeutet, dass Lepidozygus tapeinosoma die einzige bekannte Art dieser Gattung ist.
Systematische Einordnung im Überblick:
- Stamm: Chordata
- Klasse: Actinopterygii (Strahlenflosser)
- Ordnung: Ovalentaria
- Familie: Pomacentridae (Riffbarsche)
- Gattung: Lepidozygus
- Art: Lepidozygus tapeinosoma
Die Art wurde bereits im 19. Jahrhundert wissenschaftlich beschrieben und ist seitdem immer wieder Gegenstand biologischer und ökologischer Untersuchungen, insbesondere im Zusammenhang mit Schwarmverhalten und Planktonfressern an Außenriffen.
Herkunft und natürlicher Lebensraum
Der Füslilier-Riffbarsch ist im tropischen Indopazifik verbreitet. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Ostafrika über den Indischen Ozean bis in den westlichen und zentralen Pazifik. Besonders häufig findet man ihn in Regionen wie Indonesien, den Philippinen, Papua-Neuguinea, den Salomonen und im Great Barrier Reef.
Typische Lebensräume sind:
- Außenriffe und Riffhänge
- Lagunen mit starker Strömung
- Übergangsbereiche zwischen offenem Wasser und Riffstruktur
Lepidozygus tapeinosoma hält sich bevorzugt in mittleren bis oberen Wasserschichten auf, meist einige Meter über dem Riff. Dort bildet er oft größere Gruppen oder lose Schwärme, die kontinuierlich im freien Wasser nach Plankton suchen. Der Fisch ist stark strömungsliebend und kommt überwiegend in Zonen mit guter Wasserbewegung und hoher Sauerstoffsättigung vor.
Die Tiefe, in der er anzutreffen ist, reicht in der Regel von etwa 5 bis 30 Metern, wobei Jungtiere eher flacher und adulte Tiere auch tiefer vorkommen können.
Beschreibung und allgemeine Merkmale
Lepidozygus tapeinosoma erreicht eine maximale Körperlänge von etwa 10 bis 12 Zentimetern. Damit zählt er zu den mittelgroßen Riffbarschen. Der Körper ist seitlich leicht abgeflacht und stromlinienförmig, was ihn zu einem sehr effizienten Schwimmer im Freiwasser macht.
Charakteristisch ist die relativ lange Rückenflosse, die sich fast über die gesamte Körperlänge erstreckt. Die Schwanzflosse ist gegabelt und unterstützt das dauerhafte Schwimmen gegen Strömung. Im Vergleich zu vielen anderen Riffbarschen wirkt der Füslilier-Riffbarsch weniger gedrungen und insgesamt „fischiger“, fast schon fusilierartig – daher auch einer seiner deutschen Trivialnamen.
Aussehen und Färbung
Die Grundfarbe von Lepidozygus tapeinosoma ist meist silbrig bis graubraun. Je nach Lichteinfall schimmern die Flanken metallisch. Auffällig ist ein dunkler, oft bläulich-schwarzer Streifen, der sich vom Kopf über den Körper bis in die Schwanzflosse ziehen kann. Dieser Längsstreifen ist eines der wichtigsten Erkennungsmerkmale der Art.
Weitere typische Merkmale:
- Bauchseite meist heller, fast weißlich
- Rückenpartie etwas dunkler
- Augen relativ groß, angepasst an das Leben im offenen Wasser
- Flossen meist transparent bis leicht grau
Die Färbung kann je nach Stimmung, Licht und sozialer Situation variieren. In Stresssituationen wirken die Farben oft blasser, während dominante oder entspannte Tiere kräftiger gefärbt erscheinen.
Verhalten und Sozialstruktur
Das Verhalten von Lepidozygus tapeinosoma unterscheidet sich deutlich von vielen anderen Riffbarschen, die oft territorial und aggressiv auftreten. Diese Art ist vergleichsweise friedlich und stark sozial orientiert.
In der Natur lebt der Füslilier-Riffbarsch meist in Gruppen oder lockeren Schwärmen. Diese Gruppen bieten Schutz vor Fressfeinden und erhöhen die Effizienz bei der Nahrungsaufnahme. Innerhalb der Gruppe gibt es zwar eine gewisse Rangordnung, diese äußert sich jedoch selten in ernsthaften Auseinandersetzungen.
Typische Verhaltensmerkmale:
- Dauerhaftes Schwimmen im Freiwasser
- Kaum territoriales Verhalten
- Geringe Aggression gegenüber Artgenossen
- Friedlich gegenüber anderen Fischarten
Im Aquarium zeigt sich dieses Verhalten ebenfalls, sofern ausreichend Platz vorhanden ist. Einzelhaltung ist zwar möglich, entspricht aber nicht dem natürlichen Verhalten und kann zu Stress führen.
Ernährung in der Natur
Lepidozygus tapeinosoma ist ein klassischer Planktonfresser. In freier Wildbahn ernährt er sich hauptsächlich von Zooplankton, kleinen Krebstieren, Larven und anderen im Wasser schwebenden Organismen.
Er steht dabei oft gegen die Strömung und pickt kontinuierlich Nahrungspartikel aus dem Wasser. Diese Ernährungsweise erklärt auch seinen hohen Bewegungsdrang und den vergleichsweise schnellen Stoffwechsel.
Haltung im Meerwasseraquarium
Schwierigkeitsgrad
Die Haltung von Lepidozygus tapeinosoma ist als mittelschwer bis anspruchsvoll einzustufen. Der Fisch ist nicht extrem empfindlich, stellt aber klare Anforderungen an Platz, Wasserqualität und Strömung.
Aquariengröße
Ein entscheidender Faktor ist die Beckengröße. Aufgrund seines aktiven Schwimmverhaltens benötigt der Füslilier-Riffbarsch deutlich mehr Platz als viele andere Riffbarsche ähnlicher Größe.
Empfohlene Mindestgröße:
- Für ein einzelnes Tier: ab 500 Liter
- Für eine kleine Gruppe (3–5 Tiere): ab 700–1000 Liter
- Längere Becken sind klar im Vorteil, da sie dem Fisch ermöglichen, längere Strecken zu schwimmen.
Einrichtung
Die Einrichtung sollte eine Kombination aus offenem Schwimmraum und strukturreichen Riffbereichen bieten. Lebendgestein dient dabei weniger als Reviergrenze, sondern eher als Rückzugs- und Ruhezone.
Wichtig sind:
- Große freie Wasserzonen
- Stabil aufgebaute Riffstrukturen
- Keine zu dichte Dekoration
- Strömung und Technik
Eine kräftige, gleichmäßige Strömung ist essenziell. Lepidozygus tapeinosoma fühlt sich nur in gut durchströmten Becken wohl. Totzonen sollten vermieden werden.
Empfehlungen:
- Mehrere Strömungspumpen
- Wechselnde Strömungsrichtungen
- Hoher Sauerstoffeintrag
Auch eine leistungsfähige Abschäumung ist wichtig, da planktonreiche Fütterung das Wasser stark belasten kann.
Wasserwerte
Stabile Wasserwerte sind entscheidend für langfristigen Erfolg:
- Temperatur: 24–26 °C
- Salzgehalt: 34–35 PSU
- pH-Wert: 8,0–8,3
- Nitrat: möglichst unter 10 mg/l
- Phosphat: niedrig, aber nicht bei null
Plötzliche Schwankungen werden schlecht vertragen.
Fütterung im Aquarium
Im Meerwasseraquarium sollte die natürliche Ernährung möglichst gut nachgeahmt werden. Lepidozygus tapeinosoma ist ein Dauerfresser und profitiert von mehreren kleinen Fütterungen am Tag.
Geeignete Futtersorten:
- Feines Frostfutter wie Cyclops, Copepoden, Mysis
- Hochwertiges Granulat für Planktonfresser
- Staubfutter und Flüssigplankton
- Angereicherte Artemia (nur ergänzend)
Eine abwechslungsreiche Fütterung ist wichtig, um Mangelerscheinungen vorzubeugen. Besonders Vitamine und ungesättigte Fettsäuren spielen eine große Rolle.
Vergesellschaftung
Der Füslilier-Riffbarsch ist sehr gut vergesellschaftbar. Aufgrund seines friedlichen Wesens eignet er sich für Gemeinschaftsbecken mit anderen ruhigen bis halbaktiven Meeresfischen.
Geeignete Beifische:
- Andere friedliche Riffbarsche
- Lippfische ohne stark territoriales Verhalten
- Grundeln
- Doktorfische in großen Becken
Ungeeignet sind sehr aggressive oder stark territoriale Arten, die den permanent schwimmenden Lepidozygus stressen würden.
Giftigkeit
Lepidozygus tapeinosoma gilt nicht als giftig im klassischen Sinne. Er besitzt keine Giftstacheln oder toxischen Drüsen wie einige andere Meeresfische. Allerdings können – wie bei fast allen Meeresfischen – Hautschleim und Gewebe Bakterien enthalten, die bei Verletzungen problematisch sein können.
Beim Umgang im Aquarium sollte daher generell Vorsicht gelten, insbesondere bei offenen Wunden an den Händen.
Vermehrung und Zucht
Fortpflanzung in der Natur
In der Natur laicht Lepidozygus tapeinosoma vermutlich in Gruppen oder Paaren. Wie viele Riffbarsche ist er ein Substratlaicher. Die Eier werden an festen Oberflächen abgelegt und vom Männchen bewacht und befächelt, bis die Larven schlüpfen.
Die Larven sind planktonisch und treiben für einige Zeit im offenen Wasser, bevor sie sich am Riff ansiedeln.
Zucht im Aquarium
Eine erfolgreiche Nachzucht im heimischen Aquarium ist bislang extrem selten und gilt als experimentell. Die größten Herausforderungen sind:
- Auslösung des Laichverhaltens
- Aufzucht der winzigen Larven
- Geeignete Erstnahrung in ausreichender Menge
Theoretisch ist eine Zucht möglich, praktisch jedoch nur mit spezialisierten Aufzuchtsystemen und umfangreicher Erfahrung in der Larvenaufzucht von Meeresfischen.
Mögliche Krankheiten
Wie viele aktive Schwimmer reagiert Lepidozygus tapeinosoma sensibel auf schlechte Wasserqualität und Stress. Häufige Probleme sind:
- Pünktchenkrankheit bei Stress oder Neueingewöhnung
- Bakterielle Infektionen bei Verletzungen
- Abmagerung bei unzureichender Fütterung
Vorbeugend wirken:
- Quarantäne neuer Tiere
- Stabile Wasserwerte
- Hochwertige, abwechslungsreiche Ernährung
Eine frühe Beobachtung ist entscheidend, da sich Krankheiten bei diesem Fisch aufgrund des hohen Stoffwechsels schnell verschlechtern können.
Alternative Bezeichnungen und Trivialnamen
Lepidozygus tapeinosoma ist unter verschiedenen Namen bekannt:
- Füslilier-Riffbarsch
- Fusilier Damselfish
- Scaly Damselfish
Diese Namen beziehen sich meist auf das fusilierähnliche Erscheinungsbild und das Schwarmverhalten im Freiwasser.
Häufige Fragen (FAQ)
Ist Lepidozygus tapeinosoma für Anfänger geeignet?
Eher nicht. Die Art stellt höhere Ansprüche an Platz, Strömung und Fütterung und eignet sich besser für Aquarianer mit Erfahrung in der Meerwasseraquaristik.
Kann man ihn einzeln halten?
Ja, möglich ist es, aber eine kleine Gruppe entspricht deutlich mehr dem natürlichen Verhalten und reduziert Stress.
Frisst der Fisch Korallen?
Nein, Lepidozygus tapeinosoma ist reef-safe und geht nicht an Korallen oder sessile Wirbellose.
Wie alt wird der Füslilier-Riffbarsch?
Bei guter Pflege kann er im Aquarium mehrere Jahre alt werden, genaue Altersangaben variieren je nach Haltung.
Fazit
Lepidozygus tapeinosoma ist ein faszinierender, aber oft unterschätzter Meeresfisch. Seine Stärke liegt nicht in grellen Farben, sondern in seinem natürlichen Verhalten, seiner Eleganz im Freiwasser und seiner spannenden Rolle als Planktonfresser. Für große, gut durchströmte Meerwasseraquarien stellt er eine echte Bereicherung dar, sofern seine speziellen Bedürfnisse berücksichtigt werden.
Wer bereit ist, ausreichend Platz, hochwertige Technik und eine angepasste Fütterung zu bieten, wird mit einem aktiven, friedlichen und äußerst interessanten Pflegling belohnt, der das Aquarium auf eine ganz eigene Art belebt.
Haltungsbedingungen
Um Lepidozygus tapeinosoma (Füslilier-Riffbarsch) möglichst artgerecht zu halten, empfehlen wir nachfolgende Bedingungen zu schaffen. Vor allem bei der Angabe zur Mindestgröße bitten wir zu beachten, dass die optimalen Verhältnisse unter Umständen erst in wesentlich größeren Aquarien hergestellt werden können.
- Wassertemperatur: 24° bis 26°C
- pH-Wert: 8.0 bis 8.3
- Mindestaquariengröße: 500 Liter