Chromis chromis im Aquarium halten
Einrichtungsbeispiele mit Mittelmeer-Mönchsfisch

Wissenswertes zu Chromis chromis (Mittelmeer-Mönchsfisch)
Chromis chromis, im Deutschen meist als Mittelmeer-Riffbarsch bekannt und gelegentlich auch als Mittelmeer-Mönchsfisch bezeichnet, ist einer der bekanntesten Meeresfische des Mittelmeers. Taucher kennen ihn aus nahezu jeder felsigen Küstenregion, wo er in dichten Schwärmen über dem Riff schwebt. Für Aquarianer ist diese Art besonders spannend, weil sie kein klassischer Tropenfisch ist, sondern aus gemäßigten Zonen stammt. Genau das macht ihre Haltung anspruchsvoll, aber auch außergewöhnlich.
Herkunft und natürlicher Lebensraum
Chromis chromis ist im gesamten Mittelmeer verbreitet sowie im östlichen Atlantik entlang der Küsten Portugals, Spaniens und Nordafrikas. Er lebt bevorzugt in Küstennähe an felsigen Riffen, Steilwänden und Geröllzonen. Typisch sind Tiefen von etwa einem bis 40 Metern, wobei Jungtiere eher flacher anzutreffen sind und adulte Tiere auch tiefere Bereiche nutzen.
Das Wasser in diesen Regionen ist deutlich kühler als in tropischen Meeren. Je nach Jahreszeit schwanken die Temperaturen zwischen etwa 13 Grad im Winter und maximal 26 Grad im Hochsommer. Diese Temperaturschwankungen prägen den Stoffwechsel und das Verhalten der Art stark und sind einer der Hauptgründe, warum Chromis chromis kein klassischer Anfängerfisch für das Meerwasseraquarium ist.
Gattung und Familie
Chromis chromis gehört zur:
- Gattung: Chromis
- Familie: Pomacentridae (Riffbarsche)
Die Familie der Riffbarsche umfasst zahlreiche bekannte Arten, darunter viele Doktorfisch-ähnliche Schwarmfische und auch Anemonenfische. Chromis-Arten sind weltweit verbreitet, meist in tropischen Regionen. Chromis chromis ist eine der wenigen Arten dieser Gattung, die in gemäßigten Meeren lebt.
Beschreibung der Art
Der Mittelmeer-Mönchsfisch ist ein schlanker, hochrückiger Fisch mit typischer Riffbarsch-Silhouette. Er ist sehr bewegungsfreudig und verbringt den Großteil des Tages frei schwimmend über dem Substrat. Bei Gefahr zieht sich der Schwarm blitzschnell in Felsspalten zurück.
In der Natur erfüllen diese Fische eine wichtige ökologische Funktion, da sie Zooplankton aus dem Freiwasser fressen und gleichzeitig selbst eine wichtige Nahrungsquelle für größere Raubfische darstellen.
Aussehen und Färbung
Die Grundfarbe von Chromis chromis ist ein dunkles Braun bis Schwarz mit leicht bläulichem Schimmer, der je nach Lichteinfall stärker oder schwächer wirkt. Jungtiere sind oft heller und zeigen teilweise silbrig-blaue Reflexe. Besonders auffällig ist der dunkle Augenstreifen, der bei vielen Individuen deutlich sichtbar ist.
Die Flossen sind relativ kurz, aber kräftig. Die Schwanzflosse ist leicht gegabelt und ermöglicht schnelle Richtungswechsel. Ausgewachsene Tiere erreichen eine Länge von etwa 12 bis maximal 15 Zentimetern.
Während der Fortpflanzungszeit können Männchen eine intensivere Färbung entwickeln und wirken insgesamt dunkler und kontrastreicher.
Verhalten und Sozialstruktur
Chromis chromis ist ein ausgesprochener Schwarmfisch. In der Natur lebt er in Gruppen von mehreren Dutzend bis hin zu mehreren Hundert Individuen. Innerhalb des Schwarms gibt es eine klare Rangordnung, wobei dominante Tiere bevorzugte Positionen im Wasser einnehmen.
Gegenüber Artgenossen ist das Verhalten meist friedlich, solange ausreichend Platz vorhanden ist. In zu kleinen Aquarien kann es jedoch zu starkem Stress, Rangkämpfen und im Extremfall zu Verlusten kommen. Gegenüber anderen Fischarten zeigt Chromis chromis ein eher defensives Verhalten, kann aber sein Revier während der Brutzeit energisch verteidigen.
Haltung im Aquarium – ausführliche Empfehlungen
Die Haltung von Chromis chromis im Aquarium ist anspruchsvoll und richtet sich eher an erfahrene Meerwasseraquarianer mit Zugang zu geeigneter Technik.
Aquariengröße und Einrichtung
Für eine artgerechte Haltung ist ein sehr großes Aquarium erforderlich. Für eine kleine Gruppe von mindestens fünf bis sieben Tieren sollte das Becken ein Volumen von mindestens 800 bis 1000 Litern haben. Einzelhaltung oder Paarhaltung ist nicht artgerecht und führt meist zu Verhaltensstörungen.
Das Aquarium sollte mit reichlich Lebendgestein oder strukturreichen künstlichen Riffaufbauten ausgestattet sein. Wichtig sind viele Versteckmöglichkeiten, aber auch offene Schwimmzonen. Eine starke, aber nicht punktuelle Strömung kommt dem natürlichen Lebensraum sehr nahe.
Wassertemperatur und Wasserwerte
Ein zentraler Punkt ist die Temperatur. Chromis chromis benötigt kühles Meerwasser. Ideal sind Temperaturen zwischen 16 und 22 Grad. Kurzzeitig können auch etwas höhere Werte toleriert werden, dauerhaft über 24 Grad sind jedoch problematisch.
Weitere Wasserwerte:
- Salzgehalt: 34–36 PSU
- pH-Wert: 8,0–8,3
- Nitrit und Ammoniak: nicht nachweisbar
- Nitrat: möglichst unter 20 mg/l
Oft ist der Einsatz eines Aquariumkühlers notwendig, insbesondere in Wohnräumen oder im Sommer.
Vergesellschaftung
Eine Vergesellschaftung ist grundsätzlich möglich, sollte sich aber auf andere kälteresistente Mittelmeerarten beschränken. Tropische Fische sind ungeeignet. Auch sehr aggressive Arten sollten vermieden werden, da Chromis chromis trotz seiner Robustheit stressanfällig ist.
Fütterung
In der Natur ernährt sich Chromis chromis überwiegend von Zooplankton. Im Aquarium nimmt er feines Frostfutter wie Mysis, Artemia, Cyclops und feines Krill an. Auch hochwertiges Granulatfutter für planktivore Meeresfische wird meist akzeptiert.
Mehrere kleine Fütterungen pro Tag sind besser als eine große, da dies dem natürlichen Fressverhalten entspricht.
Giftigkeit
Chromis chromis ist nicht giftig und besitzt weder Giftstacheln noch toxische Hautsekrete. Er stellt keine Gefahr für den Menschen dar. Wie bei allen Meeresfischen sollte dennoch vorsichtig mit Kescher und Händen umgegangen werden, um Stress und Verletzungen zu vermeiden.
Vermehrung und Zucht
Die Fortpflanzung von Chromis chromis ist gut erforscht, aber im Aquarium extrem schwierig. In der Natur bauen die Männchen kleine Nester auf Felsflächen, die sie aggressiv verteidigen. Die Weibchen legen dort ihre Eier ab, die anschließend vom Männchen bewacht und belüftet werden.
Die Larven schlüpfen nach wenigen Tagen und treiben als Plankton im offenen Wasser. Genau diese pelagische Larvenphase macht eine Nachzucht im Aquarium sehr komplex. Es sind spezielle Aufzuchtbecken, Lebendplankton und viel Erfahrung notwendig. Bisher gilt die erfolgreiche Nachzucht im Hobbybereich als absolute Ausnahme.
Mögliche Krankheiten
Chromis chromis gilt als relativ robust, reagiert jedoch empfindlich auf Stress und schlechte Wasserqualität. Häufige Probleme sind:
- Marine Ich (Cryptocaryon irritans)
- Bakterielle Flossenfäule
- Hauttrübungen bei schlechter Wasserqualität
- Abmagerung bei falscher Fütterung
Vorbeugend wirken stabile Wasserwerte, ausreichend Platz und eine abwechslungsreiche Ernährung.
Alternative Bezeichnungen
Chromis chromis ist unter mehreren Namen bekannt:
- Mittelmeer-Riffbarsch
- Mittelmeer-Mönchsfisch
- Schwarzer Chromis
- European Damselfish
Die wissenschaftliche Bezeichnung Chromis chromis ist jedoch eindeutig und sollte bevorzugt verwendet werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist Chromis chromis für Anfänger geeignet?
Nein, die Art stellt hohe Anforderungen an Beckengröße, Temperaturkontrolle und Erfahrung.
Kann man Chromis chromis einzeln halten?
Nein, es handelt sich um einen ausgeprägten Schwarmfisch. Einzelhaltung ist nicht artgerecht.
Benötigt die Art einen Kühler?
In den meisten Fällen ja, da normale Raumtemperaturen für diese Art zu hoch sind.
Ist der Fisch aggressiv?
Außerhalb der Brutzeit ist er relativ friedlich, kann aber innerartlich dominant auftreten.
Fazit
Chromis chromis ist ein faszinierender und ökologisch bedeutender Meeresfisch, der das Mittelmeer wie kaum eine andere Art repräsentiert. Für das heimische Aquarium ist er jedoch nur unter speziellen Bedingungen geeignet. Große Becken, kühle Temperaturen und eine Gruppenhaltung sind zwingend notwendig, um diesen Schwarmfisch artgerecht zu pflegen.
Wer bereit ist, den technischen und pflegerischen Aufwand auf sich zu nehmen, wird mit einem äußerst lebhaften, natürlichen Verhalten und einem Stück Mittelmeer im eigenen Wohnzimmer belohnt. Für die meisten Aquarianer bleibt Chromis chromis jedoch eher ein bewundernswerter Fisch für den Tauchgang als ein klassischer Aquarienbewohner.


