Krebse im Aquarium halten
Einrichtungsbeispiele mit Krebsen

Wissenswertes zu Krebse
Krebse gehören zu den faszinierendsten Wirbellosen, die in einem Aquarium gepflegt werden können. Mit ihrem oft ungewöhnlichen Verhalten, ihrer beeindruckenden Erscheinung und ihrer aktiven Lebensweise ziehen sie die Aufmerksamkeit vieler Aquarianer auf sich. Während Garnelen häufig für ihre Farbenpracht geschätzt werden und Schnecken als nützliche Helfer gelten, nehmen Krebse eine besondere Stellung ein. Sie zeigen komplexe Verhaltensweisen, gestalten ihre Umgebung aktiv um und verfügen über eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit.
Die Haltung von Krebsen im Aquarium erfreut sich seit vielen Jahren großer Beliebtheit. Dabei reicht die Auswahl von kleinen Zwergkrebsen über mittelgroße Flusskrebse bis hin zu imposanten Großkrebsen, die mehrere Jahre alt werden können. Allerdings unterscheiden sich Krebse deutlich von vielen klassischen Aquarienbewohnern. Wer sie erfolgreich pflegen möchte, sollte ihre Bedürfnisse genau kennen.
Was sind Krebse?
Krebse gehören innerhalb der Gliederfüßer zur Klasse der Höheren Krebse. Sie besitzen einen durch einen Panzer geschützten Körper, mehrere Laufbeine und meist auffällige Scheren. Diese Scheren dienen nicht nur zur Verteidigung, sondern auch zum Nahrungserwerb und zur Kommunikation mit Artgenossen.
Im Aquarium werden überwiegend Süßwasserkrebse gepflegt. Viele dieser Arten stammen aus Nordamerika, Australien, Papua-Neuguinea oder Südostasien. Einige Arten leben in langsam fließenden Gewässern, andere in Bächen oder Seen.
Krebse sind ausgesprochen anpassungsfähig und zeigen oft ein individuelles Verhalten. Viele Tiere erkennen feste Futterplätze und entwickeln sogar charakteristische Verhaltensmuster gegenüber ihrem Pfleger.
Warum Krebse im Aquarium halten?
Krebse bieten zahlreiche Vorteile für Aquarianer. Sie sind interessante Beobachtungsobjekte und zeigen Verhaltensweisen, die bei Fischen oder Garnelen nicht vorkommen.
Besonders beeindruckend sind:
- Grabverhalten
- Revierverhalten
- Häutungen
- Balzverhalten
- Brutpflege
- Nahrungssuche
- Interaktionen mit Artgenossen
Viele Krebsarten sind tagsüber aktiv und daher gut zu beobachten. Andere Arten werden vor allem in der Dämmerung oder nachts aktiv.
Zudem besitzen viele Krebse eine attraktive Färbung. Je nach Art reichen die Farben von Blau über Orange bis hin zu Rot, Weiß oder Dunkelbraun.
Die wichtigsten Krebsarten für das Aquarium
Mexikanischer Zwergflusskrebs – Cambarellus patzcuarensis
Der Mexikanische Zwergflusskrebs zählt zu den beliebtesten Krebsarten in der Aquaristik. Besonders bekannt ist die orange Zuchtform, die häufig als CPO bezeichnet wird.
Diese Krebsart erreicht lediglich eine Körperlänge von etwa vier bis fünf Zentimetern und eignet sich daher auch für kleinere Aquarien.
CPOs gelten als vergleichsweise friedlich und können unter bestimmten Voraussetzungen mit kleinen Fischen vergesellschaftet werden. Dennoch bleiben sie echte Krebse und zeigen ein ausgeprägtes Territorialverhalten.
Louisiana-Zwergflusskrebs – Cambarellus shufeldtii
Diese nordamerikanische Art bleibt ebenfalls relativ klein. Die Tiere besitzen meist eine braune bis olivfarbene Färbung und wirken sehr natürlich.
Sie gelten als robust und anpassungsfähig. Aufgrund ihrer geringen Größe können sie in entsprechend eingerichteten Aquarien gehalten werden.
Blauer Floridakrebs – Procambarus alleni
Der Blaue Floridakrebs gehört zu den bekanntesten Großkrebsen in der Aquaristik. Seine intensive blaue Färbung macht ihn zu einem echten Blickfang.
Die Tiere erreichen eine Länge von bis zu zwölf Zentimetern und benötigen ausreichend Platz. Aufgrund ihrer kräftigen Scheren und ihres territorialen Verhaltens ist eine Vergesellschaftung oft problematisch.
Marmorkrebs – Procambarus virginalis
Der Marmorkrebs besitzt eine besondere biologische Eigenschaft. Er vermehrt sich durch Jungfernzeugung, sodass jedes Tier ohne Paarung Nachkommen produzieren kann.
Diese enorme Vermehrungsfähigkeit macht ihn zu einer Herausforderung für viele Aquarianer. Zudem ist die Haltung in einigen Regionen aufgrund ökologischer Risiken eingeschränkt oder verboten.
Roter Amerikanischer Sumpfkrebs – Procambarus clarkii
Der Rote Amerikanische Sumpfkrebs zählt zu den robustesten Krebsarten überhaupt. Er wächst schnell, wird relativ groß und zeigt ein ausgeprägtes Territorialverhalten.
Die Tiere können Pflanzen stark beschädigen und graben häufig im Bodengrund. Für Gesellschaftsaquarien eignen sie sich daher nur bedingt.
Australischer Yabby – Cherax destructor
Der Yabby stammt aus Australien und gehört zu den größeren Krebsarten. Er beeindruckt durch seine Größe, seine Robustheit und sein interessantes Verhalten.
Diese Art benötigt geräumige Aquarien mit zahlreichen Verstecken.
Blauarmkrebs – Cherax quadricarinatus
Der Blauarmkrebs gehört zu den schönsten Großkrebsen der Aquaristik. Die Tiere entwickeln auffällige blaue Färbungen an den Scheren und können beeindruckende Größen erreichen.
Aufgrund ihrer Endgröße sind große Aquarien erforderlich.
Das richtige Aquarium für Krebse
Die Aquariengröße richtet sich nach der gepflegten Art.
Zwergkrebse können bereits in Aquarien ab etwa 54 Litern gehalten werden. Größere Flusskrebse benötigen deutlich mehr Platz. Für viele Arten gelten Aquarien ab 100 bis 200 Litern als Mindestgröße.
Wichtiger als die reine Wassermenge ist die verfügbare Bodenfläche. Krebse nutzen überwiegend den unteren Bereich des Aquariums.
Eine gute Strukturierung ist entscheidend. Reviere sollten klar voneinander getrennt werden.
Einrichtung eines Krebsaquariums
Eine naturnahe Einrichtung sorgt für Sicherheit und reduziert Stress.
Besonders wichtig sind zahlreiche Versteckmöglichkeiten. Geeignet sind:
- Wurzeln
- Höhlen
- Steinaufbauten
- Tonröhren
- Schieferplatten
- Kokosnusshöhlen
Während der Häutung sind Krebse besonders verletzlich. Verstecke bieten in dieser Phase lebenswichtigen Schutz.
Der Bodengrund kann aus Sand oder feinem Kies bestehen. Viele Arten graben gerne und gestalten ihre Umgebung aktiv um.
Pflanzen im Krebsaquarium
Die Haltung von Pflanzen kann je nach Krebsart problematisch sein.
Viele Großkrebse fressen Pflanzen oder zerstören sie beim Graben. Besonders empfindliche Arten werden häufig beschädigt.
Robustere Pflanzen haben bessere Chancen, beispielsweise:
- Javafarn
- Anubias
- Java-Moos
- Kongofarn
- Bucephalandra
Selbst robuste Pflanzen können jedoch nicht vollständig vor Krebsen geschützt werden.
Wasserwerte für Krebse
Die meisten Süßwasserkrebse gelten als relativ tolerant gegenüber unterschiedlichen Wasserwerten.
Optimal sind meist:
- Temperatur zwischen 20 und 26 Grad Celsius
- pH-Wert zwischen 6,5 und 8,0
- mittlere bis höhere Wasserhärte
- gute Sauerstoffversorgung
Ein gewisser Mineralstoffgehalt ist wichtig, da Krebse diese Stoffe für den Aufbau ihres Panzers benötigen.
Die Bedeutung der Häutung
Die Häutung gehört zu den wichtigsten Vorgängen im Leben eines Krebses.
Da der Panzer nicht mitwächst, muss er regelmäßig abgestreift werden. Nach der Häutung ist der neue Panzer zunächst weich und härtet erst innerhalb einiger Tage aus.
In dieser Zeit sind Krebse besonders gefährdet.
Stress, schlechte Wasserwerte oder Mineralstoffmangel können Häutungsprobleme verursachen.
Die zurückgelassene Hülle sollte meist im Aquarium verbleiben. Viele Krebse fressen sie später auf und nutzen die enthaltenen Mineralien erneut.
Ernährung von Krebsen
Krebse sind überwiegend Allesfresser.
In der Natur ernähren sie sich von:
- Pflanzenmaterial
- Laub
- Algen
- Insektenlarven
- Würmern
- Schnecken
- Aas
- organischen Resten
Im Aquarium sollte die Ernährung abwechslungsreich gestaltet werden.
Geeignete Futtermittel sind:
- Krebsfutter
- Garnelenfutter
- Gemüse
- Laub
- Frostfutter
- Proteinreiche Futtersorten
Besonders beliebt sind Zucchini, Spinat, Erbsen und Karotten.
Braunes Herbstlaub stellt eine wichtige Dauerfutterquelle dar. Vor allem Buchenlaub und Eichenlaub werden gerne gefressen.
Laub als wichtiger Bestandteil der Ernährung
Laub erfüllt mehrere Funktionen im Krebsaquarium.
Es dient nicht nur als Nahrung, sondern auch als Versteck und Besiedlungsfläche für Mikroorganismen.
Viele Krebsarten verbringen Stunden damit, abgestorbenes Laub zu zerkleinern und zu fressen.
Dadurch wird ein natürliches Verhalten gefördert.
Vergesellschaftung von Krebsen
Die Vergesellschaftung gehört zu den schwierigsten Themen der Krebshaltung.
Grundsätzlich gilt: Jeder Krebs kann Fische oder andere Wirbellose verletzen.
Langsame Bodenfische sind besonders gefährdet.
Geeignete Mitbewohner können sein:
- schnelle Schwarmfische
- robuste Oberflächenfische
- bestimmte Schneckenarten
Eine Garantie für eine friedliche Vergesellschaftung gibt es jedoch nie.
Viele Aquarianer bevorzugen daher Artenbecken.
Krebse und Garnelen
Die gemeinsame Haltung von Krebsen und Garnelen ist meist problematisch.
Vor allem größere Krebsarten betrachten Garnelen häufig als Nahrung.
Zwergkrebse können unter Umständen mit robusten Garnelenarten zusammenleben, doch auch hier sind Verluste möglich.
Krebse und Schnecken
Viele Krebsarten fressen Schnecken, wenn sich die Gelegenheit bietet.
Besonders kleine Schnecken werden häufig erbeutet.
Größere Schneckenarten besitzen bessere Überlebenschancen.
Revierverhalten und Aggression
Krebse besitzen ein ausgeprägtes Territorialverhalten.
Männchen verteidigen ihre Reviere häufig energischer als Weibchen.
Besonders während der Paarungszeit kann es zu Kämpfen kommen.
Eine strukturreiche Einrichtung hilft dabei, Konflikte zu reduzieren.
Je mehr Verstecke vorhanden sind, desto geringer ist meist die Aggressivität innerhalb der Gruppe.
Fortpflanzung und Zucht
Viele Krebsarten lassen sich im Aquarium erfolgreich vermehren.
Nach der Paarung trägt das Weibchen die Eier unter dem Hinterleib.
Je nach Art können mehrere Dutzend bis mehrere Hundert Eier produziert werden.
Während der Brutpflege reinigt und belüftet das Weibchen die Eier ständig.
Nach dem Schlupf verbleiben die Jungtiere oft noch einige Zeit bei der Mutter.
Aufzucht der Jungkrebse
Jungkrebse benötigen zahlreiche Verstecke.
Moose, Laub und feine Strukturen erhöhen die Überlebensrate deutlich.
Da Krebse Kannibalismus zeigen können, müssen ausreichend Rückzugsmöglichkeiten vorhanden sein.
Mit zunehmendem Wachstum werden die Tiere regelmäßig gehäutet.
Krankheiten bei Krebsen
Krebse gelten grundsätzlich als robuste Aquarienbewohner.
Dennoch können verschiedene Probleme auftreten.
Dazu gehören:
- Häutungsstörungen
- bakterielle Infektionen
- Pilzinfektionen
- Parasiten
- Verletzungen nach Kämpfen
Eine gute Wasserqualität stellt die wichtigste Vorbeugungsmaßnahme dar.
Die Krebspest
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Krebspest.
Dabei handelt es sich um eine durch einen Pilzähnlichen Erreger verursachte Krankheit, die für viele europäische Flusskrebse tödlich verläuft.
Nordamerikanische Arten können Träger des Erregers sein, ohne selbst schwer zu erkranken.
Aus diesem Grund sollten Krebse niemals in natürliche Gewässer ausgesetzt werden.
Häufige Fehler bei der Krebshaltung
Viele Probleme entstehen durch ungeeignete Haltungsbedingungen.
Zu den häufigsten Fehlern zählen:
- zu kleine Aquarien
- zu wenige Verstecke
- ungeeignete Vergesellschaftung
- einseitige Ernährung
- schlechte Wasserqualität
- fehlende Mineralstoffversorgung
Eine sorgfältige Planung verhindert viele Schwierigkeiten bereits im Vorfeld.
Lebensdauer von Krebsen
Die Lebenserwartung hängt stark von der Art ab.
Zwergkrebse erreichen häufig ein Alter von etwa eineinhalb bis drei Jahren.
Größere Arten können fünf bis zehn Jahre alt werden.
Unter optimalen Bedingungen erreichen manche Arten sogar noch höhere Lebensalter.
Warum entkommen Krebse manchmal aus dem Aquarium?
Krebse sind ausgezeichnete Kletterer.
Sie können Schläuche, Kabel oder Dekorationsgegenstände nutzen, um aus dem Aquarium zu gelangen.
Eine lückenlose Abdeckung ist daher unverzichtbar.
Selbst kleine Öffnungen können ausreichen, damit ein Krebs entweicht.
Artenbecken oder Gesellschaftsaquarium?
Für viele Krebsarten ist ein Artenbecken die beste Wahl.
Hier können die Tiere ihr natürliches Verhalten zeigen, ohne andere Aquarienbewohner zu gefährden.
Zudem lassen sich Haltung, Fütterung und Zucht deutlich einfacher kontrollieren.
Insbesondere größere Flusskrebse profitieren von einem speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Aquarium.
FAQs zu Krebsen im Aquarium
Welche Krebse eignen sich für Anfänger?
Besonders beliebt für Einsteiger sind der Mexikanische Zwergflusskrebs Cambarellus patzcuarensis sowie der Louisiana-Zwergflusskrebs Cambarellus shufeldtii, da sie vergleichsweise klein bleiben und als robust gelten.
Wie groß sollte ein Krebsaquarium sein?
Die notwendige Größe hängt von der Art ab. Zwergkrebse können bereits in kleineren Aquarien gepflegt werden, während größere Flusskrebse deutlich mehr Platz benötigen.
Können Krebse mit Fischen zusammenleben?
Eine Vergesellschaftung ist grundsätzlich möglich, jedoch nicht risikofrei. Jeder Krebs kann Fische verletzen oder fressen, wenn sich eine Gelegenheit ergibt.
Was fressen Krebse im Aquarium?
Krebse sind Allesfresser. Sie nehmen Pflanzenkost, Laub, Gemüse, Frostfutter, Krebsfutter sowie tierische Nahrung auf.
Warum häuten sich Krebse?
Die Häutung ist notwendig, da der Panzer nicht mitwächst. Durch das Abstreifen des alten Panzers kann der Krebs weiter wachsen.
Sind Krebse nachtaktiv?
Viele Arten sind vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv. Es gibt jedoch auch Arten, die tagsüber häufig beobachtet werden können.
Können Krebse Pflanzen zerstören?
Ja. Vor allem größere Krebsarten graben Pflanzen aus oder fressen Pflanzenteile.
Wie oft häuten sich Krebse?
Junge Tiere häuten sich deutlich häufiger als ausgewachsene Exemplare. Mit zunehmendem Alter werden die Abstände zwischen den Häutungen größer.
Wie lange leben Krebse im Aquarium?
Je nach Art beträgt die Lebenserwartung etwa zwei bis zehn Jahre.
Können Krebse aus dem Aquarium entkommen?
Ja. Krebse sind geschickte Kletterer und können selbst kleine Öffnungen nutzen. Eine sichere Abdeckung ist daher Pflicht.
Fazit
Krebse im Aquarium bieten eine außergewöhnliche Möglichkeit, das Verhalten faszinierender Wirbelloser aus nächster Nähe zu beobachten. Ihre aktive Lebensweise, ihre beeindruckenden Scheren, ihr interessantes Sozialverhalten und die regelmäßigen Häutungen machen sie zu spannenden Pfleglingen für Aquarianer aller Erfahrungsstufen.
Die erfolgreiche Haltung setzt jedoch voraus, dass die speziellen Bedürfnisse der jeweiligen Art berücksichtigt werden. Ausreichend Platz, zahlreiche Verstecke, eine abwechslungsreiche Ernährung und eine stabile Wasserqualität bilden die Grundlage für gesunde und langlebige Tiere. Besonders wichtig ist außerdem die sorgfältige Auswahl möglicher Mitbewohner, da Krebse trotz ihrer oft attraktiven Erscheinung stets Raubtiere mit individuellen Revieren bleiben.
Wer sich intensiv mit den Anforderungen der jeweiligen Art beschäftigt und das Aquarium entsprechend gestaltet, wird mit faszinierenden Beobachtungen belohnt und kann viele Jahre Freude an diesen außergewöhnlichen Bewohnern der Unterwasserwelt haben.


