Lebens(t)räume für Menschen, Tiere & Pflanzen
Gestaltungsbeispiele für naturnahe Lebensräume
Einrichtungsbeispiele.de-Logo
Neu
Login
Wir werden unterstützt von:

Libellenlarven im Teich – Bedeutung, Lebensweise und Wechselwirkungen mit Wasserpflanzen

Lesezeit: ca. 3 Minuten
Libellenlarven im Teich – Bedeutung, Lebensweise und Wechselwirkungen mit Wasserpflanzen
Libellenlarven im Teich – Bedeutung, Lebensweise und Wechselwirkungen mit Wasserpflanzen - Foto 1

Libellen sind uns meist nur als schillernde Fluginsekten am Teich bewusst, doch tatsächlich spielt sich der weitaus längere Teil ihres Lebens unter Wasser ab: Als Larven leben sie über Monate oder Jahre hinweg im Verborgenen – mit maßgeblichem Einfluss auf das Teichökosystem.

Räuber im Verborgenen: Lebensweise der Larven

Die Larven der Libellen (Odonata) sind räuberisch lebende aquatische Insektenstadien, die in Abhängigkeit von Art und Umweltbedingungen ein bis drei Jahre im Wasser verbleiben, bevor sie sich zur flugfähigen Imago entwickeln. Zwei Hauptgruppen sind zu unterscheiden:

Libellenlarven im Teich – Bedeutung, Lebensweise und Wechselwirkungen mit Wasserpflanzen
Libellenlarven im Teich – Bedeutung, Lebensweise und Wechselwirkungen mit Wasserpflanzen - Foto 2
  • Kleinlibellen (Zygoptera) – schlank gebaute Larven mit drei auffälligen Kiemenanhängen am Hinterleib, meist auf Pflanzenstängeln lebend.
  • Großlibellen (Anisoptera) – kräftigere, gedrungene Larven mit innenliegenden Rektalkiemen, die sich meist am Boden oder zwischen Wurzeln aufhalten.

Libellenlarven jagen aktiv oder lauern versteckt auf Beute wie Kleinkrebse, Insektenlarven, Kaulquappen und gelegentlich sogar Jungfische. Ihre Fangmaske – ein ausklappbares, mit Dornen besetztes Mundwerkzeug – erlaubt blitzschnelle Beuteergreifung. Je nach Art benötigen sie für ihre Entwicklung sauerstoffreiches, möglichst strukturreiches Wasser mit passenden Mikrohabitaten.

Struktur ist entscheidend: Wechselwirkungen mit Wasserpflanzen

Die Vegetationsstruktur eines Teiches ist maßgeblich für das Vorkommen, Verhalten und die Überlebensrate von Libellenlarven. Pflanzen übernehmen dabei mehrere Funktionen:

Versteck- und Jagdstrukturen

Larven benötigen Deckung vor Fressfeinden (z. B. Fischen, Rückenschwimmern oder Wasserkäfern) und Strukturen zur Tarnung beim Beutefang. 

Libellenlarven im Teich – Bedeutung, Lebensweise und Wechselwirkungen mit Wasserpflanzen
Libellenlarven im Teich – Bedeutung, Lebensweise und Wechselwirkungen mit Wasserpflanzen - Foto 3

Geeignet sind vor allem feinfiedrige Unterwasserpflanzen wie das Ährige Tausendblatt (Myriophyllum spicatum), das Raue Hornblatt (Ceratophyllum demersum) oder der Wasser-Hahnenfuß (Ranunculus aquatilis) sowie aufrecht wachsende Pflanzenarten wie die Wasserfeder (Hottonia palustris), das Teichlebermoos (Callitriche stagnalis) oder wasserstehende Gräser wie das Breitblättrige Rohrkolben (Typha latifolia).

Eiablageplätze für die Folgegeneration

Viele Libellenarten legen ihre Eier gezielt in Wasserpflanzen ab – entweder ins Gewebe (endophytisch, z. B. Kleinlibellen) oder an Halme (epiphytisch, z. B. Großlibellen). 

Besonders bevorzugt werden Schwimmblattpflanzen wie der Gelbe Froschbiss (Nymphoides peltata), der Europäische Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae), emergente Pflanzen wie der Schilfrohrkolben (Sparganium erectum), die Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus) und die Wasserminze (Mentha aquatica).

Libellenlarven im Teich – Bedeutung, Lebensweise und Wechselwirkungen mit Wasserpflanzen
Libellenlarven im Teich – Bedeutung, Lebensweise und Wechselwirkungen mit Wasserpflanzen - Foto 4

Ausstiegs- und Häutungsstellen

Für die Metamorphose zur Imago verlassen die Larven das Wasser und benötigen stabile, senkrechte Strukturen, an denen sie sich festhalten können. 

Pflanzen mit festen Stängeln oder Halmen sind hier unverzichtbar, darunter der Breitblättrige Rohrkolben (Typha latifolia), das Fluss-Schachtelhalm (Equisetum fluviatile) oder das Großblütige Binsenrohr (Scirpus lacustris).

Ein Fehlen solcher Strukturen kann zu missglückten Häutungen führen und wirkt sich unmittelbar auf den Reproduktionserfolg aus.

Libellenlarven im Teich – Bedeutung, Lebensweise und Wechselwirkungen mit Wasserpflanzen
Libellenlarven im Teich – Bedeutung, Lebensweise und Wechselwirkungen mit Wasserpflanzen - Foto 5

Bedeutung im Ökosystem Teich

Libellenlarven spielen eine zentrale Rolle in aquatischen Nahrungsnetzen, sie regulieren die Populationen von Mückenlarven, Wasserflöhen, Eintagsfliegen und anderen Kleintieren. Gleichzeitig dienen sie selbst als Nahrung für Wasservögel (z. B. Teichhuhn, Reiher), Amphibien oder räuberische Insekten wie Gelbrandkäferlarven.

Sie sind auch Bioindikatoren: Ihr Vorkommen und ihre Artenzusammensetzung geben Hinweise auf die Wasserqualität, Strukturvielfalt und den Fischbesatz. Viele Arten meiden stark eutrophierte oder fischreiche Teiche.

Optimale Bedingungen schaffen

Wer Libellenlarven gezielt fördern möchte, sollte folgende Bedingungen im Teich schaffen:

  • Verzicht auf Fischbesatz oder nur geringe Fischdichte mit standorttreuen Arten (z. B. Moderlieschen).
  • Unterschiedliche Tiefenzonen, mit flachen Uferbereichen für emergente Pflanzen.
  • Vielfältige Vegetation, insbesondere heimische Arten mit differenzierter Struktur.
  • Belassen von abgestorbenen Pflanzenstängeln bis ins Frühjahr, um Ausstiegsmöglichkeiten zu erhalten.
  • Keine übermäßige Entfernung von Aufwuchs und Tauchpflanzen.

 

Autorin: Caroline Haller für www.einrichtungsbeispiele.de

Tom

Userbild von TomTom ist Administrator*in von EB und stellt 12 Beispiele vor. In den Bereichen Malawisee, Tanganjikasee, Victoriasee, West- / Zentralafrika, Südamerika, Mittelamerika, Amerikagesellschaftsbecken, Asien/Australien, Gesellschaftsbecken, Wasserchemie, Fragen zu einrichtungsbeispiele.de steht er/sie den Usern bei Fragen kompetent als Anspechpartner zur Seite.

Titel: Libellenlarven im Teich – Bedeutung, Lebensweise und Wechselwirkungen mit Wasserpflanzen (Artikel 6943)

Das könnte dich ebenfalls interessieren:

Heuschnupfen: Welche Pflanzen solltest du nicht in deinem Garten haben?

Heuschnupfen: Welche Pflanzen solltest du nicht in deinem Garten haben?

Pflanzen

Der eigene Garten ist für viele ein Rückzugsort, ein Platz der Ruhe, Naturverbundenheit und Erholung. Doch für Millionen Menschen, die unter Heuschnupfen (auch bekannt als Pollenallergie oder allergische Rhinitis) leiden, kann der Frühling und Sommer zur echten Belastungsprobe werden. Was für andere die schönste Zeit im Gartenjahr ist, bedeutet

Schneeschmelze im Garten - Chancen, Risiken und richtiges Handeln

Schneeschmelze im Garten - Chancen, Risiken und richtiges Handeln

Allgemeine Tipps & Tricks

Wenn der Winter langsam seinen Griff lockert und die Temperaturen tagsüber wieder über den Gefrierpunkt steigen, beginnt ein Prozess, der für Gärtnerinnen und Gärtner enorm wichtig ist: die Schneeschmelze. Was für viele Menschen einfach nur das Verschwinden einer weißen Landschaft bedeutet, ist im Garten ein komplexes Zusammenspiel aus Wasser,

Darum solltest du Rhododendron ponticum nicht im Garten pflanzen

Darum solltest du Rhododendron ponticum nicht im Garten pflanzen

Pflanzen

Rhododendren gehören für viele Gartenfreunde zu den schönsten Blütensträuchern überhaupt. Üppige Blütenbälle, sattes Grün, scheinbar pflegeleicht und über Jahrzehnte hinweg ein fester Bestandteil klassischer Gärten. Gerade deshalb wird oft gar nicht groß hinterfragt, welche Art man sich eigentlich in den Garten holt. Eine davon ist Rhododendron

Bodenverbesserung im Frühling: Mehr Wasser speichern und gezielt nutzen

Bodenverbesserung im Frühling: Mehr Wasser speichern und gezielt nutzen

Allgemeine Tipps & Tricks

Die zunehmend unbeständigen Wetterverhältnisse mit langen Trockenperioden und plötzlichen Starkregenereignissen stellen Gärtner vor neue Herausforderungen. Besonders in trockenen Regionen oder bei sandigen Böden, die zu einer schnellen Austrocknung neigen, ist es von großer Bedeutung, Maßnahmen zu ergreifen, die das Wasserhaltevermögen des Bodens

Was können Hobbygärtner von Alan Titchmarsh lernen?

Was können Hobbygärtner von Alan Titchmarsh lernen?

Allgemeine Tipps & Tricks

Für viele Hobbygärtner ist das Gärtnern mehr als nur ein Zeitvertreib – es ist eine Leidenschaft, ein Rückzugsort, manchmal sogar eine Lebensphilosophie. Wer sich intensiver mit Gartenpflege, Pflanzenkunde oder der Gestaltung von Beeten beschäftigt, stößt früher oder später auf einen Namen: Alan Titchmarsh. Der britische Gärtner, Autor und

Die Thujahecke aus ökologischer Sicht - Chancen, Probleme und nachhaltige Alternativen

Die Thujahecke aus ökologischer Sicht - Chancen, Probleme und nachhaltige Alternativen

Pflanzen

Die Thujahecke gehört seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Gestaltungselementen in deutschen Gärten. Kaum eine andere Heckenpflanze ist so weit verbreitet wie der sogenannte Lebensbaum, der botanisch zur Gattung Thuja gehört. Besonders häufig finden sich die Arten Thuja occidentalis und Thuja plicata in privaten Gärten, Parks und öffentlichen